Benjamin Feingold-Kolumne

Oracle und Tesla - die Börsenlieblinge werden rasiert

06.02.26 15:42 Uhr

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Oracle und Tesla - die Börsenlieblinge werden rasiert | finanzen.net

Die Rekordparade der KI-Lieblinge gerät ins Straucheln. Viele Titel haben ihre Hochs deutlich aus den Augen verloren und werden gerade einem Belastungstest unterzogen. Aber eben nicht alle.

2026 startet für deutsche Anleger mit Fokus auf die Heimatbörse fulminant. Der DAX knabbert an der 25.000er-Marke und selbst zyklische Titel wie Infineon springen auf Mehrjahreshochs. Die Deutsche Bank gar notiert das erste Mal seit eineinhalb Jahrzehnten über ihrem Buchwert. In den USA ging es bei Tech-Aktien in den letzten drei Monaten dagegen überraschend gegen den DAX eher seitwärts. Ein Grund sind die ersten KI-Rückschläge. "Oracle etwa hat seit dem September-Hoch fast die Hälfte an Wert eingebüßt - das Minus übertrifft alle Rückschläge seit der Dot-Com-Ära", rechnet Lars Reichel von gettex vor. Für Anleger ist dies ein Warnsignal, aber zugleich eine potenzielle Chance. Wer in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Rücksetzer von 30 bis 40 Prozent kaufte, freute sich bisher schon nach kurzer Zeit über satte Gewinne.

Bedenken nehmen zu

Die Gründe für die Kursverluste sind klar: Wichtige Kapitalgeber bekomme offenbar kalte Füße und ziehen sich aus milliardenschweren Rechenzentrumsprojekten zurück, das Umsatzwachstum in der Cloud liegt immer öfter hinter den Erwartungen, und die Investitionen in KI steigen rasant. "All dies sorgt für Nervosität, nicht nur bei Oracle, sondern auch bei anderen KI-Lieblingen wie Broadcom, Meta oder Nvidia, die unter hohen Ausgaben und Sorgen vor überzogenen Bewertungen leiden", so Thomas Soltau vom Smartbroker. Dies ändert nichts daran, dass gerade jene volatileren Aktien beim Broker auf der Hitliste der aktiven Anleger ganz oben stehen.

Oracle am härtesten getroffen

Immerhin zeigt ein Blick auf langfristige Verträge und laufende Projekte: Oracle bleibt handlungsfähig, auch wenn die enge Verflechtung im KI-Sektor Unsicherheiten birgt. Gespräche von OpenAI über eine neue Finanzierungsrunde mit einer Bewertung von rund 750 Milliarden US-Dollar könnten die Lage entspannen, frisches Kapital in dreistelliger Milliardenhöhe würde Unsicherheit mindern und dem gesamten Sektor Auftrieb verleihen. Doch es muss nicht immer KI sein. Tesla zum Beispiel zieht aktuell die Aufmerksamkeit auf sich, ganz ohne den klassischen KI-Hype. Die Aktie hatte sich in diesem Jahr lange gut gehalten, rutschte aber in dieser Woche nach dem breiten Verkauf der Tech-Aktien ebenfalls seit Jahresbeginn deutlich um knapp 12 Prozent verloren.

Hauptfantasie liefert der Robotaxi-Bereich: In Austin testet Tesla erstmals Fahrzeuge ohne Sicherheitsfahrer auf öffentlichen Straßen, ein Schritt, den Elon Musk als Beginn dieser Phase beschreibt. Analysten sehen darin einen wichtigen Meilenstein, denn der Übergang von betreuten zu unüberwachten Fahrten gilt als entscheidender Validierungsschritt für autonome Dienste.

Robotaxis treiben den Kurs

Morgan Stanley erwartet für 2026 bereits eine deutliche Ausweitung der Robotaxi-Flotte auf bis zu etwa 1.000 Einheiten, langfristig sind mehrere hunderttausend bis über eine Million Fahrzeuge denkbar, sobald Skalierung und Regulierungsfragen geklärt sind. Bei aller Euphorie sollte nicht übersehen werden, dass der Bereich noch nicht kommerziell breit ausgerollt ist. Tesla setzt ausschließlich auf kamerabasierte Systeme, was Herausforderungen bei Sicherheit und regulatorischer Zulassung mit sich bringt. Und die Konkurrenz schläft nicht: Waymo, Alphabets Robotaxi-Tochter, plant eine massive Expansion und will über 15 Milliarden US-Dollar einsammeln, während Amazons Zoox ebenfalls in den Startlöchern steht.

150 Jahre Börsenerfahrung kombiniert technische Analyse, Trading, Börsenpsychologie und konkrete Investments. Benjamin Feingold ist Mit-Gründer von Feingold Research. Unseren Börsendienst finden Sie unter feingoldresearch.de!

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