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12.07.2013 11:46

IVU-Finanzvorstand: „Wir peilen eine zweistellige EBIT-Marge an“

Frank Kochanski, IVU-Finanzvorstand, über den aktuellen Vertriebserfolg, die Entwicklung der Gewinnmarge und die komfortable Finanzposition, die Begehrlichkeiten bei Anlegern weckt.
Weiterer Vertriebserfolg für die IVU Traffic Technologies AG: Rhenus Veniro Süd-West hat sich für das ITCS-System der Berliner entschieden und wird mehr als 200 Fahrzeuge der Gruppe mit IVU-Bordrechnern ausstatten. Der Erfolg in der europaweiten Ausschreibung belegt einmal mehr, dass IVU zu den Technologieführern in diesem Wachstumsmarkt zählt.

Herr Kochanski, Glückwunsch zum neuerlichen Vertriebserfolg für Ihr ITCS-System. Die IVU stattet in fünf Betrieben der Rhenus Veniro Süd-West-Gruppe über 200 Fahrzeuge mit Bordrechnern aus. Welche Bedeutung hat dieses Projekt für die IVU?
Frank Kochanski: Wir generieren mit dem Projekt nicht nur neue Umsätze, gleichzeitig ist es auch ein weiterer Beweis dafür, dass es auch im gut ausgebauten deutschen Verkehrsnetz immer noch Verbesserungspotential gibt. Insbesondere Echtzeitinformationen sind bisher nicht flächendeckend verfügbar. Hier können wir mit unseren leistungsstarken Standardlösungen punkten, die auf die Größe jedes Verkehrsunternehmens skaliert werden können – ob nun in London oder Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz.

Wo liegen die Stärken der ITCS-Lösung im Konkurrenzvergleich? Hat die Technik letztendlich den Ausschlag für IVU gegeben oder war ein günstiger Preis hier entscheidend?


CFO der IVU, Frank Kochanski
Die Preisunterschiede auf dem Markt sind nicht ausschlaggebend, letztendlich entscheiden Funktionalität und Zuverlässigkeit unserer Technik. Mit unseren Fahrgastinformationssystemen sind wir Marktführer und wurden kürzlich auch von der UITP, dem internationalen Verband für öffentliches Verkehrswesen, ausgezeichnet. Und auch in allen anderen Bereichen, von der Planung und Disposition über das Ticketing und die Betriebslenkung bis hin zur Abrechnung, sind wir stark. Die IVU hat sich als Marke etabliert und das überzeugt.

Mit jedem neuen Projektabschluss steigt gleichzeitig auch das Volumen Ihres Wartungs- und Servicegeschäfts. Welcher Umsatzanteil entfällt bei IVU bereits jetzt auf dieses „Sockelgeschäft“, das Ihnen kontinuierliche Einnahmen garantiert?
Etwa ein Viertel unseres Umsatzes fallen derzeit auf das Wartungs- und Servicegeschäft.

Für das laufende Jahr planen Sie einen weiteren Umsatzanstieg auf 45 Mio. Euro. Mehr noch als auf die Umsatzentwicklung blicken Sie aber auf die Entwicklung des Rohertrags. Warum ist die Erlösentwicklung für Sie von untergeordneter Bedeutung?
Das ist branchentypisch, denn als Softwareunternehmen verdienen wir in erster Linie an dem Verkauf unserer Software und nur bedingt an der Veräußerung von Hardware, die wir einkaufen müssen. Die im Umsatz enthaltenen Gewinne aus dem Hardwareverkauf sind somit praktisch ein „durchlaufender Posten“. Die eigentliche Effizienz unseres Unternehmens – also die Wertschöpfung aus der Programmierung und der effektiven Projektarbeit – spiegelt sich im so genannten Pro-Kopf-Rohertrag wider. Diese Kennzahl weist den Rohertrag pro Mitarbeiter aus, den wir von 98 T€ in 2008 auf 106 T€ in 2012 steigern konnten. Unsere Margen wachsen also solide an.

Das Rohergebnis soll im Gesamtjahr auf 33 Mio. Euro ansteigen. Was macht Sie so zuversichtlich, die Profitabilität im laufenden Jahr erneut steigern zu können?
Frank Kochanski: Unsere auch in den letzten Jahren stets zuverlässige Planung, ein hoher Bestand an gut kalkulierbaren langlaufenden Projekten sowie ein ebenfalls sehr guter Auftragsbestand stimmen mich zuversichtlich, dass wir das geplante Rohergebnis von 33 Mio. Euro (+4 %) definitiv erreichen werden und somit weiter solide wachsen. Auch in den kommenden Jahren rechne ich mit einer konstanten Effizienzsteigerung in der Softwareentwicklung und wachsenden Erträgen aus margenstarken Geschäften in neuen Märkten.

Im vergangenen Jahr hat IVU eine EBIT-Marge von 7,6 Prozent ausgewiesen. Welches Renditeziel haben Sie sich mittelfristig gesetzt?
In den kommenden 2-3 Jahren erwarte ich eine EBIT-Marge im zweistelligen Bereich.

Blickt man auf den Auftragsbestand der IVU-Gruppe, so waren zum 30. April bereits 90 Prozent des geplanten 2013er-Umsatzes in trockenen Tüchern. Erwarten Sie in den kommenden Monaten weitere Großaufträge?
Der in 2012 gewonnene Auftrag aus Vietnam zeigt ja, dass unsere Vertriebsaktivitäten Erfolg haben. Daran werden wir weiter anknüpfen und unseren Fokus auch im kommenden Jahr auf die großen Staatsbahnen weltweit sowie auf Lateinamerika und Asien-Pazifik legen. Ich bin zuversichtlich, dass diese Strategie zukünftig weitere Erfolge bringen wird.

IVU hat sich international einen sehr guten Namen gemacht und bedeutende Ausschreibungen in Europa, Asien und Amerika gewonnen. In welchen Regionen sehen Sie derzeit die größten Wachstumschancen?
In den Regionen, die durch die anhaltende Urbanisierung in den letzten Jahren nahezu aus den Nähten platzen und nicht über die notwendigen Infrastrukturen verfügen. Dazu zählen ganz klar Südamerika und der asiatisch-pazifische Raum.

IVU verfügt mit einer Liquidität von rund 5 Mio. Euro bzw. 0,28 Euro je Aktie über eine komfortable Finanzausstattung. Dies weckt auch Begehrlichkeiten bei dividendenorientierten Anlegern. Wird die IVU-Aktie bald ein Dividendenpapier?
Mittelfristig ja. Im letzten Jahr haben wir erstmalig die bilanziellen Voraussetzungen für eine Dividendenzahlung erfüllt, indem wir die Schwelle eines positiven Eigenkapitals durchbrechen konnten. Jetzt müssen wir jedoch erst noch den aktienrechtlichen Voraussetzungen nachkommen, um zukünftige Gewinne als Dividende auszahlen zu können. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, werden in den nächsten Jahren Aufsichtsrat und Hauptversammlung der IVU über die Verwendung der übrigen Gewinne entscheiden. Ich bin sicher, dass wir zukünftig einen Ausgleich zwischen den Bedürfnissen unserer Eigentümer und einem Teil des erwirtschafteten Ergebnisses, dessen Substanz im Unternehmen verbleiben sollte, finden werden.

Die Kursschwankungen am Aktienmarkt haben in den letzten Wochen deutlich zugenommen, auch die IVU-Aktie zeigte sich sehr volatil. Nach mehreren Insiderkäufen durch das IVU-Management hat sich der Kurs der IVU-Aktie zuletzt wieder stabilisiert. Warum sollten Anleger dem Beispiel der Insider folgen?
Durch den anhaltenden Urbanisierungstrend steigt der Mobilitätsbedarf weltweit stetig an. International wird zunehmend in den Ausbau der öffentlichen Infrastrukturen investiert. Die IVU bewegt sich somit ganz klar in einem langfristigen Wachstumsmarkt. Unsere Systeme haben sich international etabliert, wie jüngste Aufträge aus Vietnam und Budapest zeigen. Mit Fokus auf den asiatisch-pazifischen Raum und Südamerika werden wir den Erfolgskurs der letzten Jahre fortsetzen. Aufgrund der aussichtsreichen Marktchancen, der internationalen Reputation der Marke IVU sowie der guten Geschäftszahlen der letzten Jahre, sehe ich die IVU-Aktie momentan als stark unterbewertet an. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass sich das in nächster Zeit ändern wird. Gerade deshalb lohnt sich jetzt der Einstieg.

Werfen wir abschließend einen Blick in die mittelfristige Zukunft: Welche Schlagzeile würden Sie gerne in fünf Jahren über die IVU lesen?
Dass deutsche Entwicklungskompetenz in den Emerging Markets weiter gefragt ist und die 50. Millionenstadt auf Systeme der IVU setzt.

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das aktuelle Interview dient ausschließlich zu Informationszwecken. Die Meinungen und Aussagen der Interviewpartner spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder, sondern ausschließlich diejenige des Interviewpartners. Das Interview ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
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