12.07.2022 16:43

BioNTech-Aktie leichter: BioNTech arbeitet neben der Gewinnmaschine Impfstoff an anderen interessanten Projekten

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Die COVID-19-Impfung ist für BioNTech eine Gewinnmaschine.
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An der Börse ist die anfängliche Begeisterung für die deutsche Biotech-Firma inzwischen aber deutlich abgekühlt, wenngleich Analysten noch reichlich Potenzial sehen. Zur Lage des Unternehmens, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

Das ist los bei BioNTech

Mehr als zehn Milliarden Euro Überschuss erwirtschaftete laut Geschäftsbericht 2021, nach einem Fehlbetrag von rund 180 Millionen Euro im Vor-Corona-Jahr 2019. Das hauptsächlich durch die Impfung geflossene Geld soll auch in die weitere Forschung der Firma fließen. Dabei schließt BioNTech-Chef Ugur Sahin Zukäufe nicht aus. Dass es langfristig nicht allein um das Corona-Vakzin bei BioNTech geht, steht fest. Die Krebsbekämpfung durch die mRNA-Technologie war schon immer das Ziel von Sahin und seiner Ehefrau und BioNTech-Mitgründerin Özlem Türeci - schon damals, als sie vor mehr als 20 Jahren die Hexal-Gründer und Investoren Thomas und Andreas Strüngmann für ihre Idee begeisterten.

Die Impfung war quasi die Feuertaufe für die Technologie, die nicht die einzige innovative Wirkstoffklasse ist, an der BioNTech arbeitet. 20 Forschungsprojekte in den klinischen Phasen I oder II und dazu noch zwölf präklinische Forschungsprogramme listet das Unternehmen auf seiner Internetseite auf. Und erst kürzlich erhielt das Unternehmen von der europäischen Arzneimittelbehörde Ema für eine Car-T-Zelltherapie bei Hodenkrebs einen Sonderstatus für vielversprechende Medikamente, durch den nun ein einfacherer Regulierungsprozess winkt.

In der Zukunft dürfte es bei den Mainzern aber verstärkt auch darum gehen, Erfolge mit mRNA abseits Corona zu feiern. Aktuell arbeitet das Unternehmen beispielsweise an entsprechenden Wirkstoffen bei multiplen soliden Tumoren.

Dabei ist BioNTech bei weitem nicht allein, die gesamte Branche scheint derzeit regelrecht im mRNA-Fieber und baut Kapazitäten auf. Der französische Pharmakonzern Sanofi etwa will jährlich 400 Millionen Euro in mRNA-Impfstoffe investieren und kaufte hier zuletzt weiter zu. Und auch Zulieferer wie Merck und Evonik stehen in den Startlöchern und stecken viel Geld in die Erweiterung der Produktion. Es scheint viel Musik drin im Thema, damit ist harte Konkurrenz für BioNTech vorprogrammiert.

Den zunehmenden Wettbewerb in der Biotechnologie sieht auch Sahin: "Man wird als Wissenschaftler nicht mehr lange allein an einer Entdeckung forschen, sondern muss davon ausgehen, dass diese Entdeckung auch woanders gemacht wurde", erklärte der BioNTech-Chef kürzlich.

Von der Pandemie dürfte BioNTech derweil noch eine Weile weiter gut profitieren. Trotz des Sommers steigen die Infektionen und Experten rechnen erst recht für die kältere Jahreszeit mit einer schwierigen Phase. Erst kürzlich bestellte die US-Regierung für eine geplante Booster-Kampagne bei BioNTech und ihrem US-Partner Pfizer in großem Stil.

Allerdings kämpfen die Hersteller mit der Zeit, denn noch ist keine einzige auf das Omikron-Virus angepasste Impfung von den Behörden zugelassen - diese stecken noch im Prüfungsverfahren. Dabei zeigt sich, dass das Virus inzwischen noch weitaus aggressivere Sublinien der Omikron-Variante hervorgebracht hat, die den Impfschutz besser aushebeln.

Sahin forderte deshalb, das Prozedere bei der Zulassung zu verkürzen, um ähnlich wie bei einer Grippeimpfung einen angepassten Impfstoff schnell und ohne Extrastudien auf den Markt bringen zu können. Doch die Behörden setzten auf Sicherheit: Die US-Arzneimittelbehörde FDA etwa forderte die Impfstoffhersteller auf, ihre noch auf die - beispielsweise in Deutschland nicht mehr kursierende - Sublinie BA.1 angepassten Impfstoffe auf die aktuelleren BA.4 und BA.5 auszurichten und entsprechende klinische Studien durchzuführen.

Derweil sieht sich BioNTech neuerdings auch mit einer Patentverletzungsklage des Konkurrenten CureVac konfrontiert. Ob an den Vorwürfen etwas dran ist, haben die Gerichte zu entscheiden. Da solche Klagen in der Branche allerdings eher üblich sind, dürfte es sich weniger um einen Versuch der Tübinger handeln, die Reputation Biontechs zu beschmutzen, als vielmehr in deren prall gefüllte Kasse zu langen. BioNTech hat die Anschuldigungen bereits zurückgewiesen.

Das macht die Aktie

Legt man die Charts von Biontech und anderen Impfstoffherstellern wie Moderna, Novavax oder Valneva übereinander, zeigt sich: Die Bewegungen sind nahezu identisch - egal, wie viele gute oder schlechte Nachrichten zu dem einen oder anderen Unternehmen über die Ticker liefen.

Der Hype um die Impfungen bescherte den Anbietern nahezu ausnahmslos im vergangenen Jahr Rekordstände. Doch seitdem Ende 2021 der Glaube an eine nachlassende Pandemie sich verbreitete, ging es bergab. Auch schwand das Vertrauen der Investoren, da sich die Zulassungen bei den angepassten Impfungen hinziehen. Einzig bei der an einer Impfung gescheiterten CureVac beschleunigte sich der Kursrückgang schon viel früher.

Die BioNTech-Aktie erreichte ihren Spitzenwert bei 464 Dollar im vergangenen August, seitdem hat die Aktie zwischenzeitig in der Spitze fast drei Viertel an Wert verloren. Ende Juni rutschte die Aktie auf ein Zwischentief bei rund 117 Dollar. Auch infolge der US-Bestellungen ging es zuletzt aber wieder aufwärts in Richtung 170 Dollar - das ist immerhin mehr als das Elffache des Ausgabepreises zum Börsengang im Oktober 2019, der lag damals bei 15 Dollar.

Größter Aktionär von BioNTech sind weiterhin die Brüder Strüngmann - die mit dem Börsenerfolg des Mainzer Unternehmens noch reicher gewordenen Milliardärszwillinge haben ihren Anteil inzwischen etwas reduziert, sie halten noch rund 43 Prozent. 17 Prozent gehören BioNTech-Chef Sahin selbst, mit kleineren Anteilen sitzen zudem noch zahlreiche Beteiligungsgesellschaften beim Unternehmen mit im Boot.

BioNTech bringt es auf einen Börsenwert von umgerechnet rund 40 Milliarden Dollar - noch im vergangenen Sommer war die 100-Milliarden-Grenze geknackt worden. Konkurrent Moderna ist aktuell knapp 70 Milliarden Dollar schwer.

Das sagen die Analysten

Alle zehn bei dpa-AFX erfassten Analysten sehen Aufwärtspotenzial für die BioNTech-Aktie, einige Branchenkenner haben jüngst sogar ihre zuvor gesenkten Kursziele wieder nach oben korrigiert - vor allem wegen der Order aus den USA. Dabei gibt es zwar kein Verkaufsvotum, aber die Mehrheit der Analysten hält sich mit einem neutralen Votum an der Seitenlinie. Die drei Kaufempfehlungen stechen wiederum mit vergleichsweise hohen Kurszielen heraus.

Spitzenreiter ist hier Oddo BHF, die Experten der Bank trauen dem Papier einen Anstieg bis auf 366 Dollar zu. Demgegenüber liegt das durchschnittliche Kursziel der Experten bei gut 243 Dollar, immerhin mehr als 40 Prozent über dem aktuellen Preis.

Die Analysten bewegt vor allem die Forschung des Unternehmens. Für Analystin Olga Smolentseva vom Investmenthaus Bryan Garnier rückt mittelfristig die Krebspipeline der Mainzer in den Fokus, wenn der Rückenwind durch COVID nachlasse. Und hier verfüge BioNTech über jede Menge Möglichkeiten, um die Medikamentenentwicklung zu beschleunigen, ist die Expertin überzeugt. Sie empfiehlt daher weiter einen Kauf der Aktie. Ähnlich äußerte sich Emmanuel Papadakis von der Deutschen Bank, er sieht BioNTech insbesondere im Krebsbereich "gereift".

Chris Shibutani von Goldman Sachs hebt hervor, dass BioNTech dank seiner umfangreichen Produktpipeline vor allem Wachstumsmöglichkeiten aus eigener Kraft habe. Er verweist aber auch darauf, dass die Mainzer Ausschau nach synergieträchtigen Zukaufsmöglichkeiten hielten.

Die BioNTech-Aktie notiert im NASDAQ-Handel derweil zeitweise 2,91 Prozent tiefer bei 161,63 US-Dollar.

--- Von Tanja Vedder, dpa-AFX ---

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08.09.2022BioNTech (ADRs) HoldDeutsche Bank AG
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