09.05.2022 09:05

BASF-Aktie im Fokus der Anleger - BASF: Die Geschichte der Badischen Anilin- und Sodafabrik

I. G. Farben: BASF-Aktie im Fokus der Anleger - BASF: Die Geschichte der Badischen Anilin- und Sodafabrik | Nachricht | finanzen.net
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Heute ist BASF als einer der weltweit größten und erfolgreichsten Chemie-Konzerne bekannt. Wo und wann begann die Geschichte der "Badischen Anilin- und Sodafabrik" und wer steckt hinter der bahnbrechenden Unternehmensgründung?
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• Friedrich Engelhorn gründet die "Badische Anilin- und Sodafabrik" in Mannheim
• Im ersten und zweiten Weltkrieg enge Zusammenarbeit mit der Regierung
• BASF heute: Mehr als 100.000 Mitarbeiter in über 90 Ländern weltweit

Die Geschichte der BASF begann im Jahr 1856, als der erste Teerfarbstoff Mauvein, ein Ausgangsstoff für die Entwicklung synthetischer Farbstoffe, entdeckt wurde. Friedrich Engelhorn war zu dieser Zeit Besitzer einer Leuchtgasfabrik in Mannheim und erkannte den Wert des Steinkohleteers, welcher in seinem Unternehmen anfiel. Zunächst produzierte er in seiner Leuchtgasfabrik nebenbei synthetische Farbstoffe. Seine Vision eines Unternehmens, in dem die gesamte Produktionskette für synthetische Farbstoffe vereint werden könnte, realisierte er aber mit der Firmenneugründung "Badische Anilin- und Sodafabrik" - kurz BASF. Die erste Fabrik wurde in Ludwigshafen bei Mannheim errichtet.

BASF: Eine bahnbrechende Entwicklung nach der anderen

In den Folgejahren wie in der gesamten Firmengeschichte war BASF immer wieder Vorreiter für neue Entwicklungen, Ideen und Forschung. So wurde etwa 1866 bei BASF der erste Werksarzt in der gesamten deutschen Chemieindustrie eingestellt. Ab 1868 wurde mit der Anstellung von Chemiker Heinrich Caro als "Forschungschef" die firmeninterne Forschung in Gang gebracht - bereits ein Jahr später hatte Caro mit Professoren der Universität Berlin die erste Synthese eines natürlichen Farbstoffs erreicht. Dieser Farbstoff namens Alizarin wurde zum ersten weltweiten Verkaufserfolg der BASF. Einige Jahre später machte BASF mit der Inbetriebnahme der ersten Produktionsanlagen in Russland und Frankreich einen weiteren großen Schritt, denn zu dieser Zeit war die Produktion im Ausland allgemein nicht üblich. Bahnbrechend war auch die Betriebsaufnahme der ersten Anlage zur Ammoniaksynthese (Düngemittelproduktion) im Jahr 1913.

Chlorgas als Kampfstoff im Krieg und Fusion zur I.G. Farbenindustrie AG

In den Kriegsjahren 1914 bis 1918 war einer der Berliner Professoren, Fritz Haber, bereits Leiter des preußischen Kriegsministeriums und schlug aufgrund eines Mangels an Material für die Produktion von Munition vor, Chlorgas als Kampfstoff zu verwenden. Hierfür war die BASF der Hauptlieferant - 1915 begann der sogenannte "chemische Krieg" mit dem ersten Chlorgasangriff in Ypern in Belgien. Es wird geschätzt, dass während des ersten Weltkriegs mehr als 10.000 Soldaten bei Giftgasangriffen starben. Giftgasangriffe wurden auch im zweiten Weltkrieg fortgeführt - hier fand die BASF-Produktion des Stoffes Buna teilweise auch in Auschwitz statt: Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene arbeiteten in beiden Kriegen in den BASF-Fabriken. Als Entschädigung der Opfer bekannte sich die BASF viele Jahre nach dem Krieg zu ihrer Rolle und wurde Gründungsmitglied einer Stiftung namens "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft". An diese Stiftung zahlte die BASF 70 Millionen Euro.

Zwischen den Kriegen gab es zwei weitere Meilensteine: Zum einen schlossen sich im Jahr 1925 die BASF und fünf andere Chemie-Konzerne, darunter auch Bayer, zur "I. G. Farbenindustrie AG" (I. G. Farben) zusammen. Zum anderen wurden das Magnettonband und der erste Kunststoff entwickelt - im Laufe der Jahre folgten noch viele weitere Erfindungen.

Ab 1950: Expansion und Thema Nachhaltigkeit

Direkt nach dem Krieg machte sich die BASF mit dem Bereich Pflanzenschutz vertraut und schuf 1949 das erste Pflanzenschutzmittel. Wenige Jahre später wurde bei BASF auch Styropor erfunden und produziert. Ende der 50er-Jahre begann die Expansion: Es wurden Joint-Ventures und ein Standort in Antwerpen gegründet, außerdem gab es mehrere Übernahmen - die BASF-Gruppe wuchs rasant und war nun in vielen Teilen der Welt aktiv. Erst im Jahr 2000 allerdings gab es den ersten Verbundstandort in Asien, im Jahr 2005 wurde die Beziehung zum Raum Asien-Pazifik per Kooperation mit dem chinesischen Unternehmen SINOPEC erweitert. Ein Jahr später fand zudem die Übernahme der US-amerikanischen Engelhard Corporation, dem Marktführer im Bereich Materialien für Katalyse und Oberflächenveredelung statt - ein großer Schritt auf den US-amerikanischen Markt.

Unterdessen bekam auch das Thema Nachhaltigkeit eine immer größere Wichtigkeit, heute ist es neben der Stärkung der Innovationskraft des Unternehmens und dem Ausbau des Portfolios einer der strategischen Schwerpunkte.

Neue Unternehmensstruktur seit 2019 und die riesige Produktpalette der BASF

Heute arbeitet die BASF mit dem Ziel, stärker als der Markt zu wachsen und für so viele aktuelle Probleme wie möglich Lösungen zu finden: Also wurde im Jahr 2019 die Unternehmensstruktur umgewandelt - nun gibt es die sechs großen Bereiche Chemicals, Materials, Industrial Solutions, Surface Technologies, Nutrition & Care sowie Agricultural Solutions, in denen insgesamt mehr als 117.000 Mitarbeiter an 367 Standorten weltweit arbeiten. Dabei sind Transport, Bau, Chemikalien, Elektronik, Energie, Ernährung (Bekämpfung von Hunger), Kunststoffe, Lacke und Landwirtschaft tatsächlich nur einige wenige der Tätigkeitsfelder der BASF.

Die Berufung von Dr. Martin Brudermüller als CEO und CTO der BASF im Jahr 2018 war nur eine von vielen Personalveränderungen, die der Vorstand der BASF aktuell durchmacht. Zudem gibt es immer wieder einen kleineren oder größeren Skandal um die Produkte der BASF: So konnte 2017 eine krebserregende Chemikalie in einem von der BASF produzierten Material für etwa Matratzen nachgewiesen werden und 2020 machte in den Medien der Verkauf von Pestiziden durch die BASF Schlagzeilen. Nichtsdestotrotz gehört die BASF seit einigen Jahren zu den fünf größten Chemie-Konzernen weltweit und konnte im Jahr 2019 einen Umsatz von rund 59 Milliarden Euro verzeichnen. Im Corona-Jahr 2020 ist dieser Umsatz im Vorjahresvergleich um ein bis zwei Milliarden Euro gesunken.

Redaktion finanzen.net

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