Evotec: Eine Schocktherapie
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Der Wirkstoffforschungs-Spezialist Evotec hat mit dem Transformationsprogramm „Horizon“ einen radikalen Strategiewechsel eingeleitet – und die Börse antwortet mit harten Kursverlusten.
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Es waren gleich zwei Hiobsbotschaften auf einmal: Evotec präsentierte Anfang dieser Woche seine Ziele für 2026, und die enttäuschten auf ganzer Linie. Der Konzern erwartet Umsätze zwischen 700 und 780 Mio. Euro, nach rund 788 Mio. Euro im Vorjahr. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 0 und 40 Mio. Euro liegen. Analysten hatten teilweise mehr als 80 Mio. Euro erwartet. Selbst das obere Ende der Prognosespanne verfehlt die Konsensschätzungen deutlich.
Horizon: Schmerzhafte Konsequenzen
Evotec reagiert auf die neuen Zahlen mit der Auflegung eines neuen Restrukturierungsprogramms. Kern des Programms „Horizon“ ist ein tiefgreifender Stellenabbau. Bis zu 800 Jobs sollen gestrichen werden, gleichzeitig plant das Unternehmen, das globale Standortnetzwerk von derzeit 14 auf künftig 10 Standorte zu verkleinern. Die angestrebten Einsparungen von rund 75 Mio. Euro pro Jahr sollen bis Ende 2027 realisiert sein, doch der Umbau selbst kostet zunächst rund 100 Mio. Euro an Restrukturierungsaufwendungen bis 2028. Das ist eine Rechnung, die Anleger erst einmal verdauen müssen.
Evotec spricht von tieferer Integration, schnelleren Entscheidungen und mehr Agilität. Die Botschaft an den Kapitalmarkt ist indes eine andere: Stabilisierung statt Expansion. Nach Jahren, in denen Evotec vor allem mit Wachstum und Skalierbarkeit punkten wollte, markiert „Horizon“ eine bemerkenswerte Kurskorrektur.
Das Kerngeschäft schwächelt
Besonders beunruhigend ist die Entwicklung im Segment Drug Discovery & Preclinical Development, also genau dem Bereich, der lange als das Herzstück von Evotec galt. Die Umsätze gingen zuletzt deutlich zurück, das Segment rutschte sogar in die operative Verlustzone.
Das ist keine Randerscheinung, sondern ein strukturelles Problem: Evotecs Geschäftsmodell lebt von der Forschungsbereitschaft der Pharmaindustrie. Und die ist seit dem Ende des Pandemie-Booms spürbar selektiver geworden. Projekte werden verschoben, Kooperationen neu bewertet. Dienstleister wie Evotec spüren das unmittelbar in ihrer Auftragslage.
Markt zeigt sich uneins
Investoren und Analysten sehen die neuen Versuche von Evotec, wieder auf Kurs zu kommen, gemischt. Die einen halten „Horizon“ für einen sinnvollen nächsten Schritt im Umbauprozess. Andere sehen die aktuellen operativen Verschlechterungen und sind entsprechend zurückhaltend.
Was sich am Ende auch in der Aktie widerspiegelt. Denn diese hat es bislang nicht geschafft, den Kurssturz nach den News wieder abzufangen. Per Redaktionsschluss notierte Evotec nur noch knapp über der 4-Euro-Marke. Ob man auf diesem Niveau eine Bodenbildung schafft, bleibt weiterhin fraglich. Einen kleinen Rettungsanker könnte letztlich liefern, dass Evotec selbst langfristig optimistisch bleibt.
Bis 2030 soll der Konzernumsatz die Marke von einer Mrd. Euro überschreiten, die EBITDA-Marge bis 2028 auf rund 20 Prozent steigen. Das sind beachtliche Ziele angesichts eines Übergangsjahres mit nahezu null operativem Ergebnis und einem Aktienkurs auf Dekadentief. Für Evotec heißt es nun, nicht nur fundamental wieder Stabilität zu erlangen, sondern vor allem das gerade verloren gegangene Vertrauen wieder zurückzugewinnen.
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Erstellung am 13.03.26 um 12:23 Uhr.
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