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19.03.2016 07:00

Strategie: Duell in der Fondswelt

Euro am Sonntag: Strategie: Duell in der Fondswelt | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag
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Der traditionelle Mischfonds hat ausgedient, behaupten Kritiker. Künftig muss ein Mix-Portfolio mehr können. Stimmt das wirklich?
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von Andreas Hohenadl, Euro am Sonntag

Ein Gericht ist immer nur so gut wie seine Zutaten. Ob es sich dabei um Hausmannskost handelt oder gehobene Küche, ist erst einmal nicht so entscheidend. Wenn die Qualität stimmt, kann ein Profikoch aus vielen, aber auch aus wenigen Ingredienzien ein Spitzenmahl zaubern. Was aber, wenn Zweifel an der Qualität einer Zutat aufkommen? Zumal wenn das Gericht nur aus zwei Zutaten besteht.


Das ist die Frage, die aktuell die "Köche" in der Fonds­industrie umtreibt. Das Problem ist folgendes: Der traditionelle Misch­fonds - bei Anlegern derzeit beliebt wie nie - setzt auf einen Mix aus Aktien und Anleihen. Damit fuhr er in den vergangenen Jahren ausgesprochen gut. Denn die Aktienmärkte bewegten sich nach oben, und auch mit Anleihen erzielte man schöne Kursgewinne.


Angetrieben wurde das Ganze durch die lockere Geldpolitik der Notenbanken. Diese befeuerte zum einen den Aktienmarkt, zum anderen drückte sie die Zinsen auf immer neue Rekordtiefs und ließ so die Kurse bereits emittierter Anleihen steigen. Davon profitierten die Misch­fonds, wenngleich natürlich die Zinserträge aus Anleihen zurückgingen. Doch diese Kursentwicklung lässt sich nicht endlos fortschreiben. Und so mehren sich die warnenden Stimmen, die Misch­fonds in der Zinsfalle sehen. Denn bei einem steigenden Zinsniveau, so das Argument, werden aus Kursgewinnen schnell Verluste. Der deutsche Dachfondspionier Eckhard Sauren sieht gar eine "Zeitenwende bei Mischfonds". Und nicht nur seine Empfehlung lautet: Anleger sollten verstärkt auf moderne Multi-Asset-Fonds setzen.

Wo liegt der Unterschied? Zunächst einmal: Auch ein Multi-­Asset-Fonds ist ein Mischfonds. Denn er mixt ebenfalls verschiedene Anlageklassen. Doch neben Aktien und Anleihen können auch Immobilien- oder Edelmetall-Investments in den "Topf" kommen. Ferner ist es für den Manager möglich, Derivate oder Hedgefondsstrategien miteinzubeziehen. So kann er zum Beispiel auf fallende Aktienkurse setzen. Gerade diese "alternativen Küchentechniken" sollen es ihm ermöglichen, auch in negativen Marktphasen Rendite zu erzielen. Das Schlagwort lautet Absolute Return.


Erlaubt sind diese Mischfonds mit "erweiterter Zutatenliste" seit 2004. Damals setzte Deutschland im Rahmen des Investmentmodernisierungsgesetzes die sogenannte Ucits-­III-­Richtlinie um. Seitdem dürfen Manager von Publikumsfonds auch nichttraditionelle Anlageklassen wie Rohstoffe, Indexkonstrukte oder Private Equity in ihrer "Küche" einsetzen.

Mächtige Notenbanken

So weit die Theorie. Doch besteht für Mischfondsanleger wirklich akuter Handlungsdruck, ins Multi-Asset-Lager zu wechseln? Nicht, wenn es nach Ali Masarwah, Analyst der Ratingagentur Morningstar, geht. Er sieht bei den Szenarien der Multi-Asset-Manager ein Problem: Sie seien keinesfalls alternativlos, schreibt er in einem kürzlich erschienenen Beitrag. "Die Notenbanken sind ein mächtiger Faktor an den Märkten geworden, und jeder, der auf einen baldigen Zinsanstieg setzt, wettet gegen die Euro­päische Zentralbank, die Bank of Japan und die Fed."

Der Fondsexperte hält wenig davon, sichere Staatsanleihen in großem Stil aus den Portfolios zu werfen. Bereits in den vergangenen Jahren hätten viele Anleihefonds beziehungsweise die Anleihebestandteile von Misch­fonds Performance eingebüßt, weil die Manager vorschnell auf kürzere Laufzeiten setzten. Die Kurse kurz laufender Bonds leiden bei Zinsanstiegen weniger als die lang laufender. Doch ein nachhaltiger Zins­anstieg blieb bisher aus.

Und er könnte noch länger auf sich warten lassen, wie die jüngste geldpolitische Lockerung der EZB nahelegt. In der Zwischenzeit erfüllen sichere Anleihen von Staaten oder Unternehmen nach wie vor ihre Aufgabe als Risikopuffer im Portfolio. Das zeigte sich eben erst in den turbulenten Börsenwochen seit Jahresanfang. Während es an den Aktienmärkten zu großen Schwankungen und heftigen Kursverlusten kam, legten globale Staatsanleihen im Jahresverlauf deutlich zu und verbuchten den stärksten Jahresauftakt seit 1993.

Risikoeffizienter Mix

Davon konnten gut gemanagte Mischportfolios profitieren. Zum Beispiel der Kapital Plus von Allianz Global Investors - der erfolgreichste defensive Mischfonds über die vergangenen fünf, zehn und 20 Jahre. Fondsmanager Stefan Kloss setzt mit seinem Portfolio stets auf einen Mix aus 30 Prozent europäischen Aktien und 70 Prozent sicheren Anleihen aus dem Euroraum. Diese Aufteilung habe sich seit dem Start des Fonds 1994 als sehr risiko­effizient erwiesen, sagt Kloss.
So auch in der jüngsten Börsenphase: Seit Jahresanfang fuhr der Kapital Plus nur ein kleines Minus von einem Prozent ein. Damit lässt der Fonds viele vermeintlich fortschrittlichere Multi-Asset-Portfolios hinter sich. Etwa den DWS Concept Kaldemorgen, der mit 1,9 Prozent fast doppelt so viel verlor. Oder auch den Sauren Absolute Return, der als Dachfonds auf die aussichtsreichsten Absolute-Return-Portfolios setzt. Er liegt seit Jahresanfang 4,2 Prozent im Minus.

Bedeutsamer als die Frage, ob und wie stark in Staatsanleihen investiert wird, war seit Januar ohnehin ein anderer Punkt: Befindet sich in einem Mischfonds ein substanzieller Goldanteil­? Wenn ja, erhielten die Portfolios gehörig Rückenwind von der Rally bei physischem Gold und bei Minenaktien (s. Investor- Info). So auch der FvS Multiple Opportunities - ein aktienorientierter Multi-Asset-Fonds, der traditionell rund zehn Prozent in Edelmetallen hält. Dieser besondere Umstand sorgte dafür, dass der Fonds seit Jahresbeginn eine schwarze Null erzielte.

Wer kocht nun besser? So einfach lässt sich die Frage bei Misch- und Multi-­Asset-Fonds nicht beantworten. Auch wenn der Blick auf die vergangenen Wochen nur eine Momentaufnahme ist - vorschnell abschreiben sollte man klassische Mischfonds nicht. Voraussetzung: Der Fondskoch überzeugt schon länger und kann die Qualität seiner Zutaten gut einschätzen.

Investor-Info

Mischfonds
Die Spitzenreiter 2016

Mit Mischfonds konnten Anleger seit Jahresbeginn Renditen von bis zu 35 Prozent erzielen. Allerdings handelt es sich bei den Überfliegern allesamt um Fonds, die vom Anstieg des Goldpreises und der Hausse bei Minen­aktien profitierten. Etwa der pro aurum ValueFlex (ISIN: DE 000 A0Y EQY 6), der allein 13 Prozent seines Vermögens in 1-Kilo-Goldbarren hält und viele Minenwerte im Portfolio hat. Ebenfalls auf vorderen Positionen befinden sich der M & W Capital (LU 012 652 500 4) und der M & W Privat (LU 027 583 270 6), die beide in großem Umfang auf das Thema Edelmetalle setzen. In den vergangenen Jahren war mit diesem monothematischen Ansatz ­allerdings wenig zu holen. Anleger mussten ­jeweils ein dickes Minus verkraften.

Kapital plus
Flexibilität erhöht

Angesichts anhaltend niedriger Zinsen bei Staatsanleihen hat Fondsmanager Stefan Kloss Anfang Februar seinen Vergleichsindex für Anleihen gewechselt. Das erlaubt ihm, künftig auch solide Unternehmensbonds ins Portfolio zu nehmen. Vorher durften es nur sichere Staatspapiere sein. Zudem hat der Fonds nun ein flexibleres Laufzeitenmanagement, das Kursverluste bei Anleihen reduzieren soll, wenn die Zinsen wieder steigen.

FvS Multiple Opportunities
Goldanteil aufgestockt

Betrug der Goldanteil im FvS Multiple Opportunities Ende 2015 noch acht Prozent, stockte ihn Fondsmanager Bert Flossbach im Februar auf 11,5 Prozent auf. Für ihn dient das Edelmetall auch künftig als "Währung der letzten Instanz". Doch Gold ist nur ein Baustein von vielen in Flossbachs Multi-Asset-Portfolio, das überwiegend Aktien ertragsstabiler und wenig konjunkturabhängiger Unternehmen enthält. Zu den Top-Positionen zählen Titel wie Nestlé, Coca-Cola oder Roche. Im Bedarfsfall sichert der Fondsmanager seine Aktien gegen Kursrückschläge ab.
Bildquellen: TunedIn by Westend61 / Shutterstock.com, jokerpro / Shutterstock.com

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