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14.01.2019 10:00
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Experteninterview mit Gottfried Heller

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Gottfried Heller hat über 50 Jahre Erfahrung im Portfoliomanagement. Welcher Weg ihn zu seinem Investmentkonzept geführt hat und vor welchen Investitionsirrtümern er seine Tochter warnen würde, beschreibt Gottfried Heller in dem Experten-Interview.

1. Wann haben Sie die Entscheidung getroffen, professionell die Geldanlagen von Kunden zu verantworten?

Gottfried Heller: Im Jahr 1969. Ich war gerade nach einer 6-jährigen Tätigkeit in den USA nach Deutschland zurückgekehrt.
Bei einer Investmenttagung in München traf ich André Kostolany, der damals schon eine Börsenlegende war. Ich sprach ihn an, ob er bereit wäre, mit mir in einer gemeinsamen Firma sein großes Know-How einzubringen.
Er gab mir spontan zur Antwort, dass er dazu mit den richtigen Partnern gerne bereit wäre. Schon im Herbst 1970 fassten wir den Beschluss, eine Depotverwaltung zu gründen. Wir haben gemeinsam und erfolgreich 30 Jahre lang zusammengearbeitet, bis zu seinem Tod.

2. Sind Ihre Investment-Entscheidungen eher bauch- oder kopfbasiert?

Sie sind überwiegend kopfbasiert aber immer verbunden mit meinem 50-jährigen Erfahrungsschatz und meiner Einstellung, Disziplin zu üben und Emotionen unter Kontrolle zu halten.
Der chinesische Philosoph Konfuzius hat es trefflich formuliert:
"Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln: durch Nachdenken ist der edelste, durch Nachahmen ist der einfachste und durch Erfahrung der bitterste."
Ich habe alle drei beschritten. Aber erlebte und erlittene Erfahrung prägt sich viel tiefer ins Bewusstsein ein als angelesenes Wissen.

3. Gibt es eine Fehlentscheidung, die Sie nachhaltig geprägt hat?

Noch früh in meiner Karriere in der Vermögensverwaltung schlug mir ein Investmentbanker vor, in amerikanische Zinskontrakte zu investieren. Damals herrschte eine Hochzinsphase und diese Spekulation setzte auf fallende Zinsen.
Mit Zinskontrakten konnte man mit geringem Kapitaleinsatz viel gewinnen, wenn die Spekulation aufging. Wenn nicht, konnte man aber viel verlieren.
Letzteres geschah: Ich verlor Geld, denn zunächst stiegen die Zinsen weiter. Die Spekulation ging zwar auf, aber erst als ich mit Verlust ausgestiegen war.
Im Rückblick war dies jedoch meine beste Investition, weil sie mein Risikobewusstsein geprägt und mich gelehrt hat, bei jeder Anlage nicht zuerst an Gewinne zu denken, sondern daran, wie ich Verluste vermeide.

4. Welche Aktie war Ihre beste Investmententscheidung?

Für einen Value-Investor, wie mich, die Berkshire Hathaway von Warren Buffet.

5. Wie schätzen Sie die Aktienkultur in Deutschland ein?

Als miserabel. Das zeigt sich deutlich daran, dass die deutschen Anleger nur 7% ihres Geldvermögens in Aktien angelegt haben. Rechnet man Fonds und ETFs hinzu, sind es gerade mal 12 %.
Das ist kein Wunder, weil der Staat die Einstellung der meisten Deutschen falsch gesteuert hat. Die staatlich geförderte Vermögensbildung beschränkte sich weitgehend auf Konten- und Bausparen sowie Versicherungen. Das Aktiensparen blieb mehr oder weniger außen vor.
In keinem modernen Industrieland sind Aktien so verpönt wie in Deutschland. Es ist schändlich, mit welcher Wurstigkeit alle Regierungen nach Ludwig Erhard (er hatte schon in den 1950er Jahren für das Aktiensparen plädiert) die private Vorsorge und den Vermögensaufbau mit Hilfe der langfristig mit Abstand ertragsstärkste Anlageform, der Aktie, ignoriert haben. Sie haben damit die Vermögensbildung der Deutschen weit unter dem möglichen Renditepotential gehalten.
Die fatale Konsequenz ist, dass die Altersrente deshalb auf wackligen Beinen steht und die Angst vor Altersarmut wächst.

6. Sehen Sie aktives und passives Fondsmanagement streng getrennt voneinander?

Ich sehe das aktive und passive Fondsmanagement nicht streng getrennt voneinander, sondern komplementär.
Bei einem Teil eines Fonds kann man Stock-Picking betreiben - vor allem bei Standardwerten.
Jedoch bei Nebenwerten sollte man ETFs benutzen, insbesondere im Ausland. Beim traditionellen Vermögensmanagement sind Nebenwerte immer untergewichtet geblieben. Dabei liefern sie langfristig deutlich höhere Renditen als Standardwerte. Da aber das Risiko bei Nebenwerten größer ist, muss man viel breiter streuen. Das gelingt am besten und kostengünstigsten mit ETFs.
Für einen Weltfonds bieten sich Multi-Asset Fonds an, die eine hybride Form des Managements ermöglichen: teils aktiv bei Standardwerten, teils passiv bei Nebenwerten und Schwellenländeraktien.

7. Warum sollte sich ein Fondsmanager mit einem erfolgreichen Fußballtrainer unterhalten?

Wenn der Fußballtrainer ein siegreiches Spiel beschreibt, wird er oft sagen: "Wir haben kompakt gestanden."
Die erste Priorität hat die Verteidigung, d.h. die Verlustvermeidung. Das zeigt sich bei der Aufstellung der deutschen Nationalmannschaft: Vier Spieler stehen in der Verteidigung, zwei im defensiven, drei im offensiven Mittelfeld und einer im Sturm.
In der Verteidigung stehen damit, einschließlich des Torwarts sieben Spieler (rund zwei Drittel der Mannschaft) und nur ein Drittel dient dem Angriff, der Gewinnerzielung.
Nach diesem Prinzip ist der Pro Select-Weltfonds aufgestellt.
Er ist daher wie maßgeschneidert für die sicherheitsbewussten deutschen Anleger.

8. Wie ist Ihr Tagesablauf als Fondsmanager des Pro Select - Weltfonds?

Mein Tagesablauf als Fondsmanager des Pro Select-Weltfonds ist entspannt, weil ich mich um aktuelle Ereignisse nicht kümmern muss. Die Besonderheit des Fonds besteht in der prognosefreien, langfristigen Strategie und eines weltweit mittels ETFs breit diversifizierten Portfolios.
Seine Konzeption basiert auf Erkenntnissen der Finanzwissenschaft, wonach Value/Dividenden-Aktien, Nebenwerte und Schwellenländeraktien langfristig überdurchschnittliche Renditen erbringen. Daher sind diese Aktienklassen übergewichtet.

Der Pro Select-Weltfonds ist ein Mischfonds aus 70% Aktien und 30% kurzlaufenden Anleihen. Das ist der risikofreie Teil des Portfolios.
Meine Tätigkeit besteht zunächst in der gemäß "Bauplan" gezielten Auswahl der Index-ETFs. Danach beschränkt sie sich auf die Einhaltung der Fondsstruktur. Ich muss eingreifen, wenn sich diese Relation wegen der unterschiedlichen Kursentwicklung stark verschoben hat, wenn beispielsweise der Aktienanteil 80% ausmacht. Das gleiche geschieht, wenn einige ETFs stärker gestiegen, andere zurückgeblieben sind. Das nennt sich "Rebalancing".
Der Pro Select-Weltfonds kann zusätzlich 5 bis 10 Prozent in Special Situations, z.B. in Robotics, KI, Cyber Security, Immobilien oder Rohstoffe investieren.

9. Vor welchen Investitionsirrtümern würden Sie Ihre Tochter warnen?

1. Ich würde ihr abraten, einen Börsen-Zocker zu heiraten, denn ein Zocker, der reich stirbt, stirbt vor seiner Zeit.
2. Ich würde sie vor dem Irrtum bewahren, dass sie als Anlegerin gegen ihre männlichen Rivalen keine Chance hätte. Das Gegenteil ist richtig: Frauen sind die besseren Langfristanleger. Zu diesem Ergebnis kamen verschiedene Studien in Deutschland und den USA. Im Allgemeinen legen Männer riskanter an und denken kurzfristiger. Frauen sind geduldiger, legen konservativer an und denken langfristiger.
Ich würde ihr daher mit auf den Weg geben, dass sie mit mehr Selbstvertrauen an das Investieren herangehen sollte.

10. Wer sollte Ihr Buch kaufen?

Alle, die Geld rentierlich anlegen wollen.
Mein Buch "Die Revolution der Geldanlage" vermittelt leicht verständlich viel Wissen und geht ausführlich auf die finanziellen Sorgen der Deutschen ein.
Es gibt den Anlegern einen Leitfaden in die Hand, wie und wo es sich lohnt - gerade in Zeiten niedriger Zinsen - zu investieren. Eine umfangreiche Liste mit ETFs erleichtert die konkrete Umsetzung.
Dadurch nun für jedermann möglich, seine private Vermögensbildung und seine Altersvorsorge unkompliziert in die Tat umzusetzen.

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Bildquellen: IPConcept, IPConcept, IPConcept

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