Vermögensverwalter-Kolumne

Renaissance von Value und Europa!

05.03.26 09:23 Uhr

Renaissance von Value und Europa! | finanzen.net

Das Jahr 2026 markiert an den Finanzmärkten tatsächlich einen Wendepunkt, der oft als "Renaissance der Substanz" bezeichnet wird. Nachdem jahrelang US-Technologie-Giganten (Growthaktien) den Markt dominierten, verschieben sich die Gewichte nun spürbar Richtung Europa und wertorientierter Strategien (Valueaktien).

Unseres Erachtens sind die drei Hauptgründe für diese Entwicklung wie folgt:

Bewertungsschere: Europa als "Schnäppchenmarkt"

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Während die Bewertungen in den USA - getrieben durch den KI-Hype - historische Höchststände erreicht haben, blieben europäische Aktien lange Zeit zurück. Zwar liegt zum Beispiel der EuroStoxx50 ebenso wie der US-Index S&P 500 heute auf Rekordniveau, aber der folgende Chart zeigt eindeutig, dass Europa in der Performance deutlich "hinterherhinkt".

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Historische Diskrepanz beim KGV: Europäische Titel handeln 2026 weiterhin mit einem deutlichen Abschlag gegenüber dem US-Markt. Investoren suchen nun verstärkt nach Sicherheitsmargen, die sie in den moderaten Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) in Europa finden.

Quellen: FactSet, Hauck Aufhäuser Lampe

Gewinnwachstum: Analysten erwarten für 2026 ein solides Gewinnwachstum in Europa (ca. sieben bis zehn Prozent), was bei den aktuell niedrigen Kursen eine attraktive Einstiegschance bietet, während die Gewinndynamik beim S&P 500 deutlich moderater ist, wenngleich immer noch nominal höher.

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Quellen: FactSet, Hauck Aufhäuser Lampe

Die Zinswende und das Ende der Stagnation

Die makroökonomische Landschaft in Europa hat sich stabilisiert, was klassischen Value-Sektoren in die Karten spielt:

- Zins-Plateau: Die EZB hat ihren Zinssenkungszyklus weitgehend abgeschlossen und die Zinsen bei etwa zwei Prozent stabilisiert. Das stützt insbesondere die Margen von Banken und Versicherungen - klassische Schwergewichte im europäischen Markt, aber kommt auch den Unternehmen mit günstigeren Krediten zugute.
- Konjunktur-Turnaround: Nach Jahren der Flaute zeigt besonders Deutschland 2026 erste Erholungstendenzen (prognostiziertes Wachstum von ca. 1,0-1,2 %). Fiskalische Impulse und sinkende Energiekosten beleben die zyklische Industrie.

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Diversifikation weg von der "KI-Konzentration"

Die extreme Marktkonzentration auf wenige US-Tech-Werte (die sogenannten "Magnificent Seven") wird inzwischen zunehmend als Klumpenrisiko wahrgenommen.

Quellen: FactSet, Hauck Aufhäuser Lampe

Sektor-Rotation: Kapital fließt aus überhitzten Tech-Werten in "reale" Wirtschaftszweige. Europa ist stark in Bereichen wie Industrie, Gesundheit, Luxusgüter und Energie - Branchen, die jetzt von einer breiteren Marktbelebung profitieren.

Beispiele für starke Dividendenplayern aus den oben genannten Sektoren sind, Air Liquide, Novartis, LVMH und TotalEnergies. Alle vier Werte haben ihre Dividenden in den letzten zehn Jahren mindestens stabil gehalten bzw. dynamisch angehoben.

Dividenden-Fokus: In einem Umfeld, in dem die Inflation zwar sinkt, aber hartnäckig bleibt, werden Dividenden zur entscheidenden Renditequelle. Europäische Unternehmen sind traditionell großzügiger bei Ausschüttungen als ihre US-Pendants.

von Marc Gabriel, CIIA®, CESGA®, Kundendirektor bei Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltung in Kleve.

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von Heiko Löschen, Geschäftsführer der GSP asset management in Münster.

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: onvista, Quellen: FactSet, Hauck Aufhäuser Lampe, Quellen: FactSet, Hauck Aufhäuser Lampe, Quellen: FactSet, Hauck Aufhäuser Lampe