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13.05.2018 15:54
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Reise-Aktien: Nicht alles eitel Sonnenschein!

Euro am Sonntag-Aktien-Check: Reise-Aktien: Nicht alles eitel Sonnenschein! | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Aktien-Check
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Die Tourismus-Branche boomt, die Deutschen zieht es in Scharen an Strände mit Schönwetter-Garantie. Aber nicht überall lohnt die Reise und erst recht nicht die Aktie.
€uro am Sonntag
von Birgit Haas, Euro am Sonntag

Der Sommer steht vor der Tür, und das bedeutet: ab ins Auto, Flugzeug oder in den Zug und raus aus dem Alltagstrott. Der Urlaub ist den Deutschen heilig, da investieren sie gern mal einen Nettomonatslohn. Dann soll bitte aber auch alles passen, vom frischen Fisch am Büfett bis zur liebevollen Kinderbetreuung. Viele Reiselustige schrecken deshalb noch vor der Buchung einer Pauschalreise im Internet zurück und gehen lieber ins Reisebüro. "Aktuell bleibt die Pauschalreise die wichtigste Organisationsform und das persönliche Gespräch, vor allem im Reisebüro, der wichtigste Buchungsweg", stellt die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reise (FUR) in einer aktuellen Analyse zum Reisemarkt 2017 fest.


Aber das Internet ist auf dem Vormarsch: Innerhalb einer Dekade ist die Zahl derer, die ihre Auszeit per Mausklick buchen, von 17 auf 38 Prozent gestiegen. Die Branchenexperten der FUR gehen davon aus, dass sich 2020 das Buchungsverhalten hierzulande dem der Briten angenähert haben wird: Dort ­gehen bereits 60 Prozent der Kunden übers Internet. Skandinavier buchen ­sogar beinahe ausschließlich online. Veranstalter TUI schloss im hohen Norden unlängst sein letztes Reisebüro.


Unternehmen basteln fleißig an Internetplattformen und neuen Angeboten. Schließlich geht es um einen riesigen Markt: 2017 haben die Deutschen für Urlaubsreisen über 73,5 Milliarden Euro ausgegeben, was rund neun Prozent über dem Vorjahreswert lag. Bei deutschen Reiseveranstaltern blieben 33,7 Milliarden Euro Umsatz hängen. Um den Kuchen reißen sich längst auch global agierende Konkurrenten aus dem Netz, etwa Expedia, Booking Holding, Tripadvisor oder Holidaycheck.

Schlechte Datenqualität im Netz

Wer aber hofft, im Internet stets das günstigere Angebot zu erhalten, wird enttäuscht. Reiseveranstalter stellen ihre Angebote fest bepreist in ein zen­trales System. Stationäre Reisebüros wie Onlineplattformen greifen auf diesen Pool zu. Nachlässe gibt es lediglich per Gutschein. Aber nicht nur wegen der Preisbindung und der vergleichsweise hohen Dichte an Reisebüros liegt die Onlinequote in Deutschland so weit hinter der Skandinaviens oder Großbritanniens. Laut Georg Hesse, Vorstandschef von Holidaycheck, ist dafür auch die Datenqualität im Internet verantwortlich. Oft stimmten Preise und Verfügbarkeiten nicht. "Wir reden hier nicht davon, dass einer von 100 falsch ist, sondern zwei von zehn", sagt Hesse. Das sei in keiner anderen Branche vorstellbar. Die Kritik des früheren Amazon-Managers: In der Pauschaltouristik werde nicht kundenfreundlich gedacht.



Hesse will das ändern, ausgerechnet mit einer Onlineplattform. Um die Kunden zu überzeugen, fährt Holidaycheck einige Innovationen auf: Etwa die Vorliebensuche, wo Reisende ihren Hobbys entsprechende Hotelangebote finden können, oder das Portal für Pärchen, die eher Romantik als Kindertrubel wollen. Seit Januar vermittelt die Internetfirma auch die beim Publikum so beliebten Kreuzfahrten. Zudem haben die Münchner vergangenes Jahr ein Servicecenter mit über 100 Mitarbeitern aufgebaut - nur online ist eben auch nicht kundenfreundlich. Das Unternehmenswachstum bestätigt die Strategie, 2017 stieg der Umsatz um über 13 Prozent auf 122 Millionen Euro. Doch die ­Initiativen kosten, der Gewinn betrug 2017 gerade mal 200.000 Euro nach 2,8 Millionen Euro im Vorjahr. Auch 2018 soll die Profitabilität noch niedrig ausfallen. "Mittelfristig peilen wir eine Mar­ge von 15 Prozent an", sagt Hesse.

Expedia hat Gegenwind

Im Vergleich zum US-Onlineriesen Booking Holdings etwa sind die Zahlen von Holidaycheck Peanuts. Klar, der global aufgestellte Konzern ist auf einem viel größeren Markt unterwegs. Allein die größten Reisenationen China, USA, Deutschland, Großbritannien und Frankreich haben 2016 knapp 570 Milliarden US-Dollar in den Tourismus investiert. Die Mutter von Marken wie Booking.com, Homeaway, Agoda oder Opentable bietet indes weniger Pauschalreisen an als vielmehr einzelne Reisebausteine wie Flüge, Hotelübernachtungen oder Ausflüge vor Ort.

Die Bausteine werden vor allem für Kurztrips genutzt. Da verlieren selbst die Offline-Deutschen die Hemmungen, mehr als die Hälfte bucht dann im Netz. Vergangenes Jahr verdiente Booking Holdings 2,3 Milliarden US-Dollar, der Umsatz belief sich auf 12,7 Milliarden. Die Wachstumsraten sind auch zehn Jahre nach Gründung noch enorm: Im vierten Quartal vergangenen Jahres stieg der Umsatz um 22 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar. Der Vorsteuer­gewinn lag bei 792 Millionen Euro und um 18 Prozent über dem Vorjahreswert. Aber selbst für den erfahrenen und globalen Vermittler ist das Internet noch ein Experiment. Um künftig Privat­unterkünfte anbieten zu können und eine Bezahlplattform zu etablieren, investiert der Konzern weiterhin stark.

Dem direkten Wettbewerber Expedia machten die hohen Investitionen der Düsseldorfer Tochter Trivago zuletzt schwer zu schaffen. "Das Jahr endete nicht so, wie wir es in finanzieller Sicht geplant hatten", musste Expedia-Chef Mark Okerstrom zugeben. Im Schlussquartal brach der Umsatz um 30 Prozent ein. Auch das erste Halbjahr soll durch Investitionen in eine Neuausrichtung belastet werden. Sorgenkind Trivago hat bereits die Umsatzziele für 2018 kassiert. Dafür bezieht das Hotelbuchungsportal einen schicken Campus à la Google im Düsseldorfer Medienhafen. Sowohl der Aktienkurs von Expedia als auch der von Trivago zeigen deutlich: Anleger überzeugt das nicht.

Der europäische Marktführer TUI hat angesichts des Treibens seine Strategie angepasst. Seit Antritt des Vorstands­chefs Fritz Joussen 2013 setzt TUI stärker auf eigene Hotels und Kreuzfahrtschiffe statt auf die Vermittlung von Reisen. Mittlerweile macht der in Berlin und Hannover ansässige Konzern damit 60 Prozent des Umsatzes, 2014 waren es erst 30 Prozent. Zugleich wertet TUI seine Daten aus und umwirbt Kunden mit maßgeschneiderten Angeboten. Der Zuspruch sei enorm, heißt es aus dem Unternehmen: "Man muss da sein, wo der Kunde ist, und das ist von Land zu Land unterschiedlich."

Damit auch die Hotelangebote immer da sind, wo der Kunde sie haben will, hat TUI eine Blockchain zur länderübergreifenden Verteilung von Kontingenten aufgesetzt. Sie soll künftig auch Dritten offenstehen und könnte die von ­Holidaycheck kritisierte Datenqualität im Pool der Pauschalreisen enorm steigern. Der Erfolg zeigt, dass TUI auf dem richtigen Weg ist. Im ersten Quartal wuchs der Umsatz um acht Prozent auf 3,5 Milliar­den Euro. "Nach jetzigem Stand werden wir in der Saison 2018 so viele Reisen wie nie zuvor verkaufen", kündigte TUI-Chef Fritz Joussen bereits an. Da passt doch alles.

Investor-Info

TUI
Schöne Aussichten

Am 9. Mai veröffentlicht TUI die Halbjahres­ergebnisse des Geschäftsjahres 2017/18. Dann zeigt sich, ob der Reiseveranstalter den positiven Trend vom ersten Quartal fortsetzen konnte. Da stieg der Umsatz um acht Prozent auf 3,5 Milliarden Euro, vor allem dank des margenstarken Kreuzfahrt- und Hotelgeschäfts. Die Pleite der Air-Berlin-Tochter Niki führte zu Abschreibungen, dürfte aber ver­arbeitet sein. Im Gesamtjahr rechnet TUI mit ­einem Gewinnwachstum von zehn Prozent.

Booking
Gut erholt

Ende vergangenen Jahres schockte Booking mit ­einem mauen Ausblick: Da die Hotels ihre Kunden zu Direktbuchungen animierten, statt den Umweg über Hauptbetreiber Booking.com zu nehmen, erwartete der US-Konzern geringeres Wachstum für das Schlussquartal. Doch dann übertraf Booking die Erwartungen des Markts, die Anleger fassten neues Vertrauen. Für 2018 rechnet Booking mit Wachstum um die 20 Prozent.

Holidaycheck
Für Optimisten

Der Münchner Reisevermittler hat sich auf Pauschalreisen verlegt. Holidaycheck übertraf 2017 mit einem Umsatzwachstum von 13 Prozent auf 122 Millionen Euro die Jahresziele. Allerdings schrieb die Firma nur hauchdünn schwarze Zahlen. Die Kapitallage ist aber stabil, die Firma schuldenfrei. Geduldige Anleger setzen auf eine Wende 2019.




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Bildquellen: haveseen / Shutterstock.com, Martin Valigursky / Shutterstock.com

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11.08.2017TUI overweightJP Morgan Chase & Co.
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