3-D-Fernsehen

Loewe-Vorstand Löhrer: In zehn Jahren kann 3-D Standard sein

17.03.10 15:30 Uhr

Im WM-Jahr beherrscht ein Trend die Unterhaltungselektronik: Mit neuer 3-D-Technik wollen Konzerne wie Samsung und Sony die Kunden locken. €uro am Sonntag sprach mit Loewe-Vorstand Frieder Löhrer.

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von Stephan Bauer €uro am Sonntag

Alice schwebt aus dem Wunderland ins Kino, die blauhäutigen Bewohner des Planeten Pandora fliegen den Zuschauern auf Drachen um die Ohren. Und am Sonntag kickt Leverkusen-Spieler Stefan Kießling einem kleinen und exklusiven Publikum des TV-Senders Sky die Bälle vors Antlitz – im ersten dreidimensional gesendeten Spiel der Bundesligageschichte. Was in den Fünfzigern mit Horrorstreifen wie dem „Schrecken vom Amazonas“ begann, findet heute seine digitale Fortsetzung: Die 3-D-Welle rollt wieder, dieses Mal in hoher Bildqualität, und sie reißt Zuschauer wie Hersteller mit. Hollywood-Regisseur James Cameron warf mit dem Blockbuster „Avatar“ den ersten Stein ins Wasser. Weltweit hat der 3-D-Streifen bereits 2,6 Milliarden Dollar eingespielt und ist damit der erfolgreichste Film aller Zeiten. Was im Kino für Furore sorgt, sollte sich auch in der Heimelektronik zu barer Münze machen lassen, lautet das Kalkül der Unterhaltungselektronikbranche.

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Die koreanische Samsung, weltweite Nummer 1 unter den TV-Herstellern, hat schnell geschaltet und bringt noch im März 3-D-fähige Flachfernseher auf den deutschen Markt. Verfolger LG Electronics, seit dem Sommer 2009 in Korea mit 3-D-Geräten präsent, will die neue Technik im Lauf des Jahres auch nach Europa liefern. Und Japans Nummer 3 auf dem Weltmarkt, Sony, plant den Verkaufsstart der Geräte zum Juni.

Der vom Briten Howard Stringer geleitete Konzern hat mit dem neuen Geschäftsjahr ab April Großes vor: Zehn Prozent aller dann verkauften Geräte sollen laut Stringer 3-D-fähig sein. Die ausgelieferten Stückzahlen seiner TV-Sparte will der Brite ebenfalls um eine Dimension erweitern: Sie sollen insgesamt um stolze 70 Prozent steigen. Ein Motor soll das Thema 3-D sein. Denn letztlich gilt es, die seit sechs Jahren defizitäre Sparte endlich in die schwarzen Zahlen zu bringen. Greift der 3-D-Effekt beim TV-Käufer, könnte der Plan gelingen. Schließlich spendieren Hersteller wie Sony die Raumtechnik zunächst nur ihren margenträchtigen Spitzenmodellen. Erst im Lauf der Zeit sollen dann auch günstigere Modelle in 3-D spielen. Bis der Massenmarkt anspringt, dürfte es somit noch ein Weilchen dauern.

Erst mal müssen die Preise runter. Der amerikanische Marktforscher iSuppli schätzt, dass der durchschnittliche Verkaufspreis bis 2015 von rund 1800 auf etwa 800 Dollar sinken wird. Zu diesem Zeitpunkt sollen 3-D-TVs laut der Prognose auf einen Umsatz von fast 65 Milliarden kommen. Das ist allerdings hochgegriffen: Eine konservativere Rechnung des US-Branchendiensts Displaysearch geht für 2018 von 22 Milliarden Dollar Umsatz aus. Preiskrieg herrscht schon jetzt. Die japanische Panasonic befeuert ihren mit der US-Retailkette Best Buy gestarteten 3-D-Launch in den USA mit aggressiven Rabatten. Aus gutem Grund: Der Konzern hat sich auf Plasmafernseher spezialisiert. Doch die Geräte haben in den vergangenen Quartalen gegenüber den LCD-Bildschirmen deutlich an Boden verloren. Wie Sony, das gegenüber den Koreanern Marktanteile einbüßte, sieht Panasonic in 3-D die Chance, das Thema Flach-TV neu zu besetzen – und zugleich das hauseigene Gewinnproblem zu lösen.
Umsatzpotenziale in einer neuen Dimension dürften sich überdies für Soft- und Hardwarehersteller ergeben, die an Computerspielen verdienen. Im Gegensatz zum Kinoerlebnis, das nur dann räumlich wird, wenn in 3-D-Technik gedreht wurde, können auch die Daten zweidimensionaler Spiele 3-D-fähig gerechnet werden. Davon profitiert auch Sonys Konsole Playstation 3, die bald als 3-D-Ausgabe in die Läden kommen soll. Zudem gilt LG mit breiter Displaypalette hier als gut gerüstet.

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Ab Juni steht auch die Fußballweltmeisterschaft im Zeichen von 3-D. Bis zu 25 Topspiele in Südafrika sollen in der räumlichen Technik aufgezeichnet werden. Eine TV-Ausstrahlung ist bislang zwar noch nicht geplant, Vorführungen bei speziellen Events hingegen schon.

Lesen Sie das Interview mit Loewe-Vorstand Frieder Löhrer auf der nächsten Seite Mit den Absatzchancen, die ein großes Fußballfest bringen kann, kennt sich niemand besser aus als Loewe. Der einzige deutsche TV-Hersteller fuhr im Jahr der Europameisterschaft 2008 Rekordgewinne ein. €uro am Sonntag sprach mit Vorstand Frieder Löhrer über die 3-D-Strategie der Franken und die Umsatzeffekte durch die Fußball-WM.

€uro am Sonntag: Welches Potenzial hat der 3-D-Markt wirklich?
Frieder Löhrer: Das Thema liegt zweifellos in der Luft. Bis die bundesdeutschen Sendeanstalten aber regelmäßig in 3-D ausstrahlen, könnte es noch ein Jahrzehnt dauern. Das hochauflösende Fernsehen, HD, ist ja technisch bereits vor 20 Jahren definiert worden, und es wurde erst mit der Winterolympiade in Vancouver eingeführt. Es wird private Anbieter geben, die 3-D ausstrahlen, wohl überwiegend im Sportbereich. Zudem wird sich die 3-D-Blu-ray durchsetzen. Auch Computerspiele werden viel erlebnisreicher, hier ist sicher ein großes Interesse vorhanden.

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Wann soll es denn 3-D-Geräte von Loewe geben?
Wir werden zur Internationalen Funkausstellung 2010 einen 3-D-fähigen Fernseher präsentieren.

Wer gerade einen LCD-TV gekauft hat, schaut wohl in die Röhre?…
In zehn Jahren kann 3-D zwar Standard sein, aber bis dahin werden sicher 80 oder 90 Prozent der Fernsehinhalte als hochauflösendes Fernsehen, also in HD, ausgestrahlt. Konsumenten sollten sich nicht beirren lassen: HD ist zukunftsträchtig.

Loewe hat 2009 das eigene Umsatzziel verfehlt, während 2008, im Jahr der Fußball-EM, noch ein Rekordgewinn verbucht wurde. Hoffen Sie 2010 auf einen neuen Fußballeffekt?
Noch ist es dafür zu früh, der Winter bestimmt die Gedankenwelt. Spätestens mit dem Mai und dann wärmeren Temperaturen rechne ich aber fest damit, dass sich die Fußballfans auf die Weltmeisterschaft freuen werden. Zugleich haben wir zwar immer noch eine Weltwirtschaftskrise, in Summe werden wir aber sehr starke positive Impulse sehen. Die WM wird ein großer Treiber für unser Geschäft.

Sie wollen den Umsatz 2010 wieder steigern. Sind Sie auf Kurs?
Ja, der Kurs stimmt. Wir werden uns sicher gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessern.

Loewe erzielt ­einen etwa dreimal so hohen durchschnittlichen Verkaufspreis wie der Markt. Bislang konnten sie sich zudem dem Preisdruck entziehen. Bleiben Ihre Preise auch 2010 stabil?
Unsere Preise sind stabil, wir werden sie auch nicht anpassen. Die Fernsehstunde kostet bei uns zwar im Schnitt umgerechnet 30 Cent und keine sieben, wie im Marktdurchschnitt – aber ist das Leben nicht viel zu kurz, um einen schlechten Fernseher zu haben?

Welches Durchschnittsalter haben Ihre Käufer?
Sie sind jünger, als man vielleicht denken könnte, im Mittel zwischen 40 und 50 Jahren. Und natürlich verfügt unsere Zielgruppe über eine gewisse Einkaufskraft.

Punkten Wettbewerber mit eigener Spielekonsole leichter bei der Jugend?
Löhrer: Das sehe ich nicht so. Wir setzen zwar nicht auf Spiele, obwohl an unseren Geräten auch gespielt wird, doch auch die nachwachsende Generation freut sich über großes Heimkino mit einem Loewe.

Investor-Info:

Die Technik - Bislang nur mit Brille
Zuschauer können dreidimensionale Filmeffekte nur genießen, wenn sie eine spezielle Brille tragen. Der Grund: Ob im Kino oder im Fernsehen, rechtes und linkes Auge müssen jeweils unterschiedliche Bilder wahrnehmen, damit ein räumlicher Eindruck entsteht. Im Kino gelingt dies in der Regel mit unterschiedlich polarisiertem Licht, das zeitgleich von zwei Projektoren ausgestrahlt wird, sowie Polarisationsbrillen. Bei 3-D-TV-Geräten werden die unterschiedlichen Bilder abwechselnd in schneller Folge gezeigt. Eine sogenannte Shutter-Brille lässt die rechten und linken Bilder elektronisch gesteuert und via Infrarotwellen synchronisiert durch einen Vorhang von Flüssigkristallen hindurch. Bei Spielen kommt das gleiche Prinzip zum Einsatz. Das Fraunhofer-Institut in Berlin forscht indes schon am brillenlosen 3-D-Vergnügen.

Loewe: Wieder aufwärts
Statt ursprünglich avisierter 370 Millionen Euro Umsatz wurden es 2009 nach einer Prognosesenkung enttäuschende 325 Millionen. Das operative Ergebnis übertraf indes die Vorhersage. Für 2010 rechnet Loewe aber wieder mit deutlichem Umsatzwachstum. Beim Gewinn soll es ebenfalls nach oben gehen, auch wenn es dazu keine offizielle Aussage gibt. Analysten rechnen 2010 mit einem Gewinnplus von knapp 40 Prozent. Günstig. Sony: Turnaround läuft
In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres (Ende März) gelang den Japanern die Wende. Der operative Cashflow drehte um umgerechnet rund fünf Milliarden Euro vom Minus ins Plus. Die TV-Sparte schrieb im Weihnachtsquartal Analysten zufolge zwar noch leichte Verluste, doch ist ein Ende der Minusserie in Sicht. Im Geschäftsjahr 2010/11 soll der Konzern wieder Nettogewinne schreiben. Für 2011 werden gut 70 Prozent Gewinnzuwachs erwartet. Aktie ist charttechnisch ausgebrochen.

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20.08.2012Sony neutralCitigroup Corp.
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