03.02.2023 23:01

Strompreis wieder günstiger - Wieso das nicht bei den Verbrauchern ankommt

Strombörse: Strompreis wieder günstiger - Wieso das nicht bei den Verbrauchern ankommt | Nachricht | finanzen.net
Strombörse
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Strom ist zuletzt wieder deutlich günstiger geworden. Zum Jahreswechsel lag der Preis an der Leipziger Strombörse für bestimmte Kontrakte zeitweise sogar im negativen Bereich. Verbraucher bekommen davon jedoch nichts zu spüren, sie müssen in vielen Fällen seit 2023 sogar mehr bezahlen.
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Strompreis fällt um Jahreswechsel auf negatives Terrain

Kurz vor dem Jahreswechsel rutschte der Preis für Strom an der EEX, der Leipziger Strombörse, im Day-Ahead-Handel in den negativen Bereich. Abnehmer, die am 30. Dezember 2022 Strom für die Lieferung am Folgetag orderten, bekamen dafür also sogar noch Geld ausbezahlt. Die Gründe dafür lagen zum einen am ungewöhnlich milden Wetter über den Jahreswechsel mit vielerorts zweistelligen Plusgraden, was den allgemeinen Energieverbrauch senkte, zum anderen aber auch in der hohen Stromproduktion durch Windkraftanlagen in Deutschland, wie Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energien, auf Twitter erklärte.

Außer Wetter und Überproduktion durch Windkraftanlagen halfen aber auch noch weitere Faktoren dabei, den Strompreis um den Jahreswechsel zu drücken. So fällt die Nachfrage von Seiten der Industrie um Weihnachten und Silvester traditionell niedriger aus und auch der Gaspreis war bis Anfang Januar wieder auf Vorkriegsniveau gesunken. Auch das wirkte sich auf den Strompreis aus, da Gas bei einigen Arten der Stromproduktion eingesetzt wird.

Kein Aufatmen beim Strompreis für Verbraucher

Verbraucher haben von diesen günstigen Strompreisen jedoch nichts gemerkt - und das dürfte auch noch längere Zeit so bleiben. "Die aktuellen Spotmarkt- und Terminpreise sind noch nicht so günstig, dass sich das bereits nachhaltig preissenkend auswirkt. Dafür müssten sie noch weiter und vor allem dauerhaft sinken", sagte etwa Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der kommunalen Unternehmen (VKU), Ende Januar laut dpa-AFX. Denn die Versorger geben die Preise, die sie beim Kauf von Strom an der Börse bezahlen, erst mit Verzögerung an die Verbraucher weiter. Der Strompreis für Verbraucher ergibt sich dann außerdem aus dem mittel- oder langfristigen Durchschnittspreis. "Kurzfristige Einbrüche schlagen sich darin ebenso wenig nieder wie die extremen Preisspitzen, die es im Sommer an den Energiemärkten gab", erklärte Tobias Federico, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Energy Brainpool, laut "ntv".

"Von den niedrigen Preisen an der Strombörse profitieren erstmal die Firmen oder auch Stadtwerke, die direkt an der Börse den Strom kaufen", erklärte auch Bruno Burger vom Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme gegenüber "Focus online". Allerdings hätten die auch schon 600 Euro/MWh beziehungsweise 60 Cent/kWh zahlen müssen. "Wer nur an der Börse Strom kauft, geht ein hohes Risiko ein", so Burger. Verbraucher haben dieses Risiko nicht, können somit aber auch nicht von kurzfristigen Schnäppchenpreisen profitieren. Allerdings seien die Börsenpreise insgesamt durchaus wichtig für die künftige Entwicklung ihres Strompreises.

Stehen weitere Erhöhungen beim Strompreis bevor?

Tatsächlich könnte es für Verbraucher in nächster Zeit aber wohl auch noch teurer werden. Denn die meisten Versorger verfolgen langfristige Beschaffungsstrategien und kaufen an der Börse nur dann zu den aktuellen Preisen kurzfristig zu, wenn die Strommenge nicht ausreicht. "Die meisten Versorger beschaffen den Strom ihrerseits langfristig in Tranchen über ein, zwei oder drei Jahre", so Tobias Federico laut "ntv". Ein großer Teil der Energie, die im vergangenen Jahr an die Endkunden geliefert worden sei, sei noch vor der Krise zu günstigeren Preisen gekauft worden, warnte laut dpa-AFX auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Die Mondpreise, die im vergangenen Jahr an den Börsen für Energie verlangt wurden, sind also möglicherweise noch gar nicht bei den Endkunden angekommen.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: UschiDaschi / Shutterstock.com, Chones / Shutterstock.com
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