Trump stoppt Energie-Angriffe im Iran: DAX schließt nach Verlusten fest - "Klassische Beruhigungspille auf Zeit"?

Achterbahnfahrt am deutschen Aktienmarkt: Nachdem der DAX am Morgen zunächst einbrach, sorgte die Nachricht über eine Verschiebung der US-Angriffe für eine gewaltige Relief-Rally.
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Der DAX präsentierte sich am Montag zunächst deutlich tiefer. Zur Eröffnung stand ein Abschlag von 1,94 Prozent auf 21.946,95 Zähler an der Kurstafel.
Am Mittag gaben Aussagen von Donald Trump dann kräftigen Rückenwind. Zeitweise ging es über 3 Prozent ins Plus und damit über die psychologisch wichtige 23.000-Zähler-Marke. Danach fiel der DAX zwar wieder darunter, konnte den Handel jedoch 1,22 Prozent fester bei 22.653,86 Punkten beenden.
Trump legt Ultimatum auf Eis
US-Präsident Donald Trump verzichtet nach eigenen Worten angesichts produktiver Gespräche mit dem Iran über ein Ende der Kämpfe in den kommenden fünf Tagen auf Angriffe gegen iranische Energieanlagen. Er habe das Verteidigungsministerium angewiesen, alle Attacken auf Kraftwerke und die Energieinfrastruktur auszusetzen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Ursprünglich hatte er Teheran ein Ultimatum gesetzt, bis zur Nacht auf Dienstag (MEZ) die Straße von Hormus zu öffnen - andernfalls wollte er Irans Kraftwerke zerstören lassen.
"Klassische Beruhigungspille auf Zeit"?
Seit Beginn des Iran-Kriegs hat der DAX bis zu gut 13,5 Prozent eingebüßt. Vor knapp einem Jahr waren es sogar bis zu 18 Prozent, bevor Trump mit seiner Zollpolitik zurückruderte und eine Kurswende einsetzte.
Ob eine solche nun auch bevorsteht, hält Marktanalyst Timo Emden allerdings für fraglich. "Trumps Ankündigung wirkt wie Balsam für die Märkte und damit als klassische Beruhigungspille auf Zeit", schrieb er. Damit dominiere klar das Prinzip Hoffnung. Die Anleger setzten auf eine diplomatische Lösung im Nahostkonflikt. Doch sie "sollten sich vor Augen halten, dass aufgeschoben nicht aufgehoben bedeutet", warnte der Experte. "Die geopolitischen Risiken bleiben bestehen und damit auch die Gefahr, dass die Märkte ihre aktuelle Erholung schnell wieder abgeben."
Länge des Iran-Krieg belastete zunächst die Stimmung
"Wenn die Ölarterie sich verengt, atmet das ganze System durch einen Strohhalm", kommentierte Marktstratege Stephen Innes von SPI Asset Management gegenüber dpa-AFX am Morgen. Er spielt damit auf den wichtigsten Versorgungsweg für Energielieferungen, die Straße von Hormus, an. Der Iran kann sie weiter faktisch blockieren. Es gehe inzwischen weniger um Einzelereignisse, so Innes, als die schiere Länge des Konflikts. Die Instabilität baue sich langsam auf.
Der Ölpreis lag am Morgen zwar etwas unter seinem Hoch seit 2022 bei fast 120 US-Dollar, auf das er vor zwei Wochen gesprungen war. Er blieb aber zunächst hartnäckig hoch und lähmte damit die Weltwirtschaft. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Auslieferung im Mai kostet aktuell mit knapp 100 US-Dollar wieder deutlich weniger.
Besorgniserregend sei der gemeinsame Rutsch von Aktien, Anleihen und sogar dem Goldpreis, so Innes weiter. Es finde also keine Rotation des Geldes statt, sondern es werde schlicht abgezogen. Zu allem Überfluss steige der Druck auf die Notenbanken zu reagieren.
"Lage so unsicher wie noch nie seit dem Beginn dieses Krieges"
"Die Lage ist so unsicher wie noch nie seit dem Beginn dieses Krieges", ergänzte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners in der Früh. "Niemand weiß, wie weit die USA und Israel wirklich zu gehen bereit sind. Und niemand kann absehen, wie verheerend Gegenschläge des Iran ausfallen können. Die Panik, die lange Zeit nicht vorhanden war, frisst sich jetzt in die Märkte und in die Kurse."
DAX-Rekord vom Januar rückt weiter in die Ferne
Am 13. Januar hatte der DAX bei 25.507,79 Punkten ein Allzeithoch markiert und damit erstmals in seiner Geschichte die Schwelle von 25.500 Punkten überschritten. Letztlich war er an diesem Tag bei 25.420,66 Zählern in den Feierabend gegangen, was einen neuen Rekord auf Schlusskursbasis bedeutete.
Thomas Zoller, Melanie Schürmann, Alexandra Hesse, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX und Dow Jones Newswires
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