22.09.2020 22:10

Bill Gross mit trübem Investmentausblick: "Es gibt weltweit kaum noch Geld zu verdienen"

Nichts mehr wie es war: Bill Gross mit trübem Investmentausblick: "Es gibt weltweit kaum noch Geld zu verdienen" | Nachricht | finanzen.net
Nichts mehr wie es war
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Der mittlerweile den Ruhestand genießende Anleihen-König Bill Gross malt in seinem jüngsten Investmentausblick ein düsteres Bild. Die Corona-Pandemie hätte die Welt dahingehend verändert, dass es kaum noch Möglichkeiten gäbe, sein Geld durch Investments zu mehren. Anleger seien daher gut beraten, sich defensiv aufzustellen.
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• Corona-Pandemie hat Investmentmöglichkeiten negativ beeinträchtigt
• US-Indizes durch massive Hilfen der Fed bereits wieder mit Rekorden
• Niveau der US-Hilfen kann nicht aufrecht erhalten werden, weshalb Anleger sich auf Europa konzentrieren sollten

Der PIMCO-Mitgründer Bill Gross zählt mehr als 40 Jahre Investment-Erfahrung und hat sich insbesondere mit dem Anlegen von festverzinslichen Wertpapieren einen Namen gemacht, weshalb er auch als Anleihen-König bekannt ist. Nachdem er sich letztes Jahr zur Ruhe setzte, verwaltet er mittlerweile nur noch sein eigenes Vermögen, lässt interessierte Anleger durch seinen Investmentausblick jedoch noch immer an seinen Anlage-Empfehlungen teilhaben.

Die Corona-Pandemie hat die Welt für immer verändert

Seine jüngst veröffentlichte Einschätzung des aktuellen Investment-Umfeld fiel jedoch wenig rosig aus. Geschuldet ist der trübe Ausblick, wie zu erwarten, der noch immer grassierenden Corona-Pandemie, die alle Schichten des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens umgekrempelt hat: "Nun, die Weltwirtschaft wurde in 2020 von einem unsichtbaren Virus tätowiert […]. Und das Leben von mehr als 7,5 Milliarden Menschen wurde auf unglaubliche Art und Weise verändert. […] Die sich anbahnende Frage ist natürlich, ob die Dinge jemals so sein werden wie zuvor und wenn sie mit ,wahrscheinlich nicht‘ beantwortet wird, beginnt das Rennen auf den Finanzmärkten, die Gewinner und Verlierer zu identifizieren".

Als offensichtliche Gewinner hätten sich laut Gross die sogenannten "Stay at Home"-Aktien entpuppt, die davon profitieren, dass die Menschen sich vermehrt in ihren eigenen vier Wänden aufhalten. Auf der anderen Seite hätten zyklische und Value-orientierte Werte entweder stagniert oder auch an Wert verloren.

US-Börsen bereits wieder mit Rekorden, während europäische Indizes zurück stehen

Im Folgenden seines Berichts konzentriert sich der Börsenkenner auf die unterschiedlichen Marktentwicklungen in den USA und Europa. Während die USA zur Bekämpfung der COVID-19-Krise auf breitangelegte Finanzhilfen gesetzt habe, inklusive einer extrem expansiven Geldpolitik sowie Auszahlungen von zusätzlichen Leistungen an die US-Bürger, habe man in Europa gezielte Unterstützungen für ausgewählte Unternehmen angewendet. Dementsprechend konnten die US-Indizes S&P 500 und NASDAQ Composite bereits trotz Corona neue Höchststände erreichen, während die europäischen Leitbörsen wie der DAX, FTSE oder CAC noch nicht wieder zu alten Höhen zurückgefunden hätten, es dementsprechend auch noch mehr Aufwärtspotenzial gäbe.

Wie lange kann die Fed ihre massiven Stimuli noch aufrechterhalten?

Denn, so Gross, US-Investoren sollten sich nun fragen, "wie lange dieser US-Vorteil in den kommenden Jahren noch bestehen wird - ungeachtet der Präsidentschaftswahl". Der Anleihen-König hält das Pulver der US-Notenbank für weitgehend ,"wenn nicht sogar vollständig", verschossen. Sollten die massiven Finanzhilfen auch in den kommenden Jahren noch aufgewendet werden, wäre dafür ein Defizit von "5 bis 6 Billionen US-Dollar" notwendig. Und um dieses wiederum auf "3 bis 2 Billionen US-Dollar" zu senken, müsste eine "fiskalische Bremse" eingesetzt werden, die durch ein jährliches Wachstums von "mindestens 6 % bis 7 %" ausgeglichen werden müsste, und das über mehrere Jahre hinweg, was nach Meinung von Bill Gross unrealistisch wäre.

Auch die Realzinsen würden dadurch weiter drastisch sinken, was eine quantitative Lockerung in "unakzeptablem Ausmaß" nötig machen würde.

Stattdessen sollten sich Anleger defensiv aufstellen

Aufgrund all dieser Faktoren rät der ehemalige PIMCO-Experte Anlegern nun zu einer defensiven Strategie. So empfiehlt der Anleihen-König auf "bis dato gemiedene Sektoren zu setzen wie Tabak, Banken und selbst - ja tatsächlich, ausländische Unternehmen, die an europäischen Börsen gelistet sind und die noch nicht wieder in die Höhe geschossen sind, genährt von der Hoffnung, dass der normale wirtschaftliche Wohlstand zurückkehrt, gefolgt von noch niedrigeren künstlichen Realzinsen. Es gibt weltweit kaum noch Geld zu verdienen - ob mit COVID-19-Impfstoff oder ohne."

Martina Köhler / Redaktion finanzen.net

Bildquellen: conrado / Shutterstock.com, Peshkova / Shutterstock.com
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