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Globale Insolvenzen 2026: Stabilisierung auf dünnem Eis (FOTO)
Mainz (ots) - Die Zahl der weltweiten Unternehmensinsolvenzen bleibt 2026 hoch,
zeigt jedoch erstmals Anzeichen einer leichten Stabilisierung. Nach deutlichen
Anstiegen in den Vorjahren erwartet Coface in den großen Industrienationen einen
moderaten Anstieg um 2,8 Prozent, für Deutschland ein Plus von 1 Prozent. Wie
nachhaltig diese Stabilisierung ist, hängt jedoch stark vom Zinsumfeld ab: Schon
eine Erhöhung um 25 Basispunkte könnte die globale Insolvenzentwicklung wieder
kippen.
"Das Jahr 2026 dürfte eher eine Verschnaufpause als eine echte Trendwende
bringen", sagt Markus Kuger, Volkswirt beim internationalen Kreditversicherer
Coface. "Die Insolvenzzahlen stabilisieren sich nur, wenn die
Finanzierungskosten nicht wieder ansteigen." Zwar entlasten eine vorsichtige
geldpolitische Lockerung und leicht verbesserte Finanzierungsbedingungen viele
Volkswirtschaften. Doch die Zinsen liegen weiterhin über dem Vorkrisenniveau,
während zahlreiche Branchen mit hohen Kosten, strukturellen Herausforderungen
und wachsender Schuldenlast konfrontiert sind. Besonders betroffen sind energie-
und kapitalintensive Bereiche wie das Baugewerbe, die chemische Industrie und
große Teile des verarbeitenden Gewerbes. Selbst traditionell robuste Sektoren
wie Pharma und IT spüren zunehmenden Margendruck.
Heterogene Entwicklung in Europa, Nordamerika und Asien-Pazifik
Für Deutschland erwartet Coface einen moderaten Anstieg der Insolvenzen um 1
Prozent. Die Fallzahlen bleiben zwar über Vor-Pandemie-Niveau, doch
Steuerentlastungen, öffentliche Investitionen und sinkende Energiekosten tragen
trotz anhaltender Schwäche im Baugewerbe und in industriellen Kernbereichen zur
Stabilisierung bei. In Frankreich und dem Vereinigten Königreich bleibt das
Insolvenzgeschehen mit einem Plus von jeweils 2 Prozent auf hohem Niveau.
Spanien hingegen profitiert von einer robusteren Konjunktur und dürfte einen
Rückgang um 3 Prozent verzeichnen. In den Niederlanden dürfte die Zahl der
Firmenpleiten nach einem außergewöhnlich starken Rückgang im Jahr 2025 wieder um
4 Prozent steigen und damit auf Vor-Pandemie-Niveau zurückkehren.
In Nordamerika zeigt sich ein gespaltenes Bild: In den USA erwartet Coface einen
Anstieg um 4 Prozent, bedingt durch den starken Einfluss politischer Maßnahmen,
schwächeres Wachstum und strukturelle Verwundbarkeiten. Kanada (-5 Prozent)
hingegen dürfte nach mehreren Jahren kräftiger Anstiege seinen Erholungskurs
fortsetzen und eine deutliche Entlastung erleben. Auch im asiatisch-pazifischen
Raum erwartet Coface eine uneinheitliche Entwicklung. In Japan (+7 Prozent)
steigen die Insolvenzen aufgrund schwacher Nachfrage und eines anhaltend hohen
Zinsniveaus voraussichtlich weiter an, während Australien (+0,5 Prozent) nach
ausgeprägten Nachholeffekten in eine stabile Seitwärtsbewegung übergehen dürfte.
Nur ein Zinsschritt könnte Trendwende auslösen
Besonders in Europa bleibt der Ausblick eng an die Entwicklung der Kreditkosten
gekoppelt. "Sollten die Zinsen 2026 wider Erwarten steigen, könnte die fragile
Entspannung schnell ins Wanken geraten. Schon eine Zinserhöhung von 25
Basispunkten könnte die Zahl der globalen Insolvenzen um 4 bis 5 Prozent steigen
lassen, was der gleichen Wachstumsrate wie 2025 entsprechen würde", erklärt
Markus Kuger. Besonders gefährdet wären Branchen mit geringer
Schuldentragfähigkeit wie Bau, Chemie und Textil. "Der Verlauf des
Insolvenzgeschehens hängt 2026 also weniger vom Wachstum ab als vom Tempo der
geldpolitischen Anpassungen - und damit vom Preis der Finanzierung, der zum
entscheidenden Risikofaktor wird."
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