16.06.2021 06:09

"Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht!": Siemens - die Geschichte eines Branchenführers

Konzerngeschichte: "Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht!": Siemens - die Geschichte eines Branchenführers | Nachricht | finanzen.net
Konzerngeschichte
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Die glorreiche Geschichte von Siemens begann schon vor mehr als 150 Jahren. Heute ist das Unternehmen in vielen verschiedenen Bereichen von Digitalisierung über Medizintechnik bis hin zur Energieversorgung tätig.
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• Siemens und Halske bauen im Eiltempo ein internationales Unternehmen auf - und begründen die Elektrotechnik
• Von E-Autos Anfang des letzten Jahrhunderts über eine erfolgreiche Kooperation mit der Robert Bosch GmbH bis hin zu Siemens Healthineers und erneuerbaren Energien
• Siemens heute: Nachhaltigkeit und Roland Busch als neuer CEO

Siemens und Halske erfinden den Zeigertelegraph

Die Siemens-Konzerngeschichte begann mit einer bahnbrechenden Erfindung: In Zeiten, in denen mit Telegraphen nur über Morsezeichen kommuniziert werden konnte, entwickelten Werner Siemens und Johann Georg Halske den ersten Zeigertelegraph - nun konnten auch Buchstaben kommuniziert werden, was die Telegraphennutzung für die breite Masse zugänglich machte. Aus diesem Anlass gründeten die beiden Erfinder am 1. Oktober 1847 die Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske. Schon im Folgejahr 1848 wurde das Unternehmen mit dem Bau der längsten Telegraphenlinie Europas - 500 Kilometer Strecke zwischen Frankfurt am Main und Berlin - beauftragt und in den 1850ern kamen aus dem Ausland weitere Großaufträge hinzu.

So bauten die beiden Erfinder mit ihrem Unternehmen unter anderem das russische sowie englische Telegraphennetz aus und wurden dafür ebenso wie einige ihrer Nachkommen von verschiedenen Königen, Königinnen und Kaisern für ihre Leistungen geadelt. Mit ihrer Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips im Jahr 1866 legten Siemens und Halske den Grundstein für die Elektrotechnik und entwickelten bald die erste elektrische Eisenbahn, einen Aufzug und elektrische Straßenbeleuchtung.

"Kriegswichtige" Siemensprodukte Anfang des 20. Jahrhunderts

Schnell wurde die Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske zu einem Unternehmen mit vielen Tochterfirmen, das sich in den Jahren 1908 bis 1926 sogar mit dem Bau von (Elektro-) Autos beschäftigte. Die internationalen Tochterfirmen wurden im ersten Weltkrieg zur Konkurrenz und der Konzern verbuchte Einbußen - Ende des zweiten Weltkriegs wurde durch die Alliierten schließlich eine Vielzahl an Siemens-Industrieanlagen zerstört, da diese für die Herstellung "kriegswichtiger" Produkte genutzt wurden. So entstand beispielsweise 1942 nahe des KZ Ravensbrück das "Siemenslager Ravensbrück", 1944 bestand etwas mehr als ein Fünftel der ungefähr 250.000 Siemens-Angestellten aus Zwangsarbeitern.

Erst in den Jahren 1950/51 konnte die Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske das Umsatz-Vorkriegsniveau wieder erreichen - und um sich weiterhin gegenüber der Konkurrenz beweisen zu können organisierte sich das Unternehmen 1966 um: Die drei Tochterfirmen Siemens & Halske AG, Siemens-Schuckertwerke AG und Siemens-Reiniger AG wurden in einer Dachorganisation mit dem heute bekannten Namen "Siemens AG" zusammengeschlossen.

Kooperation mit der Konkurrenz: Bis heute erfolgreich

Noch im Folgejahr 1967 gab es einen weiteren Zusammenschluss. Die Siemens AG und die konkurrierende Robert Bosch GmbH bündelten ihre Herstellung, was Produktionsprozesse und Vertrieb deutlich beschleunigte. Siemens und Bosch gründeten die BSHG, die heute als BSH Haushaltsgeräte GmbH immer noch erfolgreich ist:

Die BSH ist mit 40 Fabriken, 58.200 Mitarbeitern weltweit und einem Jahresumsatz von 13,2 Milliarden Euro (2019) eines der weltweit führenden Unternehmen der Haushaltsgeräte-Branche und der größte Haushaltsgerätehersteller Europas. Zu den BSH-Marken gehören Bosch, Siemens, Gaggenau, Neff, Thermador Balay, Coldex Constructa, We Wash und einige mehr.

Im Rahmen der Bosch-Kooperation zog sich die Siemens AG bis 2000 vollständig aus dem direkten Haushaltsgeräte-Kundengeschäft zurück und verkaufte im Jahr 2015 sogar ihren letzten Anteil an der BSH Haushaltsgeräte GmbH an die Robert Bosch GmbH.

Das Siemens-Angebot heute: Von Siemens Healthineers bis zu Siemens Financial Services

Dies markiert aber noch lange nicht das Ende der Siemens-Geschichte. Unter dem Namen Siemens werden zwar weiterhin Elektrogeräte und -zubehör für alle Haushaltsbereiche produziert und verkauft sowie die Reparaturen und Installationshilfen angeboten - gleichzeitig entwickelt sich der Konzern aber immer schneller im Feld der Digitalisierung: Nachdem Siemens im Jahr 2006 mit einer Compliance-Krise durch die Medien ging und die Führungsebene wegen Intransparenz und unklarer Verteilung der Verantwortung neu organisiert wurde, gibt es heute - unter der Leitung von Siemens-CEO Joe Kaeser - eine Reihe neuer Siemens-Angebote und Dienstleistungen.

So wurden 2008 die Siemens-Sektoren ‘Industry’, ‘Energy’ und ‘Healthcare’ gegründet. Aus diesen Sektoren entstanden mit der Zeit Siemens-Unternehmen wie Digital Industries, das mit 76.200 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 16,03 Milliarden Euro (2019) Unternehmen bei der Automatisierung und Digitalisierung ihrer internen Prozesse unterstützt. Neben Digital Industries gibt es Siemens Mobility (Digitalisierung der Infrastruktur, um die Welt auf die wachsende Bevölkerung vorzubereiten), Siemens Healthineers (Medizintechnik) und Smart Infrastructure (Vernetzung, Nieder- und Mittelspannungsverteilung, Schalt- und Regeltechnik, Brandschutz und Sicherheit) mit Standorten in ungefähr 200 Ländern weltweit.

Hinzu kommen verschiedene Service- und Corporate Development-Angebote wie Siemens Financial Services (SFS), Global Business Services (GBS), Real Estate Services (SRE) und Siemens Advanta. 2016 wurde Next47 gegründet, ein Programm der Zusammenarbeit mit innovativen Tech-Startups, welches es Siemens erlaubt, sich immer weiter in die verschiedensten Richtungen zu vergrößern. Im Vorjahr 2015 ist bereits Dresser-Rand - der führende Anbieter von Kompressoren, Motoren sowie Gas- und Dampf-Turbinen - übernommen worden.

Siemens in der Zukunft: Umweltbewusstsein und ein neuer CEO

Im Jahr 2017 dann wurde die Robotik-Forschung des Unternehmens nach China verlegt - und Siemens Gamesa Renewable Energy gegründet. Seither produziert Siemens auch Windkraftanlagen. Schon 2019 vergrößerte sich Siemens Gamesa mit einer Teil-Übernahme des Herstellers Senvion. Seit Anfang 2020 nun kümmert sich Siemens auch um fast alle anderen Bereiche der Energieversorgung: Siemens Energy wurde ins Leben gerufen.

Im nächsten Jahr stehen große Veränderungen für die Siemens-AG an: Im Februar 2021 soll Kaeser von seinem jetzigen Vize-CEO Roland Busch abgelöst werden, die Postenübergabe hat wohl bereits begonnen.

Übrigens: Umweltschutz und Nachhaltigkeit waren schon immer Teil der Siemens-Philosophie. Der Konzern zitiert auf seiner Website im Rahmen eines ausgearbeiteten Nachhaltigkeitskonzeptes Werner von Siemens aus dem Jahr 1884: "Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht!"

Olga Rogler / Redaktion finanzen.net

Bildquellen: servickuz / Shutterstock.com, Joerg Koch/Getty Images

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