Abfindung ablehnen: Wann sich Widerspruch gegen das Angebot lohnt

Eine Abfindung klingt zunächst wie ein finanzielles Geschenk des Arbeitgebers. Doch nicht jede Abfindung ist so vorteilhaft, dass Arbeitnehmer sie sofort unterschreiben sollten. Wer das Angebot ablehnt, muss allerdings seine Rechte und mögliche Konsequenzen genau kennen.
Was eine Abfindung eigentlich bedeutet
Eine Abfindung ist eine einmalige Geldzahlung, die Arbeitgeber häufig anbieten, wenn ein Arbeitsverhältnis beendet werden soll. Sie ist gesetzlich nicht garantiert, sondern Ergebnis einer Vereinbarung, etwa in einem Aufhebungsvertrag oder im Rahmen eines Sozialplans. Der Zweck liegt darin, den Beschäftigten den Verlust des Arbeitsplatzes zu entschädigen und im Gegenzug Rechtsfrieden zu schaffen, wie Dr. jur. Jens Usebach, Rechtsanwalt für Kündigungsschutz und Arbeitsrecht, in einem Beitrag auf fachanwalt.de erklärt.
Kann man eine Abfindung ablehnen?
Grundsätzlich gilt: Niemand ist verpflichtet, eine Abfindung anzunehmen. Wer einen Aufhebungsvertrag nicht unterschreibt, bleibt im Unternehmen beschäftigt. Lehnt man ab, liegt es am Arbeitgeber, eine Kündigung auszusprechen und dafür eine rechtlich haltbare Begründung vorzulegen. Vor allem in Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitenden und bei einer Beschäftigungsdauer von über sechs Monaten greift das Kündigungsschutzgesetz, so die Kanzlei Pöppel Rechtsanwälte.
Welche Folgen kann eine Ablehnung haben?
Wird eine Abfindung abgelehnt, läuft das Arbeitsverhältnis zunächst weiter. Häufig folgt jedoch eine Kündigung, wenn der Arbeitgeber den Beschäftigten nicht länger im Betrieb halten möchte. In diesem Fall besteht die Möglichkeit einer Kündigungsschutzklage. Ist die Kündigung fehlerhaft oder fehlt ein tragfähiger Kündigungsgrund, kann das Gericht die Kündigung für unwirksam erklären und der Arbeitsplatz bleibt bestehen. Viele Verfahren enden der Kanzlei zufolge aber dennoch mit einem Vergleich, bei dem erneut über eine Abfindung verhandelt wird.
Besonderheiten bei Sozialplänen
In größeren Unternehmen, etwa bei Massenentlassungen, werden Abfindungen oft durch einen Sozialplan geregelt. Diese kann Bedingungen enthalten, unter denen ein Anspruch entfällt. Beispielsweise kann vorgesehen sein, dass der Anspruch auf eine Abfindung entfällt, wenn ein zumutbarer Arbeitsplatz im Betrieb oder eine Versetzung abgelehnt wird. Hilt gilt es laut Pöppel Rechtsanwälte genau zu prüfen, ob die angebotene Alternative tatsächlich zumutbar ist.
Finanzielle und steuerliche Aspekte
Wer überlegt, ob er eine Abfindung annimmt, sollte die steuerlichen Folgen kennen. Abfindungen gelten als Einkommen und erhöhen die Steuerlast. Mit der sogenannten Fünftelregelung lässt sich diese Belastung jedoch mindern, indem die Abfindung rechnerisch auf fünf Jahre verteilt wird. Auch Auswirkungen auf das Arbeitslosengeld sollten bedacht werden. Bei einem Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit von bis zu 12 Wochen beim Arbeitslosengeld drohen, wenn die Bundesagentur für Arbeit von einer freiwilligen Mitwirkung ausgeht.
Wann sich die Ablehnung lohnen kann
Eine Abfindung abzulehnen, kann sinnvoll sein, wenn der Arbeitsplatz unbedingt erhalten bleiben soll oder wenn die Chancen auf eine erfolgreiche Kündigungsschutzklage hoch sind. Auch wenn die angebotene Abfindung sehr niedrig ist, kann es strategisch besser sein, auf eine Kündigung zu warten und anschließend neu zu verhandeln. Andererseits kann eine Einigung mit Abfindung den Vorteil haben, schnell Klarheit zu schaffen und den Übergang in eine neue Beschäftigung zu erleichtern, so Usebach.
Jennifer Vogel, Redaktion finanzen.net
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