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27.04.2020 13:04

Covestro im Strudel von Corona-Krise und Autoflaute - Analysten für die Covestro-Aktie uneinig

Schwieriges Fahrwasser: Covestro im Strudel von Corona-Krise und Autoflaute - Analysten für die Covestro-Aktie uneinig | Nachricht | finanzen.net
Schwieriges Fahrwasser
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Handelsstreit zwischen China und den USA, Brexit, Autoflaute und nun auch die Virus-Krise: Der Kunststoff-Spezialist Covestro muss sich durch schwierige Zeiten manövrieren.
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Was bei Covestro los ist, was die Analysten sagen und wie die Aktie zuletzt lief.

DAS IST LOS BEI COVESTRO:

Die frühere Kunststoff-Sparte des Agrarchemie- und Pharmakonzerns Bayer stellt in ihren drei Geschäftsbereichen Vorprodukte für Hart- und Weichschäume (PUR, Polyurethane) und für harte Kunststoffe (PCS, Polycarbonate) sowie im Segment CAS Vorprodukte für Lacke, Klebstoffrohstoffe und Spezialanwendungen her.

Polyurethane stecken in Dämmstoffen von Häusern und Kühlschränken, in Autositzen, in Matratzen und in vielen anderen Alltagsgegenständen. Aus thermoplastischen Polyurethane werden unter anderem Skischuhe und andere Sportartikel hergestellt. Die harten und dabei leichten Polycarbonate finden Anwendung im Autobau, aber auch in der Elektroindustrie und vielen anderen Branchen.

Da die Werkstoffe wegen ihres geringen Gewichts und der Dämmeigenschaften auch in der Auto- und Bauindustrie stark gefragt sind, hatte Covestro längere Zeit vom Auto- und Bauboom profitieren können. Zudem hatten Produktionsengpässe der Konkurrenz bei gleichzeitig guter Nachfrage für steigende Preise gesorgt. Die Gewinne sprudelten denn auch 2017 und Anfang 2018 geradezu.

Wie jede Rally endete aber auch diese. Konkurrenten ließen ihre Probleme hinter sich und bauten - ebenso wie Covestro - angesichts der bis dahin guten Nachfrage die Kapazitäten aus. Gleichzeitig begann die Autoindustrie zu schwächeln, mit der Covestro immerhin rund ein Fünftel des Umsatzes erzielt. Hinzu kamen der US-chinesische Handelsstreit und das Brexit-Gerangel. Die Gewinne fielen 2018 ein wenig, 2019 dann deutlich.

Und 2020 dürfte es wegen der Corona-Krise nochmals deutlich bergab gehen. Mitte April senkte das Management um Konzernchef Markus Steilemann die Prognose für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im laufenden Jahr auf 0,7 bis 1,2 Milliarden Euro von zuvor bis zu 1,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2019 waren es noch 1,6 Milliarden Euro und 2018 hatte Covestro ein operatives Ergebnis von 3,2 Milliarden eingefahren.

Wie stark die globalen Produktionsstopps in vielen Branchen, Arbeitsplatzverluste sowie die Unsicherheit in puncto einer Erholung der Wirtschaft belasten, zeigt der Vergleich mit dem, was Steilemann als "resilientes" Ebitda bezeichnet. Damit meint er den nachhaltigen Gewinnanteil, der nicht von eher kurzfristigen, stark vom Konjunkturzyklus getriebenen Nachfrageschwankungen abhängt. Den sieht der Konzernchef eigentlich in etwa auf dem Niveau von 1,3 bis 1,6 Milliarden Euro.

Im abgelaufenen ersten Quartal erreichte Covestro vorläufigen Zahlen zufolge ein operatives Ergebnis von 254 Millionen Euro, deutlich weniger als die 442 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Details wird es am Mittwoch, den 29. April, geben.

Um sich noch besser für das aktuell schwierige Umfeld zu wappnen, tritt Covestro weiter auf die Kostenbremse. Die Einsparungen sollen 2020 nun um zusätzlich 100 Millionen auf 300 Millionen Euro steigen. Dies geschehe zusätzlich zum laufenden Restrukturierungsprogramm, hieß es weiter. Die laufenden Investitionen sollen zudem um 200 Millionen auf 700 Millionen Euro gesenkt werden.

Bereits im Januar - also vor der Corona-Krise - hatten Konzernchef Steilemann und Finanzvorstand Thomas Toepfer wegen des schwierigen Marktumfeldes eine Milliardeninvestition in ein Kunststoffwerk in den USA auf Eis gelegt. Nach dem Abschluss der aktuellen Bauphase sei eine Pause von 18 bis 24 Monaten geplant, hatte es da geheißen.

Finanziell sieht sich Covestro trotz all der Schwierigkeiten indes weiterhin gut aufgestellt. Die Bilanz sei stark, das Unternehmen verfüge über erhebliche liquide Mittel, die derzeit rund 1,2 Milliarden Euro umfassten. Hinzu komme eine bislang nicht in Anspruch genommene revolvierende Kreditlinie in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.

DAS SAGEN ANALYSTEN

Die Corona-Krise habe jegliche Hoffnung auf wieder besser laufende Geschäfte durch den Kapazitätsausbau zunichte gemacht, sagt Michael Schäfer von der Commerzbank. Er teilt zudem nicht den Optimismus einiger Marktakteure, dass der stark gefallene Preis für Öl - Ausgangsstoff für die meisten Covestro-Produkte - sich nachhaltig positiv in der Gewinnentwicklung niederschlägt. Denn: eine schwache Nachfrage bei Kunststoffherstellern dürfte auch auf die MDI- und TDI-Preise drücken. Höhere Gewinnmargen durch niedrigere Rohstoffpreise dürfte es daher wohl kaum geben.

Zudem ist Schäfer skeptisch in puncto Dividendenhöhe geworden. Immerhin erwartet er aber für 2019 und die folgenden Jahre noch 0,70 Euro je Anteilschein. Das wäre zwar weniger als ein Drittel der im Februar vom Unternehmen vorgeschlagenen 2,40 Euro, würde auf dem aktuellen Kursniveau aber noch eine Dividendenrendite von rund 2,3 Prozent bedeuten. Viele andere Unternehmen hatten zuletzt die Ausschüttungen für 2019 wegen der Corona-Unsicherheit ganz gestrichen.

Sollte Covestro indes die ursprünglich geplante, volle Dividende zahlen wollen, könnte eine Finanzierung über Schulden oder ein Verkauf von Unternehmensteilen notwendig werden, erwartet Analyst Laurence Alexander vom Investmenthaus Jefferies.

Immerhin sei Covestro beim Jahresausblick weniger stark zurück gerudert als vom Markt vermutet, betonte unlängst Analyst Heiko Feber vom Bankhaus Lampe. Da es allerdings weiterhin große Unsicherheiten über den Zeitpunkt und auch das Ausmaß einer Geschäftserholung gebe, blieb er bei seinem "Halten"-Votum mit Kursziel 29 Euro.

Etwas optimistischer ist sein Kollege Markus Mayer von der Baader Bank, der bei einem Kursziel von 33 Euro zum Kauf rät. Er betonte, dass es im ersten Quartal trotz des Gewinneinbruchs letztendlich doch etwas besser gelaufen sei als gedacht und hob zudem die geplanten, zusätzlichen Einsparungen sowie die starke Bilanz mit reichlich liquiden Mitteln hervor.

Ulle Wörner von der Landesbank Baden-Württemberg stellt bei allen aktuellen Schwierigkeiten zudem heraus, dass die mittel- und langfristigen Treiber wie Mobilität, Urbanisierung oder Klimawandel intakt seien und dem Konzern insgesamt gute Wachstumsperspektiven böten.

Insgesamt raten von den 16 seit Anfang April von dpa-AFX erfassten Experten nach dem Kursrutsch der vergangenen Monate immer noch 7 zum Kauf der Papiere. 9 sprechen eine Halten-Empfehlung aus. Zum Verkauf rät keiner. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 33,7 Euro und damit etwa zwölf Prozent über dem, was an der Börse aktuell gezahlt werden muss.

DAS MACHT DIE AKTIE

Wie gewonnen, so zerronnen. Das ist die wohl treffendste Beschreibung für Aktionäre der ersten Stunde. Nachdem Bayer die Aktien im Herbst 2015 zu 24 Euro das Stück an die Börse gebracht hatte, ging es bis Anfang 2018 im Sog stark laufender Geschäfte bis auf fast 96 Euro nach oben. Eine Vervierfachung in gerade einmal zweieinviertel Jahren.

Dann aber zeichnete sie ein wieder stärkerer Konkurrenzdruck und die Flaute in der Autobranche ab. Fast ungebremst rutschten die Papiere um mehr als 50 Prozent ab. Und dann kam auch noch die Coronavirus-Pandemie inklusive Crash am Aktienmarkt hinzu, in dessen Zuge der Kurs Mitte März bis auf 23,54 Euro einbrach. Im Vergleich zum Rekordhoch hatten die Papiere damit drei Viertel an Wert eingebüßt und waren wieder da angekommen, wo sie viereinhalb Jahr zuvor gestartet waren.

Seither erholten sich die Aktien bis auf knapp 30 Euro, womit das Minus seit Beginn des Corona-Crashs im Februar auf rund ein Viertel geschrumpft ist. Damit bewegte sich Covestro zuletzt grob ähnlich wie der deutsche Leitindex DAX 30.

Allerdings liegt der Konzern beim Börsenwert mit rund 5,5 Milliarden Euro nur noch auf dem vorletzten Dax-Platz, vor der Lufthansa (3,7 Mrd Euro), die sich laut aktueller Aussagen nicht mehr aus eigener Kraft aus der Corona-Krise retten kann. Spannend könnte es daher womöglich im September zur regulären Überprüfung der Zusammensetzung des Leitindex werden.

Im europäischen Vergleich liegt Covestro aktuell im hinteren Viertel des Stoxx Europe 600 Chemicals. Allerdings sind in dem Sektorindex auch echte Schwergewichte wie Linde, Air Liquide oder BASF vertreten.

LEVERKUSEN (dpa-AFX)

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08.07.2020Covestro buyGoldman Sachs Group Inc.
07.07.2020Covestro buyGoldman Sachs Group Inc.
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10.07.2020Covestro NeutralUBS AG
10.07.2020Covestro HaltenIndependent Research GmbH
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08.07.2020Covestro NeutralUBS AG
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05.02.2020Covestro SellJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
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