finanzen.net
07.09.2012 11:30

Die Transaktionssteuer und der CFD-Handel

Folgen
Nachdem eine EU-weite Einführung der vieldiskutierten Finanztransaktionssteuer immer unwahrscheinlicher wird, feilen die verantwortlichen Politiker schon seit einiger Zeit an Alternativmodellen.
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Erst letzte Woche sprach Finanzminister Wolfgang Schäuble von einer "Koalition der Willigen", und erklärte schon bei seiner Ankunft beim Treffen der europäischen Finanzminister am Freitag in Luxemburg, man müsse nun halt "die Chance der verstärkten Zusammenarbeit nutzen". Wenn mindestens neun Staaten sich einig sind, so sehen es die EU-Verträge vor, können sie bei Projekten vorangehen, denen nicht alle 27 Mitglieder zustimmen. Bisher wurde von diesem Instrument nur selten Gebrauch gemacht - das Schengen-Abkommen sei als Beispiel genannt - da die Sorge besteht, dass eine Durchsetzung für Friktionen innerhalb der Union sorgt. Die neuerliche Debatte zur FTAS ist da keine Ausnahme - Deutschland will sie, Großbritannien nicht, Schweden hatte sie mal und mag jetzt nicht mehr, und Frankreich hat sie zu Hause gleich schon eingeführt, ohne irgendwen um Erlaubnis zu fragen.

Die Gründe der Befürworter der Abgabe sind nachvollziehbar. Mit einer Steuer auf börsliche und außerbörsliche Finanztransaktionen will der Fiskus einen Schritt in Richtung Stabilisierung der Märkte unternehmen, indem er Volatilität reduziert und so kurzfristige Spekulationen und Leerverkäufe weniger rentabel und damit unattraktiver macht. Auf diese Weise wollen die Befürworter vor allem sogenannten "rogue traders" beikommen, die mit ihren riskanten Wetten als mitverantwortlich gelten für Krisen, die, wie jeden Abend einleuchtend in den Nachrichten zu sehen ist, in der Lage sind, die ganze Weltwirtschaft in Turbulenzen zu stürzen. Überdies wäre eine solche Abgabe extrem ergiebig: Selbst wenn sie nur auf kurzfristige Devisenmarkt- und Derivategeschäfte angewendet, könnte sie Schätzungen zufolge pro Jahr immer noch bis zu 40 Milliarden Dollar einbringen - Mittel, die den Weg aus der derzeitigen Wirtschaftskrise merklich ebnen könnten.

Kritiker der Steuer warnen vor allem davor, dass ein wie von Schäuble geplanter Alleingang einiger weniger Staaten das Vorhaben als Ganzes zur Farce machen würde. Zum einen würden Finanzinstitute die Steuer vermutlich umgehend in Form von höheren Zinsen und niedrigerer Rendite auf ihre Kunden abwälzen, was auf lange Sicht das Wirtschaftswachstum dämpfen und Arbeitsplätze kosten würde. Ein weiteres, deutlich gefährlicheres und von verschiedenen Firmen und Gesellschaften bereits angedrohtes Szenario wäre eine Verlagerung der Finanzgeschäfte in Wirtschaftsräume, die auf eine Einführung verzichtet haben. Der bereits vorliegende Richtlinienentwurf, der eine Umsetzung der FTAS bis Ende 2013 beinhaltet, sieht eine Anwendung auf Transaktionen vor, bei denen zumindest eine beteiligte Partei in einem teilnehmenden EU-Land ansässig ist. Das erklärt unter anderem auch David Camerons Ablehnung des Vorhabens: Anders als zum Beispiel in der Bundesrepublik, deren Industrie sie immer wieder zum Exportweltmeister macht, ist in Großbritannien der Finanzsektor der stärkste Wirtschaftszweig. Die City ist der Motor, der den ganzen Staat antreibt, und jegliche Regulierungen würden London um ein Vielfaches härter treffen als den Rest der EU. Ein Abwandern der großen Banken wäre kaum bis unmöglich zu verkraften.

Ob der Handel mit CFDs unter die neue Steuer fällt, scheint noch nicht ganz geklärt zu sein. Laut Entwurf soll die FTAS auf alle Transaktionen, also Käufe und Verkäufe, von Wertpapieren, strukturierten Finanzinstrumenten und Derivaten anfallen. Demnach wäre der CFD-Handel ebenfalls betroffen, jedoch wird derzeit auch eine Ausnahme für Privatanleger diskutiert, und auch mögliche Freibeträge stehen zur Debatte. Manche Fachleute hoffen sogar darauf, dass CFD-Händler zu den Gewinnern der neuen Steuer gehören könnten, da die Kontrakte zwar zum aktuellen Börsenpreis ausgeführt werden, ein Handel (also eine Transaktion) im Sinne des Börsengesetzes jedoch nicht stattfindet. Sollte sich also herausstellen, dass der Gesetzesentwurf den Handel mit CFDs überhaupt nicht betrifft, würde ihn das natürlich deutlich attraktiver machen.

Denken Sie immer daran, dass der Handel mit CFDs neben der Gewinnchance auch ein Verlustrisiko beinhaltet. Stellen Sie also sicher, dass Sie die mit dem CFD Trading verbundenen Risiken genau verstanden haben und einschätzen können.

Milena Kannen ist Financial Writer und Researcher bei IG Markets, Deutschlands führendem CFD-Anbieter. Nach abgeschlossenem Journalistikstudium in Leipzig schreibt sie nun aus London über CFD-Handel, Charttechnik und Handelsstrategien sowie aktuelles Börsengeschehen.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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