14.08.2010 06:00

Ein Fall von Konjunktureuphorie

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Unter Deutschlands führenden Volkswirten wächst die Konjunkturzuversicht fast ungebremst. Das geht aus dem Ökonomen-Barometer des Nachrichtensenders n-tv und der Zeitschrift €uro am Sonntag für den August hervor.
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€uro am Sonntag
von Thomas Schmidtutz, Euro am Sonntag

Danach stieg die Einschätzung der aktuellen Lage um zehn auf rund 64 Punkte. Dies war der höchste absolute Zuwachs seit Einführung des Ökonomen-Barometers im Dezember 2006. Auch der Erwartungswert verzeichnete mit einem Plus von elf auf 68 Punkte einen Rekordanstieg.

Die Entwicklung spiegelt die überraschend schnelle Konjunktur­erholung wider. Im zweiten Quartal legte die deutsche Wirtschaft um 2,2 Prozent zu. Das war der höchste Anstieg seit 1987. Analysten hatten lediglich mit 1,3 Prozent gerechnet. Die Belebung schlägt sich inzwischen auch auf dem Arbeitsmarkt nieder. Im Juli sank die Zahl der Erwerbslosen gegenüber dem Vorjahr um 271 000 auf 3,2 Millionen.

Angesichts der Diskussion um den permanent zunehmenden Fachkräfte­mangel plädiert die Mehrheit der ­befragten Experten für einen erleich­terten Zuzug ausländischer Experten. Nach den derzeit geltenden Geset­zen erhalten Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern erst ab einem Jahresgehalt von 66 000 Euro ein unbefristetes Aufenthaltsrecht.

Demgegenüber drängen der Maschinenbauverband VDMA sowie der Technologieverband Bitkom auf eine Absenkung der Hürde auf 35 000 bis 40 000 Euro. Immerhin 71 Prozent der befragten Ökonomen hielten eine solche Anpassung für richtig, 21 Prozent für falsch.

Deutschland könne „intern nicht genügend Fachkräfte in kurzer Zeit heranbilden“, sagte etwa Professor Günter Franke (Uni Konstanz). Auch Volker Treier, Chefvolkswirt des DIHK, plädierte für die niedrigere Gehaltsgrenze. Dies könne den Betrieben helfen, „mehr qualifizierte Ausländer“ zu beschäftigen. Professor ­Robert Schwager (Uni Göttingen) sprach sich sogar für eine völlige Freigabe aus: „Solange jemand beschäftigt ist und mehr Steuern zahlt, als er/sie an Transfers erhält“, sei dies ein Gewinn für Deutschland.

Die Kommentare der Volkswirte finden Sie hier als (PDF)

Zugleich unterstützten 52 Prozent der Ökonomen die Forderung, das Arbeitskräftepotenzial im Inland besser auszuschöpfen und auch die Voraussetzungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ver­bessern, wie es der Chef der Bundes­agentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, unlängst gefordert hatte. „Hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist Deutschland noch ein Entwicklungsland“, sagte der Wirtschaftsweise Professor Christoph M. Schmidt. „Seit wir eine eigene Kinderkrippe haben, interessieren sich weit mehr Frauen für eine akademische Karriere“, berichtete Professor Walter Krämer (Uni Dortmund) aus dem Uni-Alltag.


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Auf ungewöhnlich breite Zustimmung trafen Vorschläge, den Zuzug über ein Punktesystem zu steuern, wie es die FDP favorisiert. Nach den Vorstellungen der Liberalen sollen Alter, Qualifikation oder Sprachkennt­nisse bewertet werden. Insgesamt 83 Prozent der Ökonomen halten ein solches System für geeignet, acht Prozent lehnen es ab. Es sei „höchste Zeit, die frühere Praxis der offenen Arme für alle Fußlahmen dieser Erde zu beenden“, sagte etwa Professor Krämer (Uni Dortmund).

Länder wie Kanada hätten „mit diesem System gute Erfahrungen gemacht“, erinnerte Professor Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Monopolkommission, Professor Justus Haucap (Uni Düsseldorf). Auch Professor Martin Werding (Uni Bochum) begrüßte den Vorstoß: Ein Punktesystem könne „als Basis für eine schnelle, unbürokratische Erteilung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis hilfreich sein“.

Für das Ökonomen-Barometer wurden vom 2. bis zum 11. August über 300 Volkswirte in Banken, Uni-Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsverbänden befragt.

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