22.09.2015 13:40

11 Millionen Autos betroffen: VW-Aktie rauscht nach Gewinnwarnung 23% ab

Abgas-Skandal: 11 Millionen Autos betroffen: VW-Aktie rauscht nach Gewinnwarnung 23% ab | Nachricht | finanzen.net
Abgas-Skandal
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Volkswagen passt nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals seine Jahresziele an. Die Gewinnwarnung und die Tatsache, dass neuesten Erkenntnissen zufolge weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen sein sollen, lässt die Aktie einbrechen.
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Der Wolfsburger Autobauer Volkswagen gab am Dienstag in einer adhoc-Mitteilung bekannt, im 3. Quartal des laufenden Geschäftsjahres rund 6,5 Milliarden Euro ergebniswirksam zurückzustellen. Aufgrund der laufenden Untersuchungen unterliegt der angenommene Betrag Einschätzungsrisiken. Die Ergebnisziele des Konzerns für das Jahr 2015 werden dementsprechend angepasst.

Bis zu elf Millionen Fahrzeuge betroffen

Hintergrund der Gewinnwarnung ist die Tatsache, dass VW sogenannte Defeat Devices, also Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung, in seine Fahrzeuge eingebaut haben soll. Diese Software erkennt, ob Autos behördlichen Tests unterzogen werden, und aktiviert dann die Abgasbehandlung. Beim normalen Fahren auf der Straße ist die Software aber ausgeschaltet und so liegen die Stickoxid-Grenzwerte deutlich über den gesetzlich zulässigen. Untersuchungen im Konzern hätten ergeben, dass es die betreffende Steuerungssoftware auch in anderen Diesel-Autos außerhalb der USA gebe, wo Ermittlungen der Umweltbehörde EPA den Fall ins Rollen gebracht hatten.
Wie das Unternehmen mitteilte, seien rund elf Millionen Fahrzeuge auffällig. Betroffen sind den Angaben zufolge Autos mit Motoren vom Typ EA 189. Bei den betreffenden Modellen gebe es "auffällige Abweichungen" zwischen den Messwerten bei Tests und im regulären Fahrbetrieb. Das Unternehmen arbeite mit Hochdruck daran, diese Abweichungen mit technischen Maßnahmen zu beseitigen und stehe dazu derzeit in Kontakt mit den zuständigen Behörden und dem Deutschen Kraftfahrtbundesamt.

Rote Zahlen befürchtet

Im dritten Quartal wird VW aller Voraussicht nach wegen einer milliardenschweren Rückstellung in die roten Zahlen rutschen. Von Bloomberg befragte Experten hatten vor Bekanntwerden des Skandals um manipulierte Abgastests mit einem Gewinn von knapp drei Milliarden Euro gerechnet. Volkswagen selbst hatte auf Konzernebene eine operative Gewinnspanne zwischen 5,5 und 6,5 Prozent vorausgesagt. Der Konzernumsatz sollte zudem bisher um bis zu 4 Prozent steigen. Für die PKW-Sparte ging das Management bisher von einer Gewinnspanne zwischen 6,0 und 7,0 Prozent aus.

VW will umfassende Aufklärung - Aufsichtsrat berät

Unterdessen hat das US-Justizministerium Kreisen zufolge strafrechtliche Ermittlungen gegen Volkswagen eingeleitet. Die für Umweltfragen zuständige Abteilung Environment and Natural Resources Division (ENRD) habe die Untersuchung übernommen, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen am Montag. Eine VW-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern. Vorstandschef Martin Winterkorn hatte erklärt, der Konzern kooperiere mit den US-Behörden und habe eine externe Untersuchung des Falles in Auftrag gegeben. Am Mittwoch will sich der innerste Zirkel des Aufsichtsrats bei einem Krisentreffen mit dem Thema beschäftigten, verlautete aus VW-Kreisen.

Personelle Konsequenzen gefordert

Nach Auffassung von Aufsichtsratsmitglied Olaf Lies muss die Affäre auch personelle Konsequenzen nach sich ziehen. Zunächst sei jedoch eine gründliche Aufklärung nötig, damit VW das verlorene Vertrauen wiedergewinnen könne, sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister am Dienstag im Deutschlandfunk. "Ich glaube, mit übereilten Forderungen nach Rücktritten haben wir doch das Problem nicht gelöst und das verlorengegangene Vertrauen nicht wiedergewonnen." Wenn klar sei, welche Personen verantwortlich seien, könne man auch die nötigen Konsequenzen ziehen. "Und ich bin mir sicher, daraus wird es dann am Ende auch personelle Konsequenzen geben", betonte Lies. Einen Rücktritt von Vorstandschef Martin Winterkorn forderte er nicht.
Niedersachsens ehemaliger Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) fordert unterdessen wegen des Diesel-Skandals eine Verschiebung der Vertragsverlängerung für Volkswagen -Chef Martin Winterkorn. "Solange nicht lückenlos aufgeklärt ist, wer im Konzern von den Manipulationen wusste und vom wem sie angeordnet wurden, sollte hier keine Entscheidung gefällt werden", sagte Bode, der selbst von 2009 bis 2013 Mitglied des VW-Aufsichtsrates war, am Dienstag in Hannover.

Aktie erneut unter Druck

Die Aktie des größten deutschen Autobauers fällt nach Bekanntwerden der Ausmaße des Skandals abermals massiv. Nachdem der Konzern bereits am Vortag rund 16 Milliarden Euro Börsenwert eingebüßt hatte, rauscht die Aktie am Dienstagmittag in der Spitze erneut um 22 Prozent ab.
Neben einem Imageverlust drohen VW Strafzahlungen in mehrstelliger Milliarden-Dollar-Höhe, Rückrufkosten, strafrechtliche Folgen sowie mögliche Regressansprüche enttäuschter Kunden und Aktionäre.


Redaktion finanzen.net mit Material von dpa, Dow Jones und Reuters
Bildquellen: FotograFFF / Shutterstock.com, Gl0ck / Shutterstock.com
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