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23.03.2020 18:43

Value Investing: So funktioniert die Anlagestrategie von Warren Buffett

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Warren Buffett erzielte mit der Value Investing-Strategie in den letzten 30 Jahren ein Plus von rund 3.250 %. Wie genau diese Anlagestrategie funktioniert und wie Sie ein Unternehmen nach Value-Kriterien auswählen, erfahren Sie hier.
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In Zeiten niedriger Zinsen und unklarer Börsen­aussichten stellt sich ganz besonders die Frage nach der optimalen Anlage­strategie. Risikoarm, langfristig bewährt und zugleich hoch rentierlich sollte sie sein. Quasi als Ideal dafür gilt Börsianern schon seit Jahr­zehnten die Strategie eines Mannes: Warren Buffett. Und das nicht umsonst, denn der inzwischen 88-jährige Texaner hat es mit einem Privat­vermögen von rund 80 Mrd. US-Dollar nicht nur zum dritt­reichsten Mann der Welt gebracht, sondern auch vielen Anlegern ein Vermögen beschert. Seit er in den 1960er Jahren bei Berkshire Hathaway das Ruder übernahm und die damalige Textil­fabrik in eine Beteiligungs­gesellschaft umbaute, hat deren Kurs im Schnitt um rund 20 % pro Jahr zugelegt. Allein in den letzten 30 Jahren ist der Wert eines Anteils­scheins (ISIN US0846701086) von rund 6.000 US-Dollar auf zuletzt 335.000 US-Dollar gestiegen.

Diese Performance beruht nicht etwa auf Glück oder Zufall, sondern ist das Resultat der konsequenten Anwendung der sogenannten Value-Investing-Strategie. Dabei handelt es sich um eine systematische, an funda­mentalen Kriterien ausgerichtete Anlage­strategie, die auf den Grundsätzen herausragender Investoren beruht, zu denen man neben Buffett beispielsweise auch dessen Mentor Benjamin Graham oder den Fondsmanager Peter Lynch zählen kann. Der zentrale Gedanke des Value Investing ist dabei denkbar einfach: Nämlich die Aktie in ihrer ursprünglichsten Funktion zu begreifen, nicht als kurzzeitiges Spekulations­objekt, sondern als verbrieften Anteil an einem Unternehmen, an dessen Kapital und Wachstum man langfristig teilhaben kann.

Value Investing: So identifizieren Sie Value-Unternehmen

Die Grundsätze von Altmeister Buffett kann man dabei auf vier einfache und doch entscheidende Fragen reduzieren, die bei der Suche nach geeigneten Unternehmen zu beantworten sind:

  1. Befindet sich das Unternehmen in einer aus­ge­zeich­neten wirtschaftlichen Verfassung?
  2. Besitzt das Unternehmen eine Wettbewerbs­position, die auch in Zukunft eine positive Entwicklung ermöglicht?
  3. Wird das Unternehmen von aufrichtigen Managern geleitet, die wie Eigentümer handeln?
  4. Kann die Aktie des Unternehmens zu einem Preis gekauft werden, der deutlich unter dem inneren Wert liegt?

Je mehr dieser Kriterien erfüllt sind, desto wahrscheinlicher lassen sich über­durch­schnittliche Anlage­ergebnisse erzielen. Daneben können aber auch Sonder­situationen lukrativ sein, in denen einzelne Kriterien besonders ausgeprägt erfüllt sind, etwa bei Substanz­spekulationen oder stark unterbewerteten Turn-around-Kandidaten. Beleuchten wir die vier Value-Kriterien etwas näher:

Ausgezeichnete wirtschaftliche Verfassung

Machen Sie sich zunächst ein Bild von der wirtschaft­lichen Verfassung Ihres Kandidaten. Das Unternehmen sollte profitabel sein und seine Umsätze und Gewinne möglichst über einen längeren Zeitraum gesteigert haben. Um eine mögliche Schwäche­periode - und die wird mit Sicherheit kommen - problemlos überstehen zu können, sollte sich das Unternehmen in einer soliden finanziellen Situation befinden, also gar nicht bis wenig verschuldet sein und über ausreichend liquide Mittel verfügen.

Überlegene Wettbewerbsposition

Nach Prüfung der aktuellen wirtschaft­lichen Verfassung stellt sich die Frage, ob und wie diese Verfassung in Zukunft aufrecht­erhalten und weiter verbessert werden kann. Ein erstes Indiz für eine starke Wettbewerbs­position ist sicherlich eine bereits über viele Jahre erfolgreiche Geschäfts­entwicklung. Der Blick zurück reicht allein aber nicht aus. Es sollte auch erkennbar sein, dass das Unternehmen noch genügend Raum hat, um weiter wachsen zu können. Voraus­setzung hierfür ist zum einen, dass die Nachfrage weiter gesteigert und Produktion bzw. Absatz problemlos ausgedehnt werden können, und zum anderen, dass das Unternehmen eine so dominante Markt­stellung hat, dass die Konkurrenz nicht allzu viel gegen die Expansion tun kann.

Aufrichtiges und eigentümerorientiertes Management

Was können Sie als Eigentümer von dem Vorstand Ihrer Gesellschaft erwarten? Sie haben zum einen Anspruch darauf, dass das Unternehmen in ausführlicher und ehrlicher Weise über die aktuelle Situation des Unternehmens berichtet. Zum anderen, dass zukünftige Entscheidungen in Ihrem wohl­verstandenen Interesse gefällt werden. Ersteres klingt selbstverständlich, ist es aber leider nicht. Aus verschiedenen Gründen sind Vorstände häufig versucht, ein zu positives Bild der Geschäftslage zu zeichnen. Erkennen können Sie dies beispiels­weise an aggressiver Bilanzpolitik, zu optimis­tischen Planzahlen oder an schön­färberischen Aussagen in Ad-hoc-Mitteilungen und Geschäfts­berichten.

Zentraler Maßstab für die Eigentümer-Orientierung des Managements ist aber eine effiziente Verwendung des Aktionärs­kapitals. Das gilt insbesondere für Investitions- und Akquisitions­entscheidungen. Umsatz- oder Marktanteils­wachstum alleine reichen als Zielvorgabe nicht aus. Selbst die erzielten Gewinne und Gewinn­steigerungen immer in Relation zu dem investierten Kapital gesehen werden. Ein eigentümer­orientiertes Management wird jeden Euro Kapital, den es nicht mehr mit einer Rendite über dem Markt­durchschnitt verzinsen kann, mittels Ausschüttungen oder Aktienrückkäufen an die Eigentümer zurückgeben.

Preis unter dem inneren Wert

Die Bewertungsfrage ist mit Sicherheit die Gretchenfrage. Denn was nützt Ihnen das beste Unternehmen, wenn Sie es nicht zu einem akzeptablen Preis kaufen können? Fragt sich nur, wie der innere Wert eines Unternehmens korrekt zu ermitteln ist. Eine theoretisch fundierte Methode ist der sogenannte Discounted Free Cashflow, kurz DFCF. Hierbei werden die zukünftigen freien Cashflows eines Unternehmens geschätzt und dann mit dem Zins einer vergleich­baren Alternativ­anlage auf die Gegenwart abgezinst.

In der Praxis jedoch bringt der DFCF oft nicht die Genauigkeit, die er vorzugaukeln vermag. Investieren Sie lieber mehr Zeit in die sorgfältige Abschätzung von Umsatz- und Gewinnprognosen als in aufwändige Berechnungsmethoden. Solide Schätzwerte vorausgesetzt, reichen im Normalfall statische Kennzahlen wie KGV, KUV und Dividenden­rendite völlig aus, um ein aussagekräftiges Bild über das Bewertungsniveau eines Unternehmens zu erhalten. Eine brauchbare Faustformel ist es, das KGV ins Verhältnis zum erwarteten durch­schnittlichen Gewinnwachstum der nächsten drei Jahre zu setzen. Liegt das Gewinn­wachstum über dem KGV, so signalisiert das eine Unterbewertung – je größer der Abstand, desto besser.

Und damit wären wir last but not least bei der wohl wichtigsten Bewertungs­maxime für Value-Investoren, dem "Konzept der Sicherheitsmarge". Lassen Sie es gar nicht darauf ankommen, ob Ihre Schätzungen wirklich punktgenau eintreffen, sondern lassen Sie bei der Bewertung lieber ausreichend Spielraum für Schätz­fehler, um sich vor Kurs­abstürzen zu schützen. Denn nur wer sein Kapital erst einmal erhält, kann später damit wieder Gewinne machen. Oder wie Warren Buffett es sagt: "There are two rules to investing. Number one: don't lose money, and number two: don't forget rule number one."

Ein Index für Value Investing

Wer nun Blut geleckt hat, aber nicht die Zeit oder Ambitionen hat, die Value-Strategie selbst umzusetzen, für den gibt es seit einigen Jahren auch in Deutschland einen interessanten Börsenindex: den Value-Stars-Deutschland-Index. Der Index wurde im Dezember 2013 ins Leben gerufen und beinhaltet etwa 20 bis 30 aussichts­reiche deutsche Value-Unternehmen, vornehmlich aus dem Nebenwerte-Segment mit einem Börsenwert von 10 bis 500 Mio. Euro.

Natürlich steckt nicht Buffett selbst hinter dem Index, aber mit dem Analystenteam des Anlegerbriefs ein erfahrener Beraterstab, der sich den Grundsätzen des Altmeisters seit vielen Jahren verpflichtet fühlt. Und das mit bestechendem Erfolg, denn das nach Value-Kriterien geführte Musterdepot des Anlegerbriefs hat seit 1999 eine spektakuläre Performance von rund 1.680 % erzielt, das entspricht einer jährlichen Rendite von gut 14 %.

Diese Strategie geht offensichtlich auch im Value-Stars-Deutschland-Index auf, der seit der Auflage am 23.12.2013 eine Rendite von 51 % verbuchen kann (Stand 31.03.2020). Zum Vergleich: Der DAX hat es im selben Zeitraum auf gerade einmal 5,3 % gebracht. Auch andere Indizes wie den Dow Jones oder Euro Stoxx 50 hat die Value-Stars-Auswahl deutlich abgehängt.

Teilhaben kann man am Value-Stars-Deutschland-Index übrigens denkbar einfach, denn Lang & Schwarz hat unter der WKN LS8VSD ein gleichnamiges Zertifikat aufgelegt, das den Index 1:1 abbildet und wie jede Aktie bequem über die Hausbank geordert werden kann. Für manchen Anleger vielleicht das einzige Value-Investment, das er jemals tätigen muss.

Wichtige Hinweise: Den oben genannten Chancen des Value-Stars-Deutschland-Zertifikats stehen natur­gemäß auch Risiken gegenüber, ins­besondere das Ausfall­risiko des Emittenten und das Kurs­risiko des Zertifikats bei negativer Entwicklung der im Index enthaltenen Aktien. Zudem stellen die histo­rischen Renditen des Index keine Garantie für zukünftige Erträge dar. Eine Anlage­entscheidung sollte nur auf der Grundlage der Informationen und ins­besondere der Risiko­hinweise in den prospekt­rechtlichen Dokumenten der Emittentin Lang & Schwarz Aktien­gesellschaft (Endgültige Bedingungen, Basisprospekt nebst Nachträgen auf www.ls-tc.de) erfolgen.

Bildquellen: Daniel Zuchnik/WireImage
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