27.07.2015 15:56

Computersystem gehackt: Varoufakis soll an geheimem Grexit-Plan gearbeitet haben

Wirbel um Varoufakis: Computersystem gehackt: Varoufakis soll an geheimem Grexit-Plan gearbeitet haben | Nachricht | finanzen.net
Wirbel um Varoufakis
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Auch Wochen nach seinem Rücktritt reißt die Skandalkette um Yanis Varoufakis nicht ab. Ein griechisches Blatt hat einen Telefonmitschnitt vorliegen, in dem Varoufakis zugibt, im Verborgenen an einem Grexit-Plan gearbeitet zu haben. Mit nicht ganz legalen Mitteln.
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"Ich bin beeindruckt von der Fantasie meiner Verleumder", so ein Tweet von Yanis Varoufakis, mit dem er Stellung zu den jüngsten Gerüchten um seine Person nimmt. Hintergrund ist ein Artikel in der Athener Zeitung "Kathimerini", der Griechenlands ehemaligen Finanzminister als möglichen Vorbereiter eines Währungsputsches entlarven soll.

Mitschnitt einer Telefonkonferenz

Der griechischen Zeitung "Kathimerini" liegt eigenen Angaben zufolge der Mitschnitt einer Telefonkonferenz vor, in der Yanis Varoufakis gegenüber Vertretern internationaler Hedgefonds die Gerüchte um seine Person selbst anstachelt. Mehr als eine Woche nach seinem Rücktritt vom Posten des Finanzministers habe er am Telefon erklärt, der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras habe ihm den Auftrag erteilt, im Geheimen einen Plan B für einen möglichen Grexit zu entwickeln. Diesen Auftrag habe er bekommen, bevor Tsipras und Syriza die Wahl in Griechenland im Januar gewonnen hatten. Varoufakis habe daraufhin ein kleines, fähiges Team zusammengerufen, da die Umsetzung "aus offensichtlichen Gründen geheim" gehalten werden musste. Mitglied des Teams soll auch der damalige Energie-Minister Panagiotis Lafazanis gewesen sein, der seinen Posten inzwischen ebenfalls los ist. Die griechische Regierung habe auf mögliche Bankenschließungen vorbereitet sein wollen, so Varoufakis dem Mitschnitt zufolge weiter.

Einführung der Drachme per Knopfdruck

Ziel von Plan B sei die Einführung einer Parallelwährung gewesen, berichtet das Blatt. Sollten die griechischen Banken schließen müssen, weil die EZB den Geldfluss an die Finanzhäuser unterbricht, sollte das Parallelwährungssystem die Wirtschaft am Laufen halten und Finanzgeschäfte weiter ermöglichen.

Eigenes System gehackt

Pikant an der Geschichte: Varoufakis hat offenbar veranlasst, das Computersystem der griechischen Steuerverwaltung zu hacken, um sich Zugriff auf die Steuerdaten griechischer Unternehmen und griechischer Bürger zu verschaffen. Dies sei nötig gewesen, um das parallele Zahlungssystem bei Bedarf quasi auf Knopfdruck zu aktivieren und über Nacht die Drachme wieder einzuführen. Unterstützung für den Einbruch ins griechische Computersystem habe Varoufakis von einem alten Freund bekommen, der als Informatik-Professor an der Universität von Columbia tätig sein soll.

Varoufakis räumt Echtheit der Aufzeichnung ein

Gegenüber dem britischen Telegraph räumte Yanis Varoufakis zwischenzeitlich ein, dass das Transkript der Telefonkonferenz echt ist. Auch die Zitate seien korrekt, allerdings hätten es Teile der griechischen Presse darauf angelegt, es so aussehen zu lassen, als habe er es von Anfang an auf einen Grexit und eine Rückkehr zur Drachme angelegt. Sein Ziel sei es aber nie gewesen, "den Euro zu demontieren, weil wir nie wissen, welche dunklen Kräfte das in Europa entfesseln kann." "Sie haben mich als Verräter hingestellt", beschwert er sich. Alles sei darauf angelegt, die ersten fünf Monate dieser Regierung auszumerzen und in den Papierkorb der Geschichte zu werfen", so Varoufakis gegenüber dem "Telegraph" weiter.

Tsipras macht Rückzieher

Warum der Plan B schlussendlich nicht zur Ausführung kam, erklärt Varoufakis damit, dass Alexis Tsipras am Ende einen Rückzieher gemacht habe. Zwar hatte dieser den Auftrag ursprünglich erteilt, der Finanzminister habe seinen Ministerpräsidenten allerdings wissen lassen, dass die Durchführung nicht einfach werde, dass dies aber "der Preis ist, den man für Freiheit bezahlen muss". Wann Tsipras die Entscheidung getroffen habe, den Grexit-Plan nicht umsetzen und stattdessen die Voraussetzung für Verhandlungen um ein drittes Hilfspaket schaffen zu wollen, wisse er nicht. "Ich habe in der Nacht des Referendums davon erfahren. Und das ist der Grund, warum ich meinen Rücktritt angeboten habe", so Varoufakis weiter.

Parteien fordern Aufklärung

Die griechischen Parteien dringen nach Bekanntwerden des Telefonmitschnittes am Montag unterdessen auf eine schnelle Aufklärung und fordern eine offizielle Stellungnahme von Seiten der Regierung. Immerhin hätte sich Varoufakis mit dem Hacken der Steuerdaten einer Straftat schuldig gemacht. Bislang gibt es kein Statement von Alexis Tsipras oder anderen griechischen Regierungsvertretern.

Redaktion finanzen.net
Bildquellen: Hannelore Foerster/Getty Images, EMMANUEL DUNAND/AFP/Getty Images

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