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14.10.2009 11:04
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Schwellenländer eilen Industriestaaten davon

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Länder wie Brasilien oder Indien eilen den etablierten Wirtschaftsnationen beim Wachstum mehr und mehr davon. Das wird auch künftig so bleiben und Anlegern weiterhin sehr interessante Investmentchancen bieten.
€uro am Sonntag
von Oliver Ristau

Es war ein Bild mit Symbolcharakter. Während in Rio de Janeiro die Massen vergangene Woche die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2016 nach Brasilien feierten, gab es bei den Verlierern in Chicago, Tokio und Madrid betretene Gesichter. Aber auch wirtschaftlich hängen Schwellenländer wie Brasilien derzeit die etablierten Industrienationen locker ab.

„Die relativen Gewichte in der Weltwirtschaft haben sich substanziell verschoben“, schrieb der Internationale Währungsfonds (IWF) Anfang Oktober in einem Communiqué. Grund sei „das starke Wachstum in den dynamischen Schwellen- und Entwicklungsländern“. Die Stärkung von deren Stimmengewicht im IWF ist für 2011 fest vereinbart. „Durch die Wirtschaftskrise holen die BRIC-Staaten gegenüber den alten Industrieländern schneller auf als zuvor“, sagt Thomas Gerhardt, Chef der Emerging-Markets-Fonds bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS. BRIC steht für die Länder Brasilien, Russland, Indien und China. Innerhalb der letzten neun Jahre hat sich der Anteil dieser Volkswirtschaften am Bruttoinlandsprodukt der Welt von acht auf 15 Prozent nahezu verdoppelt. „In fünf Jahren werden es schon mehr als 20 Prozent sein.“

Der IWF erwartet für 2009 und 2010 in China eine Wachstumsrate von 8,5 und 9,0 Prozent und in Indien von 5,4 und 6,4 Prozent. In Brasilien rechnen Analysten 2010 mit einem Wirtschaftsplus von 4,5 Prozent. Gemessen an den Einbrüchen in den Industrieländern, ist auch der für 2009 erwartete Zuwachs von 1,0 Prozent noch eine solide Entwicklung. Denn laut IWF müssen die USA 2009 mit einem Minus von 2,7 Prozent, Deutschland von 5,3 Prozent und Japan von 5,4 Prozent rechnen.

Der Erfolg Brasiliens hat zahlreiche Ursachen. Die Rückgänge im Energie-, Rohstoff- und Exportsektor sind durch staatliche Ausgaben und eine florierende private Inlandsnachfrage mehr als kompensiert worden. Das Finanzsystem hatte sich nicht an den riskanten Subprime-Papieren aus dem US-Immobilienmarkt beteiligt, die den entwickelten Wirtschaftsnationen Billionen Dollar schwere Wertberichtigungen bescherten.

„Dadurch konnten sich die brasilianischen Banken um ihr Kerngeschäft, die Bedienung der steigenden Kreditnachfrage, kümmern“, sagt Gerhardt. Ebenfalls nicht zu unterschätzen: Die Olympia-Vergabe unterstreicht das Zutrauen, das dem Schwellenland, das ja bereits den Zuschlag für die Austragung der Fußball-WM 2014 erhalten hat, mittlerweile international entgegengebracht wird. Beide Sportereignisse werden im Land am Zuckerhut für einen zusätzlichen Konjunkturschub sorgen. Credit Suisse rechnet allein für die Olympischen Spiele mit wirtschaftlichen Impulsen von rund 90 Milliarden Dollar. Profitieren werden insbesondere bau- und tourismusnahe Dienstleistungsfirmen.

Um in Brasilien Geld zu verdienen, müssen Anleger nicht allein auf die Zukunft setzen. Nach einer Analyse des Schweizer Bankhauses Vontobel sind brasilianische Firmen weltweite Spitzenreiter beim Dividendenwachstum mit einem Plus von 400 Prozent seit 1995. Die Dividendenrendite in Brasilien liegt mit rund vier Prozent weit über dem Niveau von China, Russland oder Indien.

Doch das ist nicht der einzige Unterschied zwischen den führenden Schwellenländern. Russland verdankte seinen Aufschwung der vergangenen Jahre fast ausschließlich seinen enormen Öl- und Gasreserven und sprunghaft gestiegenen Energiepreisen. Mit deren Rückgang brach in Russland die Wirtschaft zum Ende des letzten Jahres ein. An der Rohstofffixierung hat sich trotz anders laufender Kreml-Rhetorik wenig geändert. „De facto passiert wenig in Richtung Diversifikation“, sagt Professor Wolfram Schrettl vom Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin.

Weil der Staat außerdem zu wenig in Konjunkturprogramme investiert habe, sei Russland bisher nicht wieder auf die Beine gekommen. „Die vor einem Jahr angekündigten öffentlichen Nachfrageprogramme greifen erst jetzt.“ Erik Berglof, Chefvolkswirt der Europäischen Aufbau- und Entwicklungsbank, warnt zudem, die Situation um noch nicht bekannte, faule Kredite in Russ-land sei „signifikant schlimmer“ als offiziell vermutet. „Von einer Abkopplung Russlands kann keine Rede sein“, sagt Osteuropa-Experte Schrettl. Wenn, dann hätten sich die anderen BRIC-Staaten von Russland abgekoppelt. Für das Riesenreich spreche langfristig aber sein enormer Rohstoffschatz zur Bedienung des weltweiten Energiehungers.

Die Lage in China sieht auch deshalb deutlich rosiger aus, weil sich die Volksrepublik anschickt, vom Export- ins Konsumzeitalter zu wechseln. „Mit der Finanzkrise haben sich die Gewichte in China verschoben“, sagt Victoria Mio, China-Fondsmanagerin bei Robeco. „Die Wachstumsschwerpunkte sind von der Küste und den Städten ins Binnenland und vom Export zum Inlandsverbrauch gewandert.“ Verantwortlich dafür ist das vier Billionen Yuan (rund 400 Milliarden Euro) umfassende Konjunkturpaket, mit dem der Staat seit einem Jahr die Binnennachfrage ankurbeln und die Einkommenssituation der ländlichen Bevölkerung verbessern will.

Die Landbevölkerung soll zu neuen Konsumenten für künftige chinesische Produkte aufgepäppelt werden. Nach Ansicht der niederländischen Bank ING durchlebe China derzeit ein „deutsches Wirtschaftswunder“. „Neben China profitiert auch Indien von der starken Zunahme des inländischen Konsums“, erklärt Douglas Cairns, Schwellenländerexperte bei Threadneedle. Indien ist unter den BRIC-Staaten am wenigsten vom Export abhängig. Dazu kommt, dass die Banken zur Finanzierung des Wachstums mit Krediten bereitstehen. „Sie sind dank der Erfahrungen der Asienkrise von der Finanzkrise kaum betroffen.“

„Die robuste Entwicklung in den BRIC-Staaten zeigt, dass sich deren volkswirtschaftliche Entwicklung zum Teil von der übrigen auf der Welt entkoppelt hat“, sagt DWS-Manager Gerhardt. Das werde vermutlich so weitergehen. „An den Aktienmärkten hat es bisher aber keine Entkoppelung gegeben.“ Sie folgten den Bewegungen in den USA und Europa. Dennoch hat der DWS-Manager Gerhardt erstmals in seiner 16-jährigen Tätigkeit als Emerging-Markets-Experte bei Ausbruch der Krise „keine Panikverkäufe der Anleger registriert“. Bei den letzten Asien- und Lateinamerikakrisen in den 90er-Jahren hatten Investoren wahllos Kapital aus den Ländern abgezogen und sich erst nach Jahren der Stagnation wieder zurückgewagt. Das scheint dieses Mal anders zu sein. Bis September 2009 verzeichneten die Schwellenländer nach Auskunft von JP Morgan Nettozuflüsse von 44 Milliarden Dollar. Damit dürften auf Jahressicht nicht nur die Kapitalverluste des Vorjahres von 49 Milliarden Dollar mehr als kompensiert werden. Es scheint sogar möglich, dass der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 2007, als 54 Milliarden Dollar netto in die Schwellenländer geflossen waren, überboten wird. Gerhardt empfiehlt, nicht allein auf die BRIC-Staaten zu schauen. „In der Krise haben sich auch Länder wie etwa Indonesien und Vietnam trotz Wirtschaftskrise positiv entwickelt.“

Wachstumsvergleich
Schwellenländer tonangebend

Der IWF schätzt, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schwellenländer 2010 im Schnitt um 5,1 Prozent wachsen wird. Das BIP der G 20-Staaten kann im selben Zeitraum voraussichtlich nur um 1,3 Prozent zulegen. (red)

HSBC GIF Brazil Equity
Samba im Depot

Der Fonds HSBC GIF Brazil Equity orientiert sich am MSCI Brazil und investiert ausschließlich in brasilianische Unternehmen. Vertreten sind bis zu 50 Einzeltitel aus zwölf Branchen. Wegen der starken Gewichtung auf Finanzwerte und Konsumgüter bietet er die Chance, überproportional vom Konsumaufschwung in Brasilien zu profitieren. Zudem gibt er Anlegern die Möglichkeit, am künftigen WM- und OlympiaGeschäft teilzuhaben.

ISI Bric Equities
Gesunde Mischung

Der Aktienfonds ISI-Bric zählt mit einem Plus von zehn Prozent 2009 zu den erfolgreichsten BRIC-Fonds des Jahres. Grund ist unter anderem die hohe Gewichtung auf Banken und Versicherungen (25 Prozent), die nahezu frei von Subprime-Risiken sind und von der Finanzierung des Binnenaufschwungs profitieren. Bei den größten Einzelwerten setzt Fondsmanager Anders Damgaard auf langfristig attraktive Energieunternehmen. Unter anderem finden sich daher Russlands Gazprom oder der brasilianische Stromerzeuger CESP im Portfolio des Fonds.

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