17.10.2021 14:49

Vom Ein- und Aussteigen am Aktienmarkt: Timing ist alles

Emotionen draußen lassen: Vom Ein- und Aussteigen am Aktienmarkt: Timing ist alles | Nachricht | finanzen.net
Emotionen draußen lassen
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Auf der Suche nach Rendite an den Aktienmärkten gibt es verschiedene Strategien an das Ziel zu gelangen. Der richtige Moment zum Ein- beziehungsweise Ausstieg spielt dabei eine wichtige Rolle.
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• Buy-and-Hold-Ansatz beliebte Anlagestrategie
• Timing-Strategien können mehr Rendite bei weniger Risiko bringen
• Dual-Mometum-Strategie kann vor emotionalen Entscheidungen schützen

Wer sein Glück am Aktienmarkt versucht, bestrebt seine Investitionen dort langfristig durch Renditen zu steigern. Dabei gibt es verschiedene Anlagestrategien, um an sein Ziel zu gelangen. Insbesondere für Kleinanleger, die eventuell nicht über umfangreiches Börsenwissen verfügen, ist sicher die sogenannte Buy-and-Hold-Strategie eine Option. Das heißt, es werden Aktien eines Unternehmens erworben und diese dann über einen langen Anlagehorizont von zehn bis zwanzig Jahren gehalten, bis eine ordentliche Rendite zusammen gekommen ist. Es handelt sich um eine solide Strategie, die relativ zuverlässig auch Gewinne bringt.

Allerdings hat auch dieser Kaufen-und-Halten-Ansatz seine Tücken. Denn er funktioniert eben nur gut, wenn man seine Investition auch tatsächlich langfristig nicht anfasst und auch eventuelle Schwächephasen am Markt somit aussitzen kann. Kommt es aber, wie im aktuellen, durch die Coronakrise geprägten Marktumfeld zu einer hohen Volatilität, können andere Strategien weitaus effizienter und sogleich risikoärmer sein.

Einstiegszeitpunkt auch bei Buy-und-Hold-Ansatz wichtig

Denn wie die Geschichte zeigt, ist es eben auch wichtig, wann genau man als Anleger am Aktienmarkt einsteigt. Ist man nämlich eingestiegen als die Kurse gerade sehr hoch waren und es folgt unerwartet ein Crash wie beispielsweise in den 1930er Jahren, kann es Jahrzehnte dauern, bis eine Aktie überhaupt wieder ihren Einstandswert erreicht hat - von Rendite ganz zu schweigen. Nun gab es natürlich auch im Zuge der Coronakrise einen Crash am Aktienmarkt, nämlich im März 2020, dennoch haben viele der wichtigsten globalen Indizes bereits wieder auf ihre alten Höhen und auch drüber hinaus gefunden. Wer dementsprechend glaubt, das schlimmste läge hinter uns, der missachtet den hohen Grad an Unsicherheit, der noch immer herrscht. Hinzu kommen die teilweise schwindelerregend hohen Bewertungen an den Aktienmärkten, die stellenweise Parallelen zu vergangenen Blasenzeiten vermuten lassen.

Daher gehen Experten davon aus, dass sich Anleger darauf einstellen sollten, dass es in den nächsten Jahren geringere Renditen an den Aktienmärkten geben wird. Wer dennoch weiterhin mit Aktien Gewinne einfahren möchte, könnte eine andere Strategie in Betracht ziehen als den etablieren Buy-and-Hold-Ansatz. Für Anleger mit etwas mehr Börsenhintergrundwissen bietet sich eine Timing-Strategie an, die jedoch auch unter Börsianern nicht ganz unumstritten ist. Denn den richtigen Moment zu finden, für den Ein- oder auch Ausstieg in bzw. aus dem Aktienmarkt, ist eine Kunst für sich. Dabei setzen einige Anleger ganz auf ihr Bauchgefühl, was natürlich mit einem hohen Risiko verbunden ist.

Timing-Ansätze als mögliche Renditebringer

Es gibt aber auch Timing-Ansätze, mit denen man ganz strategisch die Zeitpunkte sucht, bei denen man den Markt verlässt oder noch drin bleibt. Hier haben sich für Kleinanleger, die sich selbst eine Strategie zusammenstellen wollen, vor allem verschiedene Momentum-Ansätze bewährt. Wie die Neue Zürcher Zeitung erklärt, gibt es zwei Strategien, die häufig zu einer einzigen kombiniert werden - relativer Momentum und absoluter Momentum. Während beim relativen Momentum ein Wert gesucht wird, der in einem Zeitraum von 3 bis 12 Monaten seine Konkurrenten outperformt hat, geht es beim absoluten Momentum darum, Anteilsscheine zu finden, die innerhalb von 3 - 12 Monaten stark angestiegen sind.

Wie ein solcher sogenannter Dual-Momentum-Ansatz konkret aussehen könnte, hat die NZZ in einem Beispiel mit der Kombination zweier marktbreiter Indizes gezeigt, die von Anlegern jeweils durch einen ETF erworben werden können. Einmal wurde der Nasdaq 100 als technologielastiger US-Index ausgewählt, auf der anderen Seite steht der S&P Europe 350, der eher auf alteingesessene europäische Traditionsunternehmen setzt.

Um den richtigen Zeitpunkt für Ein- und Ausstieg am Aktienmarkt zu finden, könnte ein Anleger nun den Verlauf des Nasdaq 100 über einen Zeitraum von 10 Monaten zur Rate ziehen, um herauszufinden, ob dieser positiv oder negativ verlaufen ist. Ist der Index im Plus, kauft der Anleger Aktien, ist das Börsenbarometer im Minus, ist es Zeit auszusteigen beziehungsweise auf Cash zu setzen. Diese Entscheidung wird im regelmäßigen Abstand wiederholt, zum Beispiel immer zum Monatsende. Der Nasdaq 100 nimmt dem Börsianer also die Entscheidung über Ein- oder Ausstieg ab.

Nun kommt noch die Entscheidung, wenn gekauft werden kann, welchen der beiden Indizes gekauft werden sollte. Hier schaut der Anleger wiederum auf die Performance der beiden Indizes im Verlauf der vergangenen 10 Monate. Der, der besser dasteht, kommt ins Portfolio, der andere bleibt draußen. Und so entscheidet der Börsianer jeden Monat neu und orientiert sich dabei stets an den beiden Indizes. So könnte eine solche Dual-Momentum-Strategie also aussehen. Dabei zeigt die Vergangenheit, dass dieser Ansatz renditetechnisch auch die altbewährte Buy-and-Hold-Strategie in den Schatten stellen kann. Denn während man mit der Dual-Momentum-Strategie in den letzten rund 20 Jahren sein Investment hätte verneunfachen können, hätte ein einfach gehaltenes Investment in den S&P 500 über den selben Zeitraum lediglich etwas weniger als verfünffacht werden können - und das bei zeitweise höheren Drawbacks.

Emotionen außen vor lassen

Das soll natürlich trotzdem nicht heißen, dass diese Timing-Strategie eine sichere Angelegenheit darstellt, allerdings ist der Ansatz für Anleger interessant, da die Entscheidung für Ein- oder Ausstieg nicht auf einer emotionalen Basis, sondern lediglich vor den Marktgegebenheiten getroffen wird. Denn auch wenn den meisten Kleinanlegern klar sein sollte, dass sie sich bei der Anlageentscheidung nicht von Gefühlen sollten lenken lassen, sieht es in der Realität häufig anders aus.

Dabei kommen zwei Faktoren zusammen: Zum einen sorgt der sogenannte Dispositionseffekt dafür, dass Anleger bei Verlusten dazu neigen, zu lange mit dem Verkauf eines Anteilsscheins zu warten, in der Hoffnung, dass die Verluste mit der Zeit wieder aufgeholt werden. Auf der anderen Seite werden gewinnbringende Aktien meist zu früh wieder verkauft. Hintergrund ist der Fakt, dass die meisten Menschen eher davor scheuen, Verluste einzufahren. Rote Vorzeichen schlagen bei Anlegern also deutlicher auf den Magen. Trotzdem gibt es zusätzlich den Effekt, dass wenn einmal Verluste gemacht wurde, weitere Verluste als weniger schlimm empfunden werden. Es macht für einen Börsianer also gefühlt weniger aus, ob er 1.000 Euro oder 1.100 Euro verliert. Es macht ihm jedoch sehr wohl etwas aus, wenn er 100 Euro verliert statt gar nichts zu verlieren.

Es ist also wichtig, wenn auch durchaus nicht einfach, sich von diesen Gefühlen zu lösen und rein die eigene Erwartungshaltung gegenüber einem Anteilsschein zu betrachten. Welche Rendite sollte die Aktie mit Bezug auf die Fundamentaldaten, Analystenstimmen, Marktgegebenheiten bringen? Auch hier gilt die Devise, dass das Portfolio in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden sollte. Mit einem klaren Ziel vor Augen fällt es dann leichter, Verlierer-Titel gehen zu lassen und an Gewinnern festzuhalten.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: SergeyP / Shutterstock.com, dominic8 / Shutterstock.com
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