Monatelang Busse statt Züge: Bahn saniert Strecke Köln-Hagen

30.01.26 05:28 Uhr

KÖLN/WUPPERTAL (dpa-AFX) - Umleitungen im Fernverkehr, Ersatzbusse für Pendler: Zwischen Köln, Wuppertal und Hagen fahren bald mehr als fünf Monate lang fast keine Züge mehr. Die Bahn unterzieht eine ihrer wichtigsten Strecken in Nordrhein-Westfalen ab dem 6. Februar (21.00 Uhr) einer Generalsanierung. Das verlangt Reisenden einiges ab. Denn die Auswirkungen reichen über die Region hinaus, auch wegen einer weiteren Großbaustelle im östlichen Ruhrgebiet.

Wer­bung

Weshalb ist die Strecke so wichtig für den Bahnverkehr in NRW?

Die rund 65 Kilometer lange Strecke von Hagen nach Köln ist eine der wichtigsten Ost-West-Achsen im Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen. Im Regionalverkehr fahren dort Züge auf rund zehn Linien und verbinden Städte wie Köln und Düsseldorf mit dem westfälischen Landesteil. Im Fernverkehr fahren dort unter anderem ICE von Köln nach Hannover und Berlin oder nach Hamburg.

Auch nicht unwichtig: Wenn es auf der anderen wichtigen Ost-West-Achse im Ruhrgebiet zu einer Störung kommt, werden Fernzüge regelmäßig über Wuppertal umgeleitet. Diese Möglichkeit fällt während der Bauphase ebenfalls weg.

Weshalb muss die Strecke saniert werden?

Die Schienen-Infrastruktur ist überaltert und war jahrelang unterfinanziert - sagt die Bahn selbst. Immer wieder gab es zwischen Köln und Hagen zuletzt Probleme mit der Infrastruktur, so dass es zu Verspätungen und Zugausfällen kam.

Wer­bung

Solche Probleme soll es nach dem Ende der Generalsanierung am 10. Juli nicht mehr geben. Ziel der fünfmonatigen Bauphase sei es, die hochbelastete Eisenbahnstrecke langfristig verlässlicher und leistungsfähiger zu machen, erläutert die Bahn.

Was genau wird an der Strecke erneuert?

Im Zuge der Generalsanierung werden ungefähr 81 Kilometer Gleis saniert, 29 Kilometer Oberleitungen erneuert und 28 Weichen modernisiert, sagte Projektleiter Arno Jaeger. Außerdem sollen 12 Bahnhöfe entlang der Strecke moderner und sicherer werden. Einige von ihnen - etwa die Stationen Haan und Gruiten - werden im Stationsbericht des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) seit Jahren in der Qualitätskategorie "nicht tolerierbar" gelistet. Insgesamt plant die Bahn mit Kosten von 800 Millionen Euro.

Kurzfristig hinzugekommen ist noch eine Baustelle in Schwerte. Dort ist eine 120 Jahre alte Brücke so marode, dass sie kurzfristig abgerissen werden muss. Das ist zwar nicht Teil der Generalsanierung, führt aber dazu, dass es auch auf der Strecke von Hagen nach Dortmund und Hamm zu wochenlangen Einschränkungen im Nah- und Fernverkehr kommt.

Wer­bung

Weshalb ist eine so lange und umfangreiche Sperrung nötig?

Dahinter steht das neue Konzept der Generalsanierung: Während die Bahn früher versucht hat, mit vielen kleinen Baustellen den Zugverkehr immer irgendwie aufrechtzuerhalten, wird jetzt einmal komplett gesperrt - dafür sollen Reisen anschließend jahrelang ohne Einschränkungen durch Baustellen mit dem Zug fahren können.

Welche Einschränkungen gibt es während der Bauphase?

Fernzüge fahren während der gesamten Generalsanierung überhaupt nicht zwischen Köln, Wuppertal und Hagen. Wegen der maroden Brücke in Schwerte ist die Strecke für den Fernverkehr bis zum 15. Mai sogar bis Dortmund dicht. ICE-Züge von Köln nach Berlin und Hamburg fahren über Düsseldorf, Duisburg und das Ruhrgebiet - dadurch dauert die Fahrt etwa 20 bis 40 Minuten länger. In Wuppertal und Solingen halten während der fünf Monate keine Fernzüge, in Hagen sollen ab 15. Mai zumindest wieder einige fahren. Auch IC-Verbindungen entfallen auf dem Abschnitt ganz.

Im Regionalverkehr sind die verschiedenen Bauphasen entscheidend. Zeitweise sind alle Gleise dicht - dann fallen alle Züge auf etwa zehn Linien in dem Abschnitt aus. Das betrifft auch Züge aus Düsseldorf wie den RE 4 (Dortmund-Aachen) oder den RE 13 (Hamm-Venlo).

Während zwei Drittel der Bauzeit sind immerhin die S-Bahngleise zwischen Düsseldorf und Hagen befahrbar - dort gilt dann ein extra Baustellen-Fahrplan.

Wie kommen Pendler in der Region trotzdem an ihr Ziel?

Mit viel Geduld und rund 200 Bussen - das sind noch einmal deutlich mehr als ursprünglich geplant. Die Ersatzbusse sollen teilweise im Zehnminuten-Takt kommen. Einige sollen wie S-Bahnen alle Bahnhöfe auf der Strecke abfahren. Es werde aber auch Expressbusse geben, die über die Autobahn fahren und nur die größten Stationen verbinden, sagte Jaeger. Klar ist trotzdem: Mit dem Bus dauert die Fahrt um ein Vielfaches länger als mit dem Zug. Von Wuppertal nach Köln etwa braucht man gut eineinhalb Stunden statt wie sonst 34 Minuten mit dem Zug.

Am besten sehen Reisende in der Online-Auskunft, wie die eigene Verbindung trotz der Bauarbeiten funktioniert. Dort seien alle Änderungen während der Bauphase bereits eingepflegt, so die Bahn. Während der Sperrung sehe man dort auch in Echtzeit, ob der Ersatzbus pünktlich oder verspätet ist - was wegen des vielen Verkehrs in der Region durchaus vorkommen könne.

Welche Großprojekte will die Bahn als Nächstes in Angriff nehmen?

In den nächsten Jahren will die Bahn bundesweit rund 40 wichtige Strecken modernisieren und für den digitalen Ausbau vorbereiten. Etwa zehn Großprojekte betreffen Strecken in Nordrhein-Westfalen. Ab Juli 2026 sind umfangreiche Arbeiten an der rechtsrheinischen Strecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden vorgesehen.

2028 sollen die Arbeiten an den Strecken Hagen-Unna-Hamm sowie linksrheinisch zwischen Köln und Remagen in Richtung Mainz beginnen. Für 2029 ist die Strecke Aachen-Köln eingeplant. Ab 2030 sind die Strecken Münster-Recklinghausen, Osnabrück-Münster, Hamm-Düsseldorf-Köln sowie Minden-Wunstorf vorgesehen./mhe/DP/zb