ROUNDUP: Wachstum 2026 schwächer - Bundesregierung senkt Prognose

28.01.26 14:38 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Ein spürbarer wirtschaftlicher Aufschwung in Deutschland lässt weiter auf sich warten. Die Bundesregierung erwartet in diesem Jahr lediglich ein geringes Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent, wie Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts sagte. Im vergangenen Herbst hatte Reiche noch mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,3 Prozent gerechnet.

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Lange Stagnation

2025 schrammte Deutschland nur knapp am dritten Rezessionsjahr vorbei, es gab ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. Deutschland hinkt damit anderen großen Industrienationen hinterher. Auch die "Wirtschaftsweisen" rechnen für 2026 mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. In der Krise stecken vor allem Industriebranchen.

Die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Tanja Gönner, sagte: "Die erwartete wirtschaftliche Erholung ist gering und bleibt brüchig." DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov fügte hinzu: "Deutschland wächst, aber viel zu langsam." Ein Mini-Plus der Wirtschaft 2026 sei ein ernüchterndes Signal und weit von dem entfernt, was der Standort leisten könnte.

Mehr Tempo bei Umsetzung von Investitionen

Ein Grund für die eingetrübten Erwartungen ist laut Regierung, dass die Erholung im zweiten Halbjahr 2025 schwächer ausfiel als erwartet. Der Start ins neue Jahr war damit schwieriger. Zudem wirken Milliarden-Ausgaben des Staates zur Modernisierung der Infrastruktur, für Klimaschutz sowie für eine Stärkung der Bundeswehr langsamer als erhofft. Bei der Umsetzung der staatlichen Investitionen sei mehr Tempo notwendig, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).

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Die schuldenfinanzierten sogenannten Sondervermögen sind wesentlicher Treiber des Wirtschaftswachstums. Laut Regierung dürften die staatlichen Investitionen rund zwei Drittelprozentpunkte zum BIP-Zuwachs 2026 beitragen. Davon soll etwa die Bauindustrie und die Rüstungsindustrie profitieren.

Damit die Mittel schnell eingesetzt werden, sollen Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Gesetzesänderungen sind aber noch nicht beschlossen. Die Grüne kritisierten, Mittel aus dem Sondervermögen würden nicht ausschließlich für zusätzliche Investitionen genutzt, sondern es würden stattdessen Löcher im Kernhaushalt gestopft.

Schwache Exportentwicklung

Der in früheren Jahren so starke deutsche Export schwächelt. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen belasten höhere US-Zölle viele Unternehmen. 2025 waren die deutschen Exporte in die USA wegen höherer US-Zölle um fast zehn Prozent eingebrochen. Dazu kommt eine stärkere internationale Konkurrenz, vor allem aus China. "Die weltwirtschaftlichen Perspektiven bleiben ungeachtet der insgesamt robusten Entwicklung des globalen Wachstums und Handels schwierig", so die Bundesregierung. Strategie der EU und der Bundesregierung sind unter anderem die neuen Handelsabkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur sowie Indien, damit sich die Wirtschaft breiter aufstellt.

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Inflation und Arbeitsmarkt

Die Verbraucherpreise dürften laut Prognose rund 2,1 Prozent und damit etwas geringer zunehmen als in den Vorjahren. Im Jahresdurchschnitt 2025 lag die Inflationsrate bei 2,2 Prozent. Auf dem Arbeitsmarkt rechnet die Bundesregierung in diesem Jahr mit einer leichten Verringerung der Arbeitslosigkeit. 2025 habe die schwache Industriekonjunktur "deutliche Spuren" hinterlassen, hieß es. Viele Konzerne bauten Stellen ab.

Strukturreformen

Oberstes Ziel der Bundesregierung sei es, die deutsche Wirtschaft wieder auf einen Wachstumskurs zu, sagte ein Regierungssprecher. Dafür müsse der Reformkurs weitergehen. Die Wettbewerbsfähigkeit solle erhöht werden. Klingbeil sagte, es gehe um höhere Produktivität, Innovationskraft, Bildung und Forschung und um die schnellere Gewinnung von Fachkräften.

Wirtschaftsverbände nennen immer wieder hausgemachte Gründe für die Schwäche der deutschen Wirtschaft: im internationalen Vergleich hohe Energiepreise, hohe Steuern und Abgaben, zu viel Bürokratie. Die Bundesregierung hat Maßnahmen auf den Weg gebracht - Wirtschaftsverbände fordern aber höhere Entlastungen.

In den Fokus gerückt sind auch zusätzliche steuerliche Entlastungen. Die Union spricht sich dafür aus, die ab 2028 geplante stufenweise Reduzierung der Körperschaftsteuer vorzuziehen - sofern es die Haushaltssituation von Bund und Ländern zulasse. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD außerdem angekündigt, zur Mitte der Legislatur die Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen zu senken. Auch das dürfte aber viele Milliarden kosten.

Arbeitszeiten

Viel Kritik hat ein Vorstoß des Wirtschaftsflügels der Union ausgelöst, den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken. Reiche sieht Deutschland bei der Arbeitsproduktivität international im Nachteil. Im Koalitionsvertrag haben Union, CSU und SPD zudem flexiblere Arbeitszeiten angekündigt. Im Arbeitszeitgesetz soll die Möglichkeit einer wöchentlichen statt der geltenden täglichen Höchstarbeitszeitgrenze geschaffen werden. Das ist bisher aber nicht in die Tat umgesetzt. Gewerkschaften lehnen die Pläne ab.

Demografische Entwicklung

Ein Kernproblem ist die demografische Entwicklung, also die zunehmende Alterung der Gesellschaft. Die "Babyboomer" gehen verstärkt in Rente, es kommen aber nicht genügend Arbeitskräfte nach. Dies schmälert das ohnehin schwache sogenannte Potenzialwachstum und könnte Fachkräfteengpässe verschärfen. Die Bundesregierung setzt neben einer Fachkräfte-Einwanderung auf eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen und mit der "Aktivrente" auf mehr Arbeit im Rentenalter./hoe/DP/jha