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11.09.2019 12:55
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CFDs: Die goldenen Zeiten sind vorbei

Euro am Sonntag-Spezial: CFDs: Die goldenen Zeiten sind vorbei | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Spezial
Eine Umfrage zeigt, dass Anbieter wegen der Regulierung viele Kunden verlieren. Die Branche genießt aber hohes Ansehen als Vermittler von Finanzwissen.
€uro am Sonntag
von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Kräftig zurückgegangen ist die Zahl der CFD-Trader in Deutschland. Handelten im Zeitraum April 2017 bis März 2018 noch 76.000 Anleger bei CFD-Brokern, waren es in der Periode April 2018 bis März 2019 nur noch 68.000 Investoren. Das ist ein Minus von fast elf Prozent - der erste Rückgang seit 2012. Das ergab die aktuelle umfassende Studie des unabhängigen Research-Instituts Investment Trends über den deutschen CFD-Markt, die seit 2012 einmal jährlich durchgeführt wird. Dafür wurden 5.279 deutsche Anleger befragt, von denen 1.418 Personen in den vergangenen zwölf Monaten mit CFDs gehandelt haben.

Noch mehr als an der geringeren Zahl von Anlegern dürfte die Branche darunter leiden, dass diese auch weniger und mit niedrigeren Beträgen aktiv sind. So gaben jeweils 28 Prozent der Befragten an, dass sie seltener handeln und mit niedrigerem Einsatz. Die Anzahl der Trades eines durchschnittlichen CFD-Anlegers sank von März 2018 bis März 2019 um mehr als zehn Prozent. Nur zwölf Prozent traden mehr als ein Jahr zuvor und lediglich fünf Prozent mit größeren Beträgen.

Aktienkurse unter Druck


Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Branche. Die in London notierten Aktien der beiden führenden europäischen CFD-Broker sind seit August 2018 in die Knie gegangen. Der Titel von CMC Markets fiel von 1,80 auf 0,95 britische Pfund, der Anteilschein von IG von 8,50 auf 5,36 Pfund. Grund dafür sind massive Umsatz- und Gewinneinbußen. Bei CMC Markets brach der Gewinn im gesamten Geschäftsjahr 2018/2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 90 Prozent ein, bei IG um 31 Prozent.

Auslöser dieser Entwicklung sind vor allem die durch die europäische Aufsichtsbehörde ESMA und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingeführten regulatorischen Verschärfungen, die seit August 2018 greifen. Vor allem die deutliche Begrenzung der Hebel, das Verbot der Nachschusspflicht und die starke Einschränkung der Werbung machen den Anbietern zu schaffen. Waren früher Hebel von 200 oder sogar 400 möglich, sind nun nur noch Hebel von 10 bis 30 je nach Basiswert erlaubt. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass Anleger mehr Kapital hinterlegen müssen, um handeln zu dürfen.

Mehr inaktive Trader


Auf die Frage, warum sie den Broker gewechselt haben, antworteten 17 Prozent der wechselbereiten Investoren, dass sie das wegen der hohen Kapitalanforderungen getan hätten, und neun Prozent, wegen der geringen Hebel. Noch auffälliger ist die hohe Zahl der inaktiv gewordenen Anleger. 34.000 oder 45 Prozent der Trader zogen sich zwischen 2018 und 2019 aus dem CFD-Handel zurück. Das ist mit Abstand die höchste Zahl seit 2012. "Grund für den Rückgang ist ganz klar die stärkere Regulierung. Sie hat auch eine Konsolidierung auf dem deutschen Markt eingeleitet. Einige Anbieter haben sich bereits zurückgezogen", sagt Craig Inglis, Deutschland-Chef von CMC Markets. So hat beispielsweise der deutsche Ableger des CFD-Brokers Ayondo vor einigen Tagen Insolvenz angemeldet.

Heftige Kritik an der Regulierung übt daher der deutsche CFD-Verband. Die Beschränkung des Handels schütze Anleger nicht, sondern treibe sie in die Hände dubioser Trading-Plattformen. "Die Kunden eröffnen Konten bei Anbietern außerhalb der EU, die auch heute noch einen Handel mit hohen Hebeln erlauben", warnt der Interessenverband. Diese Gefahr besteht sicherlich, weil Anbieter aus Israel, Australien oder der Türkei im Internet aggressiv um Kunden werben.

Der zweite wichtige Grund für die Umsatzprobleme der CFD-Broker liegt darin, dass sich der Boom der Kryptowährungen wie beispielsweise des Bitcoin deutlich abgeschwächt hat. So gaben 2019 nur noch vier Prozent der CFD-Käufer an, dass sie angefangen haben, mit Kryptowährungen zu traden, während es ein Jahr zuvor immerhin noch zwölf Prozent waren.

Junge mögen Plus500 und eToro


Nichtsdestotrotz ziehen die Broker immer noch junge Anleger an. Ein Viertel der neuen Investoren, die nicht länger als ein Jahr handeln, sind nicht älter als 35 Jahre. Vor allem die Anbieter Plus500 und eToro, die für ihre offensiven verkaufsfördernden Maßnahmen bekannt sind, haben viele junge Trader.

Denen ist besonders wichtig, dass sie Zugang über Smartphone oder Tablet haben, eine breite Palette an Märkten abgedeckt wird und die Kontoeröffnung einfach ist. Sie folgen überdies häufig Empfehlungen von Freunden bei der Auswahl des Brokers. Offenbar erfüllen Plus500 und eToro diese Anforderungen. Überhaupt ist es erstaunlich, wie viel Wohlwollen nicht nur junge, sondern alle Anleger, die beabsichtigen, ein CFD-Konto zu eröffnen, den jeweiligen Anbietern entgegenbringen.

58 Prozent von ihnen vertrauen bei der Generierung von Finanzwissen den CFD-Anbietern. Deutlich dahinter kommen die Börsen (44 Prozent), Investmentexperten (35), Foren und Blogs (35) sowie die Hausbanken (34). Abgeschlagen mit 14 Prozent folgen die Medien. "Das zeigt, dass bei Ausbildungsthemen, wo es etwa um Anlagestrategien oder -psychologie und bestimmte Assetklassen geht, die Angebote der CFD-Broker sehr gefragt sind", freut sich daher Alex Pusco, Geschäftsführer des Brokers ActivTrades.

Wissensvermittlung ist ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Beurteilung der CFD-Broker durch die Kunden. Immerhin 27 Prozent der Anleger achten darauf. Nur Spreads (100 Prozent) und Gebühren (97), Kundenservice (70), rascher Zugriff aufs Geld (39) sowie eine breite Palette an Investmentmöglichkeiten (33) sind für die Kunden noch wichtigere Faktoren. Wahrscheinlich liegt das gestiegene Interesse an der Vermittlung von Finanzwissen auch daran, dass sich die Voraussetzungen bei den Neukunden verändert haben.

Während diese früher häufig bereits vorher mit Derivaten oder Optionsscheinen Erfahrungen gesammelt hatten, ist der Anteil dieser Klientel nun rückläufig. Neben Aktionären eröffnen immer mehr Besitzer von Fonds und ETF-Käufer ein Konto bei einem CFD-Anbieter. Darauf sollten sich die Broker einstellen, wenn sie künftig neue Investoren für sich gewinnen wollen.

Hoffnung auf Besserung


Dass dies gelingen wird, davon zeigt sich Craig Inglis überzeugt. "Für die Zukunft sind wir durchaus optimistisch und sehen jetzt schon wieder eine leichte Erholung bei den Umsätzen - auch weil die Kunden mehr Geld auf ihre Konten einzahlen und sich langsam an die höheren Anforderungen an Eigenkapital gewöhnen", erklärt der Deutschland-Chef des Marktführers CMC Markets.







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Bildquellen: Lim Yong Hian / Shutterstock.com, svilen_mitkov / Shutterstock.com

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