Ton verschärft sich

Eskalation im Grönland-Streit dürfte DAX belasten: Trump droht mit neuen Zöllen - EU-Antwort voraus?

18.01.26 21:11 Uhr

Grönland-Konflikt: Trump kündigt Strafzölle gegen Deutschland an - Wie reagiert die EU? - Wochenend-DAX sackt ab | finanzen.net

Der Streit um die arktische Insel Grönland hat eine neue, bedrohliche Stufe erreicht. Der Wochenend-DAX geriet nach der Rekordrally des Jahresauftakts unter Druck.

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Handelskrieg zur Durchsetzung von Gebietsansprüchen

US-Präsident Donald Trump hat seine Drohungen gegen Länder, die sich seinem Vorhaben einer Eingliederung Grönlands in die USA entgegenstellen, massiv konkretisiert. In einem Post auf der Plattform Truth Social vom 17. Januar 2026 warf er Dänemark und der Europäischen Union vor, über Jahrzehnte von den USA subventioniert worden zu sein, ohne angemessene Gegenleistungen zu erbringen. "Es ist an der Zeit, dass Dänemark zurückgibt - der Weltfrieden steht auf dem Spiel", schrieb der Präsident und untermauerte damit seinen Anspruch auf die Arktisinsel.

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Als direkte Konsequenz kündigte Trump an, ab dem 1. Februar 2026 einen Strafzoll von zunächst 10 Prozent auf sämtliche Waren aus Dänemark sowie weiteren europäischen Ländern zu erheben. Betroffen sind neben Dänemark ausdrücklich Deutschland, Frankreich, Norwegen, Schweden, das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Finnland. Sollte bis zum 1. Juni 2026 kein Abkommen über den "vollständigen und totalen Kauf von Grönland" erzielt werden, soll dieser Zoll auf 25 Prozent steigen.

"The Golden Dome" und militärische Präsenz

Trump begründet die Dringlichkeit der Übernahme mit nationalen Sicherheitsinteressen. Er verwies dabei auf das hochkomplexe Raketenabwehrsystem "The Golden Dome" (Der goldene Dom), das hunderte Milliarden Dollar koste und nur bei Einbeziehung grönländischen Territoriums seine maximale Effizienz erreichen könne. Laut Trump sei die Lage aufgrund von Ambitionen Russlands und Chinas brandgefährlich für das "Überleben unseres Planeten". Den europäischen Staaten warf er vor, Grönland zuletzt für "unbekannte Zwecke" bereist zu haben und damit ein unhaltbares Risiko einzugehen.

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Trotz der Drohungen halten Deutschland und weitere NATO-Partner an ihrer Mission fest. Ein Team der Bundeswehr mit 15 Soldatinnen und Soldaten erreichte bereits die grönländische Hauptstadt Nuuk, um Vorbereitungen für mögliche Militärübungen zu treffen. Die Bundesregierung prüft zudem Optionen wie Aufklärungsflüge der Marine oder die Entsendung von Fregatten. In Berlin hieß es, man wolle klären, inwiefern die NATO zur Sicherheit der Arktis beitragen könne, während US-Parlamentarier in Kopenhagen gleichzeitig versuchten, "die Temperatur zu senken" und Grönland als Verbündeten statt als Besitz zu deklarieren.

Marktreaktion: Wochenend-DAX unter Verkaufsdruck

Die neuerliche Eskalation im transatlantischen Handelsverhältnis hinterlässt deutliche Spuren an den Finanzmärkten. Nach der beeindruckenden Rekordrally zu Beginn des Jahres sorgt die Aussicht auf einen Handelskrieg mit den USA für Ernüchterung unter den Anlegern. Der vom Broker IG berechnete Wochenend-DAX sackte infolge der Trump-Aussagen zeitweise um 1,09 Prozent ab. Der Indikator notiert damit nahe der psychologisch wichtigen 25.000-Punkte-Marke. Dies könnte als Vorboten für einen unruhigen Wochenstart am deutschen Aktienmarkt gewertet werden, da insbesondere exportorientierte deutsche Unternehmen durch die angedrohten 10-Prozent-Zölle massiv belastet würden.

Diplomatische Spannungen und Ausblick

Flankiert wird die angespannte Lage von einem diplomatischen Eklat im benachbarten Island. Der von Trump nominierte US-Botschafter Billy Long hatte gewitzelt, Island könne der 52. US-Bundesstaat werden, was in Reykjavik offizielle Proteste auslöste. Während die US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt betont, dass europäische Soldaten den Entscheidungsprozess des Präsidenten nicht beeinflussen würden, sieht eine Mehrheit der Deutschen laut aktuellem ZDF-Politbarometer (78 Prozent) den Fortbestand der NATO durch Trumps Politik gefährdet. Anleger blicken nun gespannt auf die Eröffnung der regulären Handelsplätze am Dienstag, da die US-Börsen am Montag aufgrund des Martin-Luther-King-Days geschlossen bleiben.

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Europäer wollen gemeinsam kontern

Deutschland und die übrigen betroffenen europäischen Staaten wollen von US-Präsident Donald Trump angekündigte Strafzölle nicht hinnehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Kolleginnen und Kollegen kündigten am Sonntag eine geeinte und koordinierte Reaktion an.

"Zolldrohungen untergraben die transatlantischen Beziehungen und bergen das Risiko einer Eskalation", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung Deutschlands mit Dänemark, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Großbritannien. Man sei entschlossen, die eigene Souveränität zu wahren. Merz meldete sich mit ähnlichem Wortlaut auch auf der Plattform X.

Hintergrund ist der Streit um Grönland. Trump will die zu Dänemark gehörende Arktisinsel den USA einverleiben und hatte zusätzliche Zölle gegen diese acht europäischen Nato-Partner angekündigt, um seinen Plan durchzusetzen.

"Gift für das transatlantische Verhältnis"

Außenminister Johann Wadephul erwartet, dass das für die USA sehr günstige Zollabkommen mit der EU nun vorerst nicht vom Europaparlament ratifiziert wird. Auch Gegenzölle schloss Wadephul in der ARD nicht aus: Wenn die USA weitere Maßnahmen ergriffen, "dann wird es eine europäische Antwort geben müssen". Es werde intensive Gespräche mit Washington geben. Insgesamt wären Zölle "die falsche Antwort zwischen Verbündeten" und "Gift für das transatlantische Verhältnis", meinte der CDU-Politiker.

Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) sagte bei einem Termin in Rheinland-Pfalz: "Wir dürfen uns nicht erpressen lassen von dem, was da gerade passiert." Den Weg, den Trump einschlage, könne man nicht mitgehen. "Für mich ist wichtig, dass es eine gemeinsame deutliche Antwort der Europäer gibt. Sie muss klar in den USA gehört werden."

Trump kommt nach Davos

Erwogen wird ein EU-Sondergipfel, möglicherweise als Online-Schalte. Zunächst wurden für Sonntagnachmittag die ständigen Vertreter der 27 EU-Länder in Brüssel zusammengerufen. Gelegenheit zum Krisengespräch könnte auch das Weltwirtschaftsforum in Davos sein: Trump wird dort am Mittwoch erwartet, ebenso wie Merz.

Trumps europäische Nato-Partner sind strikt gegen seine Ansprüche auf Grönland. Doch Trump baut Druck auf: Die am Samstag angekündigten US-Zölle sollen so lange gelten, bis ein Abkommen über den vollständigen Kauf der Arktisinsel erzielt wird, wie Trump auf seiner Plattform Truth Social schrieb. Ab dem 1. Februar sollen demnach 10 Prozent für in die USA gesendete Waren fällig werden, ab dem 1. Juni 25 Prozent.

"Für niemanden eine Bedrohung"

In der gemeinsamen Erklärung der acht Staaten hieß es: "Als Alliierte der Nato sind wir der Stärkung der Sicherheit in der Arktis verpflichtet. Dies ist ein gemeinsames transatlantisches Interesse." Die von Dänemark koordinierte Übung "Arctic Endurance" diene der Sicherheit in der Arktis. "Die Übung stellt für niemanden eine Bedrohung dar", erklärten die acht Länder.

Und weiter: "Wir stehen in voller Solidarität an der Seite des Königreichs Dänemark und der Bevölkerung Grönlands." Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen begrüßte die Unterstützung und sagte, man suche keinen Konflikt mit den USA. Aber: "Europa lässt sich nicht erpressen."

"Würde die Beziehungen untergraben"

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratschef António Costa warnten, "Zölle würden die transatlantischen Beziehungen untergraben und eine gefährliche Abwärtsspirale riskieren". Auch sie sprachen von einer geeinten Antwort.

Die Eskalation ist für die Europäer sehr heikel, weil sie im Rahmen der Nato auf Verteidigungsunterstützung der USA angewiesen sind und Washington nicht verprellen wollen. Das gilt insbesondere für Deutschland, das keine eigenen Atomwaffen besitzt. Wadephul widersprach im "Bericht aus Berlin" jedoch solchen Sorgen. "Es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass die Vereinigten Staaten von Amerika voll und ganz zum Bündnis, zur Nato stehen und auch zur Verteidigung Europas", sagte der CDU-Politiker.

Maschinenbauer: "Nicht erpressen lassen"

Die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge forderte, auf Trump mit der Androhung von Gegenzöllen zu antworten. Die Linken-Außenpolitikerin Lea Reisner sagte: "Auch Friedrich Merz sollte doch endlich erkennen, dass die USA kein Verbündeter mehr sind."

Selbst der deutsche Maschinenbauverband VDMA, dessen Mitgliedsfirmen unter höheren Zöllen leiden könnten, forderte eine entschlossene Reaktion: "Europa darf sich nicht erpressen lassen, auch nicht von den Vereinigten Staaten", sagte VDMA-Präsident Bertram Kawlath. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer äußerte sich zurückhaltender.

Fraktionen im EU-Parlament wollen Zoll-Deal nicht mehr

Die EU und die USA hatten im vergangenen Jahr den vorherigen Konflikt über Trumps Zollpolitik vorläufig mit einem Abkommen ausgeräumt. Diesem muss das EU-Parlament aber noch zustimmen. Demnach soll der US-Zoll von 15 Prozent für die meisten europäischen Produkte gelten. Zölle auf US-Industriegüter dagegen sollen vollständig abgeschafft werden, und Barrieren für den Import von bestimmten Lebensmitteln sollen fallen.

Nach Trumps Drohung erklärte der Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, eine Zustimmung sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. "Die Null-Prozent-Zölle auf US-Produkte müssen ausgesetzt werden", erklärte der CSU-Politiker. Damit fehlt für die Ratifizierung die Mehrheit.

Widerstand auch in den USA

Auch im US-Kongress in Washington regt sich von den oppositionellen Demokraten Widerstand gegen Trumps Zollandrohung. Der demokratische Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, will die angedrohten Zölle nach eigenen Worten per Gesetz blockieren, "bevor sie der amerikanischen Wirtschaft und unseren Verbündeten in Europa weiteren Schaden zufügen", wie er erklärte. Redaktion finanzen.net / dpa-AFX

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