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02.08.2019 21:34
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Geely-Aktie im Check: Daimler-Großaktionär Geely begegnet Kette von Schwierigkeiten

Hausgemachte Probleme: Geely-Aktie im Check: Daimler-Großaktionär Geely begegnet Kette von Schwierigkeiten | Nachricht | finanzen.net
Hausgemachte Probleme
Geely ist führender Hersteller auf dem chinesischen Automarkt und hegt weitere Expansionsambitionen - doch offensichtlich steht der Konzern vor erheblichen Problemen. Das könnte auch Schwierigkeiten beim Joint Venture mit Daimler aufwirbeln.
• Autobauer Geely kämpft mit Absatzflaute
• Kette von Problemen macht es Geely schwer
• Situation könnte sich auf smart übertragen

Geely hat hierzulande vor allem durch seine sieben Milliarden Euro schwere Investition in Daimler die Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Plötzlich wurde der chinesische Konzern zum Großaktionär bei der deutschen Traditionsmarke. In einem Joint Venture nimmt sich Geely der Daimler-Tochter smart an. Doch offenbar steht Chinas größter Autobauer Geely vor enormen Schwierigkeiten, die sich auch auf den Stadtauto-Hersteller, dessen Produktion nach China verlagert werden soll, auswirken könnten.

Geely unter Druck: Absatzprobleme auf dem wichtigen Heimatmarkt

Geely hat sich vom einstigen Kühlschrankzulieferer zum größten Automobilhersteller Chinas gemausert. Doch der 1986 gegründete Konzern scheint nicht mehr ganz auf dem richtigen Pfad zu wandeln: Das Geschäft brummt nach jahrelangem Wachstum nicht mehr - Geely gab sogar eine Gewinnwarnung raus. Der chinesische Kfz-Bauer teilte mit, dass der Nettogewinn im ersten Halbjahr sinken werde. An den Börsen schockte das, weshalb die Aktie abgestraft wurde. Grund ist vor allem der schwächelnde Absatz auf dem Heimatmarkt.

Satellitenbilder bezeugten wohl bereits vor einigen Monaten, dass der Kfz-Bauer Autos auf Vorrat produziert hat - laut WirtschaftsWoche sollen teilweise 8.000 Geely-Fahrzeuge allein auf einem Fabrikparkplatz nördlich der Stadt Ningbo lagern. Hat Geely angesichts der Absatzschwierigkeiten überproduziert? Jedenfalls scheint das der Fall zu sein. Bereits im Mai verbuchte der chinesische Autoproduzent einen Absatzrückgang - im Juni setzte Geely mit 90.875 Fahrzeugen 29 Prozent weniger ab als noch im Vorjahreszeitraum. Bei der Betrachtung des Halbjahres sind die Verkäufe in China um 33 Prozent geschrumpft, weltweit um 15 Prozent. Der chinesische Konzern rechne auch nicht damit, dass dieser Trend sich ändern wird: "Wegen der anhaltenden Unsicherheiten im chinesischen Markt" befürchtet Geely im Gesamtjahr einen Rückgang von um die zehn Prozent, so der Autobauer.

Die möglichen Gründe für die Absatzflaute

Dabei sorgt insbesondere der seit über einem Jahr andauernde Handelsstreit für Unsicherheit auf dem Hauptmarkt in der Heimat - die Wirtschaft leidet darunter, weshalb sich Konsumenten mit Ausgaben eher zurückhalten. "Die Menschen halten sich derzeit mit großen Anschaffungen zurück, sparen für schwierige Zeiten", zitiert WirtschaftsWoche den chinesischen Autoanalyst Zhong Shi. Diese Probleme bekommen auch andere Autohersteller wie Volkswagen und Daimler zu spüren. Shi gehe davon aus, dass der chinesische Automarkt in diesem Jahr um bis zu zehn Prozent zurückgehen wird. In Geely-Autohäusern macht sich die Lage bereits bemerkbar: Zahlreiche rabattierte Neuwagen werden teilweise ein Fünftel unter dem Listenpreis verkauft, berichtet die Nachrichtenseite. Doch möglicherweise wollen die Chinesen ihr Geld erstrecht, angesichts der geopolitischen Lage, nicht in ein Auto stecken, bei denen die Qualität nicht komplett überzeugt. So habe Jochen Siebert, der Chef von Beratungsfirma JSC Automotive in Shanghai, welche auf Chinas Autoindustrie spezialisierten ist, bemängelt, dass die Geely-Fahrzeuge nicht mit modernen Sicherheits- und Platzstandards mithalten könnten.

Potenziellen Kunden wird der Autokauf "erschwert"

Ein weiterer Faktor der sicherlich das Absatzminus beeinflusst hat: Die Finanzierungsmöglichkeiten für potenzielle Käufer. Insbesondere die Mittelschicht habe Probleme, an Kredite zu kommen, berichtet WirtschaftsWoche. Noch vor einigen Jahren liehen sich viele Verbraucher mittels Peer-to-Peer-Darlehen Geld. Doch das ist nicht mehr möglich, nachdem die Regierung das Geschäft - mitunter wegen Betrügereien- stillgelegt hat. Zusätzlich kommt Gegenwind auf die E-Autos zu, die sich Geely insbesondere mit smart in Zukunft zu Herzen genommen hat: Die chinesische Volkswirtschaft hat zwar erst massiv in den Ausbau der Elektromobilität investiert und sich zum größten E-Auto-Markt entpuppt, zügelt diese Ambitionen nun aber wieder: Ab Juli wurden die staatlichen Subventionen um die Hälfte gekürzt.

Unprofitabel? Werkslandschaft als hausgemachtes Hindernis

Doch auch hausgemachte Probleme lasten auf den Schultern des Unternehmens: die übers Land verstreuten, eher kleinen Fabriken. Diese Werke des chinesischen Autobauers könnten nur 40.000 bis 150.000 Autos im Jahr produzieren - doch ab einer Kapazität von 300.000 Stück sei ein Werk erst effizient, bezieht sich WirtschaftsWoche auf Jochen Siebert. Doch wieso hat Geely zahlreiche kleine Fabriken über das Land verteilt? Die zerstückelte Werkslandschaft ist in der Anfangszeit von Geely als Autobauer zu ergründen. Als rein privates Unternehmen ist der Autobauer stets knapp bei Kasse im Vergleich zu seinen halbstaatlichen Konkurrenten. So wurde in unterschiedlichen Städten Werke errichtet, um Arbeitsplätze zu schaffen und dafür Förderungshilfen und Nachlässe für die Steuer zu ergattern. Dementsprechend sind die zahlreichen Werke über die gesamte chinesische Volksrepublik verteilt. Das betrifft beispielsweise auch die einverleibte Tochter Volvo: Die Werke befinden sich im Nordosten sowie im Südwesten Chinas - etwa mittig zwischen diesen beiden Werken der schwedischen Automarke liegt das Motorenwerk.

Die nicht gerade unbeachtlich langen Distanzen zwischen den Fabriken sorgen für Mehrkosten im Rahmen des Transport- und Logistikaufwands - das lastet zusätzlich zu der geringen Produktionskapazität auf der Rendite. Dass nun auch noch ein Absatzrückgang verzeichnet werden muss, übt Druck auf den Autohersteller aus und dürfte für finanzielle Probleme sorgen.

smart wird nicht die gewinnbringende Wende bringen

Angesichts der nicht zu vernachlässigenden Absatzprobleme, die offenbare auf mehrere Ursachen zurückzuführen sind, ist nun die Frage, wie es weitergeht. Denn ab dem Jahr 2022 soll Geely die smart-Wagen im Joint Venture mit Daimler im Heimatland fertigen - zukünftig dann als elektrisches Stadtauto. Als Favorit für den smart-Produktionsstandort gilt ein geplantes Werk im ostchinesischen Wuhan. Die Fabrik soll offenbar bis zum Jahr 2021 fertiggestellt werden und den Konzern 1,2 Milliarden Euro kosten. Doch da beispielsweise der E-Automarkt in China etwas Schwung genommen bekommt und die beiden Joint Venture Partner womöglich noch einiges in die Weiterentwicklung und den Vertrieb von smart investieren müssen, wird die Stadtautomarke nicht für eine große Wende bei Geely sorgen. Bis Gewinne erwirtschaftet werden, dürfte es noch etliche Jahre dauern. China-Automarkt-Experte Siebert bezweifelt sogar, dass mit der Daimler-Tochter jemals sonderlich viel erwirtschaftet kann. Er rechne, laut WirtschaftWoche, lediglich mit 100.000 verkauften smarts jährlich.

Nicht-heimischer Markt als Hoffnungsträger?

Die Hoffnung Geelys scheint sich stattdessen auf die Tochtermarken Volvo und Lotus zu konzentrieren: Das schwedische Auto soll die Kunden im Westen erobern. Und auch die britische Luxuswagen-Marke könnte ausgebaut werden. Im vergangenen Jahr gingen nur 1.630 der Kultwagen vom Fließband. Spekulationen ranken sich um einen SUV von Lotus.

Doch bevor Geely an diesen Stellen erfolgreich werden und die Absatzflaute gänzlich überwinden kann, muss der Autobauer wohl die zerstreute Werkslandschaft im Rahmen einer Modernisierung in Angriff nehmen. Ist das Kernproblem einmal beseitigt, steht Geely auf seinem Eroberungsweg der internationalen Automärkte wahrscheinlich nichts mehr im Wege. Auch wenn dieser bis in die Top Ten der Autohersteller noch weit sein dürfte.

Geely-Aktie nach Gewinnwarnung auf Talfahrt

Im ersten Jahresviertel konnte sich die Geely-Aktie an der Nasdaq-OTC noch vom schlechten Jahresende 2018 erholen. Allerdings ging es dann wieder bergab. Besonders seit der Gewinnwarnung Anfang Juli konnte sich der Aktienkurs nicht wieder berappeln. Im Jahresverlauf hat die Geely-Aktie bislang 12,72 Prozent auf 1,51 US-Dollar verloren (Stand ist der 31. Juli). Vom bisherigen Jahreshoch bei 2,37 US-Dollar am 17. April ist der Aktienkurs somit fast 57 Prozent entfernt. Analysten sehen außerdem auch Daimlers derzeitige Schwierigkeiten als Negativfaktor, da sich diese Schwächen auch auf Großaktionär Geely niederschlagen würden. Es heißt, dass Analysten für die Aktie eher ungünstige Signale sieht. Anleger sollten die weitere Entwicklung von Geely also mit Argusaugen weiterverfolgen.

Theresa Holz / Redaktion finanzen.net

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