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04.12.2019 16:35
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Bahn will Arriva nächstes Jahr an die Börse bringen - "Investitionsoffensive"

IPO: Bahn will Arriva nächstes Jahr an die Börse bringen - "Investitionsoffensive" | Nachricht | finanzen.net
IPO
Die Deutsche Bahn will ihre Konzerntochter Arriva im nächsten Jahr an die Börse bringen. Gleichzeitig plant die Bahn Milliarden an Investitionen im kommenden Jahrzehnt.
Trotz aller Milliarden: Kunden der Deutschen Bahn werden zunächst weiter mit Verspätungen zu kämpfen haben. "Es wird nicht in zwei, drei Jahren alles perfekt", sagte Bahnchef Richard Lutz am Mittwoch. "Das wird eine Generationenaufgabe." Gemeint sind milliardenschwere Investitionen in Schienen, Bahnhöfe und Züge im kommenden Jahrzehnt.

Rund 200 Milliarden Euro umfassen sie nach Lutz' Rechnung - Geld vom Eigentümer, dem Bund, aber auch von der Bahn selbst. Es soll die Eisenbahn in Deutschland endlich auf Vordermann bringen. Solange an hunderten Stellen im Netz gleichzeitig gebaut wird, sind jedoch weiter auch Zugverspätungen möglich.

Arriva-IPO

Lutz spricht von der größten "Investitionsoffensive" der deutschen Eisenbahngeschichte. Aber er darf den Staatskonzern nicht noch tiefer in die Verschuldung treiben. Seine Lösung: Mit Arriva will er einen großen Teil des Auslandsgeschäfts an der Börse verkaufen, Geld über Anleihen einsammeln und auf Gewinn verzichten.

"Wir werden akzeptieren, dass wir in den nächsten Jahren noch mal deutlich weniger Ergebnis zeigen", kündigte Lutz an. Dieses Jahr soll das laufende Geschäft (Ebit) noch 1,8 bis 1,9 Milliarden Euro einbringen. Nächste Woche Mittwoch aber will Lutz dem Aufsichtsrat vorschlagen, für 2020 nur noch mit 1,3 Milliarden Euro zu planen. Davon sind Zinsen und Steuern abzuziehen, und bis zu 650 Millionen Euro als Dividende für Bund. Es dürfte nicht viel übrig bleiben.

Zugleich will Lutz die Konzerntochter Arriva an die Börse bringen, möglichst mit einem Minderheitsanteil schon im Mai, dann über einen Zeitraum von drei Jahren die übrigen Aktien. Damit setzt Lutz Plan B in Kraft, nachdem Plan A als gescheitert gilt: der direkte Verkauf der Tochtergesellschaft, die Busse und Bahnen in 14 europäischen Ländern betreibt. Die Interessenten hatten weit weniger geboten als die erhofften vier Milliarden Euro.

Die Bahn will außerdem im nächsten Jahr über eine Anleihe bis zu drei Milliarden Euro einsammeln. Schon in diesem Jahr waren so zwei Milliarden Euro zusammengekommen.

Denn Bankkredite kommen nicht in Frage. Die Bahn liegt nur rund 800 Millionen Euro unter der Schuldengrenze, die die Bundestags-Haushälter bei 25,4 Milliarden Euro gezogen haben. Diesen "Abstand von der Bahnsteigkante" will Lutz in etwa beibehalten.

Bund und Bahn hatten vereinbart, bis 2030 gemeinsam rund 86 Milliarden Euro in Erhalt und Instandsetzung der Schienenwege zu stecken. Zudem sagte die Bundesregierung dem Staatskonzern im Klimapaket bis 2030 elf Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital zu. Über eine Reihe von Programmen fließen weitere Milliarden.

Lutz sieht eine Trendwende. Jahrelang habe die Politik mit der Bahn gefremdelt, jetzt werde geklotzt. Verkaufte der Konzern vor Jahren noch Zugwerkstätten, würden nun neue eröffnet und bestehende erweitert. Alle drei Wochen kommt ein neuer ICE4 auf die Gleise.

Die jährliche Fahrpreiserhöhung fällt in diesem Dezember aus. Stattdessen sollen Fahrkarten im Fernverkehr zehn Prozent billiger werden, sobald die Mehrwertsteuer wie von der Bundesregierung geplant sinkt. Das beträfe Buchungen voraussichtlich ab Januar.

"Wir möchten nicht zum dauerhaften Kostgänger des Staates werden", versicherte Lutz. Zum Ende des Jahrzehnts müsse der Konzern auf eigenen Füßen stehen. Die Langfristplanung der Bahn-Finanzen bis 2030 wird dem Aufsichtsrat im Februar abschließend vorgelegt. Am Mittwoch steht im Kontrollgremium das Budget für 2020 im Vordergrund.

Eine Rolle dürften die Probleme der Güterbahn spielen, sie bildet das Geschäft der Konzerntochter DB Cargo. Deren Ebit wird dieses Jahr voraussichtlich 290 Millionen Euro im Minus liegen, sagte Lutz. Gerechnet worden war mit einem operativen Verlust von 130 Millionen Euro. Der Cargo-Aufsichtsrat soll bei seiner Sondersitzung im Januar über Lösungen beraten.

Dann ist auch die neue Cargo-Chefin Sigrid Nikutta an Bord. Sie übernimmt die Verantwortung für den Güterverkehr von Alexander Doll, der die Bahn nach einem wochenlangen Führungsstreit verlässt. Doll war auch für die Finanzen verantwortlich. Vorübergehend kümmert sich um dieses Ressort jetzt Vorstandschef Lutz.

/bf/DP/men

BERLIN (dpa-AFX)

Bildquellen: KenDrysdale / Shutterstock.com, OtnaYdur / Shutterstock.com
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