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11.10.2017 20:46
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Dirk Müller: Bei DAX und Dow steht die Ampel weiterhin auf grün

Interview exklusiv: Dirk Müller: Bei DAX und Dow steht die Ampel weiterhin auf grün | Nachricht | finanzen.net
Interview exklusiv
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Dirk Müller alias Mr. DAX spricht im finanzen.net Interview über die Bewegungen an den Aktienmärkten, die Politik der Notenbanken und über den Öl- und Goldpreis.
von Benjamin Summa

Herr Müller, auf der einen Seite das chaotische Referendum in Katalonien, auf der anderen die Nachwehen der Bundestagswahl: Stabilität sieht anders aus und dennoch hat der Dax kürzlich ein neues Rekordhoch erreicht. Sind die Anleger mittlerweile abgestumpft?
Dirk Müller: Die Bewegungen an den Aktienmärkten finden weltweit statt, am deutschen Aktienmarkt sind beispielsweise die amerikanischen Anleger tonangebend. Die Abstimmung in Katalonien wurde vor diesem Hintergrund als lokales Problem wahrgenommen, ohne größere Auswirkungen auf Europa. Auch die Bundestagswahl ist ungefähr so ausgegangen, wie es an den Märkten erwartet worden ist. Merkel wird Kanzlerin bleiben, die wichtige Botschaft ist: Kontinuität und Verlässlichkeit. Der Wermutstropfen ist, dass die Regierungsbildung dieses Mal wohl sehr lange dauern wird - bis dahin bekommt der Markt keine Antworten auf wichtige Fragestellungen, wie beispielsweise die Lebensdauer des Verbrennungsmotors in Deutschland.

Welche Chancen und welche Risiken machen Sie für die internationalen Märkte in den kommenden Monaten konkret aus?
Die altbekannten Risiken gibt es nach wie vor: die gewaltige Schieflage im chinesischen Finanzsektor, die angespannte Situation zwischen Iran und Saudi-Arabien, das Problem der extremen Verschuldung der Staatshaushalte und die Blase an den Anleihemärkten. Mittelfristig steht die Ampel dennoch auf grün: Rund um den Globus werden relativ starke Wirtschaftsdaten vermeldet, das viele billige Geld schlägt also langsam, aber sicher durch bei der Nachfrage. Auch an der chinesischen Front ist es derzeit ruhig. Im Oktober/November findet wie alle fünf Jahre der Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas statt. In dessen Umfeld wird auch wirtschaftlich alles auf Hochglanz poliert und negative Meldungen wird es zumindest während dieser Zeit nicht geben. Und in den USA dominiert das Thema "Steuersenkungen", was an den Märkten natürlich eher positiv aufgenommen wird. Auch von der Nordkorea-Krise hört man kaum noch etwas, was nicht verwunderlich ist, denn die Amerikaner haben mit der rhetorischen Eskalation ihre Ziele erreicht. Ihnen ging es nach meinem Dafürhalten im Wesentlichen darum, ihre Raketen und Radarsysteme in Südkorea nachzurüsten. Seoul hatte sich in der Vergangenheit hiergegen zunächst gewehrt, jetzt hat man klein beigegeben. Nun kann wieder deeskaliert werden. Dafür gibt es keine Garantie, vielleicht ist der Geist des Krieges doch schon aus der Flasche entwichen, aber nach jetzigem Stand spricht derzeit eher alles für einen erfreulichen Jahresausklang an den weltweiten Aktienmärkten.

Wie stark profitieren die deutsche Exportindustrie und damit der deutsche Aktienmarkt vom schwachen Euro?
Diesen Effekt würde ich nicht überbewerten. Wir waren in Deutschland Exportweltmeister, als wir noch die starke DM hatten. Deutschland verkauft seine Produkte nicht über den Preis, sondern über die Qualität und die Alleinstellungsmerkmale seiner Autos und Maschinen.

Wie schätzen Sie derzeit die Bewertungsniveaus dies- und jenseits des Atlantiks ein?
Die Bewertungen werden momentan natürlich als sehr sportlich eingestuft. Wenn man aber die zugrunde gelegten hohen Wachstumserwartungen in einigen Branchen als realistisch einschätzt, dann relativiert sich das. Viele schauen immer bloß auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Das macht aber nur Sinn, wenn auch das Wachstum mitberücksichtigt wird. Wenn große Industriebetriebe mit sehr langsamen Wachstumsraten betrachtet werden, dann ist ein hohes KGV natürlich problematisch, hat man in einem Index allerdings Schwergewichte wie Facebook und Amazon, die außerordentlich hohe Wachstumsraten haben, dann wird klar, dass man denen auch ein höheres KGV zugestehen kann.

Bitte erläutern Sie, welche Strategie Sie derzeit bei Ihrem eigenen Fonds verfolgen?
Wir sind weiterhin voll investiert in den Aktienmärkten. Derzeit verzichten wir auf eine Absicherung, wir können diese aber sofort wieder aktivieren, sobald der Markt kippen sollte. Dazu haben wir enge Limits im Markt, bei deren Erreichen automatisch Absicherungspositionen aufgebaut werden. Mit kleinen Korrekturen von vier oder fünf Prozent können wir prima leben, aber große Einbrüche versuchen wir damit idealerweise zu verhindern.

Die Preisentwicklung im Euro-Währungsraum bleibt schwach. Das dürfte innerhalb der EZB die Stimmen stärken, die für einen eher langsamen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik eintreten. In Washington hingegen wollte die Fed den Geldhahn langsam aber sicher zudrehen. Wird es auch so kommen?
Der Markt verabschiedet sich zunehmend von einer Phase eines längeren Zinsanstiegs. Die letzten Einschätzungen, die ich aus den USA wahrgenommen habe, gehen eher wieder in Richtung "Zinssenkung 2018". Trump wird in den kommenden Monaten wichtige Positionen bei der US-Notenbank neu besetzen. Auf personeller Ebene wird es also eine große Rotation geben. Die Zukunft von Fed-Chefin Yellen ist auch sehr ungewiss. Trump wird seine Leute hier installieren - auch das spricht nicht für deutliche Zinserhöhungen.

Der Ölpreis ist in den vergangenen Wochen wie Phönix aus der Asche gestiegen. Ein Grund für die schleichend wieder erstarkten Preise ist die Übereinkunft unter den OPEC-Staaten und Russland, die Ölförderung zu begrenzen. Anfangs wurden diese Absprachen belächelt, mittlerweile wird jedoch deutlich, dass sich die Staaten an ihre Auflagen halten könnten. Glauben Sie an ein Ende der Lower-for-longer-Ära beim Ölpreis?
Nein, daran glaube ich absolut nicht. Ich sehe diesen Anstieg des Ölpreises auch gar nicht. Wir stehen momentan beim WTI bei knapp über 50 Dollar pro Barrel. Das Tief im Mai lag bei 44 Dollar. Wir kommen aber von 125 Dollar in 2014/2015. Die Welt schwenkt um auf erneuerbare Energien. Die Ölproduzenten müssen also die verbleibenden wenigen Jahre dafür nutzen, um noch so viel zu verkaufen, wie sie können.

Gold hat einen langfristigen Abwärtstrend durchbrochen und steuert nach einer Durststrecke seit Dezember 2015 wieder nach oben. Ist das nur ein Strohfeuer oder sehen Sie hier eine Trendumkehr?
Richtig ist, dass der langfristige Abwärtstrend nach oben durchbrochen worden ist. Das stimmt mich positiv, dass wir es dieses Mal mit einer nachhaltigen Trendumkehr zu tun haben könnten. Wichtig wäre jetzt, dass Gold die Hürde von 1.300 Dollar dauerhaft hinter sich lässt. Aber zu viele große Investoren mischen hier mit, die blitzschnell auf die Verkaufsseite wechseln können. Grundsätzlich sprechen die Zinsentwicklung und die vielen Finanzmarkt- und geopolitischen Risiken klar für Gold.

Disclaimer: Der Autor, Benjamin Summa, ist freier Mitarbeiter bei finanzen.net. Er interviewt regelmäßig Finanzexperten zu aktuellen Themen.

Bildquellen: Dirk Müller
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