Grönland-Streit

Grönland-Übernahme & Zölle: Trump will "unverzüglich Verhandlungen" - EU stoppt Umsetzung des US-Handelsabkommens

21.01.26 16:29 Uhr

Trump beim WEF in Davos: Zolldrohungen, Grönland und die Weltordnung | finanzen.net

Donald Trumps Rede in Davos: Viel Selbstlob, deutliche Kritik an Europa - und keine Zweifel an "America first" und den Grönlandplänen.

US-Präsident Donald Trump hat in seiner mit Spannung erwarteten Rede beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos vor allem seine isolationistische Politik angepriesen. Zum Schutz der Welt müsse Grönland von den USA übernommen werden, behauptete Trump erneut. Gewalt werde er dafür aber nicht anwenden, sagte er.

Wer­bung

Er forderte stattdessen "sofortige Verhandlungen" - mit wem, sagte er nicht. Dänemark, zu dem Grönland gehört, und weitere europäische Staaten wie Deutschland hatten stets bekräftigt, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe. Nur die USA könnten "dieses riesige Stück Land" verteidigen, sagte Trump. "Wir brauchen es für die strategische nationale Sicherheit und die internationale Sicherheit."

An den europäischen Staaten arbeitete sich der US-Präsident an mehreren Stellen seiner langen Rede ab. Europa entwickle sich nicht "in die richtige Richtung", sagte er. Bestimmte Länder seien nicht wiedererkennbar, das meine er nicht im positiven Sinne, sondern "sehr negativ", sagte Trump, der Bundeskanzler Friedrich Merz aber lobend erwähnte.

Deutschland generiere derzeit gut ein Fünftel weniger Strom als noch 2017, sagte Trump, doch das sei aber nicht die Schuld des CDU-Politikers. "Er löst das Problem. Er wird großartige Arbeit leisten", so Trump. Den französischen Präsidenten Emmanuel Macron kritisierte der US-Präsident dagegen. Dass Macron am Vortag mit Sonnenbrille auf dem Davos-Podium gesprochen hatte, erwähnte der US-Präsident spöttisch.

Wer­bung

Das "angesagteste" Land der Welt

Trump hatte seine Rede mit viel Lob für sich im ersten Jahr seiner Amtszeit begonnen. Die USA seien das "angesagteste" Land der Welt, sagte der US-Präsident, der "viele Freunde" und "einige Feinde" begrüßte. "Wenn Amerika boomt, boomt die ganze Welt. Das war schon immer so. Wenn es schlecht läuft, läuft es schlecht, für alle", sagte er.

Besonders hob Trump die eigene, in Europa stark umstrittene Wirtschafts- und Zollpolitik hervor. "Anstatt Steuern zu erhöhen oder einheimische Produzenten zu fördern, senken wir diese und erhöhen die Zölle für ausländische Nationen, um für die Schäden aufzukommen, die sie verursachen", sagte Trump.

Auch seine - bei Ökonomen stark umstrittene Haushaltspolitik - erwähnte Trump: "Wir haben die Bundesausgaben um 100 Milliarden Dollar gekürzt und das Haushaltsdefizit des Bundes in einem einzigen Jahr um 27 Prozent gesenkt. Es wird noch deutlich weiter sinken, wodurch die Inflation von den Rekordhöhen der Biden-Regierung deutlich zurückgehen wird."

Wer­bung

Die Bemühungen um saubere Energie in anderen Ländern kritisierte Trump scharf. Er sprach von einem "grünen Betrug", "vielleicht den größten Schwindel der Geschichte". Europa verschandele die Landschaft mit Windrädern, die Energieproduktion sei viel zu teuer.

Die USA setzten neben Öl und Gas auch in großem Umfang auf Atomenergie. "Ich habe eine Verordnung unterzeichnet, die den Bau und die Genehmigung vieler neuer Kernreaktoren vorsieht", sagte er. Es seien große Fortschritte bei der Sicherheit von Atomreaktoren gemacht worden.

Verspätete Landung in der Schweiz

Der US-Präsident hatte seine Rede trotz einer deutlich verspäteten Anreise relativ pünktlich begonnen. Wegen technischer Probleme war der Regierungsflieger Air Force One auf dem Weg in die Schweiz umgedreht - die US-Delegation stieg in ein Ersatzflugzeug und landete schließlich am Mittwochmittag in Zürich. Durch die verspätete Ankunft kommt es voraussichtlich nicht zu einem Treffen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit Trump.

Am Donnerstagabend, im Anschluss an das Forum, wollen Merz und die anderen Staats- und Regierungschefs der EU bei einem Krisentreffen in Brüssel darüber beraten, wie sie am besten auf Trumps Zolldrohungen reagieren könnten.

EU stoppt Umsetzung des US-Handelsabkommens wegen Grönland

Das Europäische Parlament hat die Arbeiten zur rechtlichen Umsetzung des Handelsabkommens zwischen den USA und der EU ausgesetzt, nachdem Präsident Donald Trump damit gedroht hatte, wegen Grönland Zölle gegen einige europäische Länder zu verhängen, wie ein hochrangiger Parlamentarier mitteilte.

Durch diese Entscheidung wird der Plan der EU, die Zölle auf eine Reihe von US-Industrieprodukten zu senken, vorerst auf Eis gelegt. Die Zollsenkungen wurden als Teil eines Handelsabkommens zwischen den USA und der EU vereinbart, das erstmals im vergangenen Sommer angekündigt wurde, aber noch der Zustimmung der Parlamentarier bedarf, um vollständig in Kraft zu treten.

"Unsere Souveränität und territoriale Integrität stehen auf dem Spiel", schrieb Bernd Lange, ein deutscher Politiker, der den Handelsausschuss des Parlaments leitet, in den sozialen Medien und fügte hinzu, dass es nicht möglich sei, wie gewohnt weiterzumachen.

Ryanair-Chef O'Leary: Europa muss Trump die Stirn bieten

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat einen selbstbewussteren Umgang europäischer Politiker mit Zollandrohungen von US-Präsident Donald Trump gefordert. "Ich denke, dass es an der Zeit ist, dass Europa den USA die Stirn bietet", sagte der Chef von Europas größter Airline vor Reportern in Dublin der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge.

"Wenn Trump Europa mit Zöllen droht, sollte Europa das entsprechend beantworten und Trump wird kalte Füße bekommen, wie er es normalerweise tut", sagte O'Leary. Der US-Präsident könne sich nur acht Monate vor den Midterm-Wahlen in den USA gar keinen Handelskrieg mit Europa leisten, sondern habe ein Interesse daran, dass die Wirtschaft laufe, sagte der Ire.

Europäer sollen aufhören, Trump zu schmeicheln

Er gab Trump recht bei dessen Forderung, dass die Nato-Partner ihre Verteidigungsausgaben erhöhen müssten und unterstützte dessen Ablehnung gegen Umweltsteuern. Die Positionen des US-Präsidenten zu Ukraine und zu Grönland seien hingegen falsch, urteilte der Ryanair-Chef.

"Und wo er Unrecht hat, sollte Europa ihm die Stirn bieten und als ein Handelsblock auftreten und ihm sagen, dass er Unrecht hat und aufhören, ihm zu schmeicheln und ihn zum Dinner einzuladen", so O'Leary weiter.

Der irische Geschäftsmann ist für seine markigen Sprüche bekannt und hatte sich in den vergangenen Tagen bereits einen verbalen Schlagabtausch mit US-Multimilliardär Elon Musk geliefert.

Trump will Schulden durch Wachstum, Sparen und Zölle senken

US-Präsident Donald Trump ist zuversichtlich, dass die USA ihre Schulden trotz aktuell hoher Haushaltsdefizite zurückzahlen können. "Ich denke, wir können da herauswachsen, wir werden unsere Schulden abzahlen", sagte er beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. "Wachstum ist der Weg. Wenn wir so wachsen, dann kommen wir von 37, 36 Billionen (US-Dollar Schulden) - wir kommen von hohem Schulden zu niedrigen Schulden", sagte er auch. Zudem würden auf "altmodische Art" die Ausgaben gesenkt. "Und wir bekommen viel Geld durch Zölle", fügte er hinzu.

Trump pöbelt gegen Somalia und US-Kongressabgeordnete Omar

US-Präsident Donald Trump hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos schwere Vorwürfe gegen Einwanderer aus Somalia und das ostafrikanische Land selbst erhoben. "Somalische Banditen" hätten in den USA 19 Milliarden US-Dollar durch Betrug ergaunert, behauptete Trump in Davos. "Sie haben sich als intelligenter erwiesen, als wir gedacht hätten. Wie können sie nach Minnesota hereinkommen und all dieses Geld stehlen?"

Die Situation im US-Bundesstaat Minnesota "erinnert uns daran, dass der Westen nicht einfach fremde Kulturen massenhaft importieren kann, die es nie geschafft haben, eine eigene, funktionierende Gesellschaft aufzubauen." Somalia sei ein gescheiterter Staat - "kein Staat, keine Regierung, keine Polizei, kein Militär, gar nichts".

Trump stellt Migranten immer wieder pauschal als gefährliche Kriminelle dar und beleidigt sie rassistisch. Er nutzt dazu auch entmenschlichende Sprache.

Der US-Präsident griff zudem die US-Kongressabgeordnete Ilhan Omar persönlich an, die aus Somalia stammt. "Ilhan Omar spricht über die Verfassung - sie kommt aus einem Land, das gar kein richtiges Land ist - und will uns vorschreiben, wie wir Amerika regieren sollen. Damit kommt sie nicht mehr lange durch", sagte Trump.

dpa-AFX / DOW JONES

Bildquellen: Bill Pugliano/Getty Images, JStone / Shutterstock.com