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04.01.2019 09:36

"Die Aktienmärkte bleiben auch 2019 politisch dominiert"

Vermögensverwalter-Kolumne: "Die Aktienmärkte bleiben auch 2019 politisch dominiert" | Nachricht | finanzen.net
Vermögensverwalter-Kolumne
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Und immer mischt die Politik kräftig mit: Krisen wie der drohende Handelskrieg zwischen USA, China und der Europäischen Union oder der Brexit werden auch 2019 die Börsianer in Atem halten. Dies wird weiterhin höheren Schwankungen an den Aktienmärkten führen wird, die aber auch immer wieder Einstiegsgelegenheiten bieten könnten.
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Das Jahr 2018 ist ausgesprochen turbulent zu Ende gegangen. Anleger, die aus Versehen an Heiligabend noch einmal kurz die Kurse an der Wall Street auf ihrem Smartphone gecheckt haben, dürfte es die Weihnachtsstimmung ganz schön verhagelt haben. In der verkürzten Handelssitzung rauschte der Dow Jones um 653 Punkte nach unten. So viele Zähler verlor der amerikanische Leitindex noch nie an einem letzten Handelstag vor dem Fest.

Auslöser für den Kursrutsch waren Äußerungen von US-Finanzminister Steven Mnuchin. Er hatte nach Telefonaten mit mehreren Bankchefs getwittert, diese hätten ihm versichert, über genügend Liquidität zu verfügen. Doch das hatte bis dahin eigentlich auch niemand angezweifelt.

Politics first

Am 26. Dezember, dem ersten Handelstag nach Heiligabend, schossen dann die Kurse um 1086 Punkte nach oben. Das war der größte absolute Tagesgewinn, den der Dow Jones jemals aufs Parkett hinlegte. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor gesagt, die Korrektur von Heiligabend sei eine "großartige Gelegenheit (Aktien) zu kaufen". Diese extremen Turbulenzen an Heiligabend und am ersten Handelstag danach verdeutlichen, wie groß der politische Einfluss derzeit auf die Finanzmärkte ist.

Das geht im Prinzip schon ein ganzes Jahr so. Erst sorgte die Steuerreform von Trump für gute Stimmung und steigende Aktienkurse. Dies hatte zumindest noch einen realen Hintergrund. Denn durch die Steuersenkung stiegen ja die Gewinne der US-Firmen zusätzlich an. Dann bestimmten die drohenden Handelskriege der USA erst mit Kanada und Mexiko, dann mit China und der EU zunehmend das Geschehen an den Finanzmärkten. In Europa kamen noch der Streit zwischen der EU und Italien um dessen Staatshaushalt, der gewaltsame Protest der Gelbwesten in Frankreich und vor allem der weithin ungeklärte Ablauf des Brexits hinzu.

Die gestiegene Verunsicherung der Anleger zeigt sich an den seit Anfang Oktober spürbar gestiegenen Volatilitäten. Der VDax New notierte zuletzt mit gut 24 Punkten so hoch wie seit Februar nicht mehr. Beim amerikanischen Pendant Vix sieht es ganz ähnlich aus. Ein Ende dieser Entwicklung ist zumindest in den ersten Monaten des neuen Jahres kaum zu erwarten. Doch im Unterschied 2018 besteht mittlerweile ein positives Überraschungspotenzial.

Kein Handelsstreit und kein Brexit?

Die USA und China haben sich darauf verständigt, angedrohte Strafmaßnahmen erst einmal bis Ende Februar auszusetzen, um in Ruhe zu verhandeln. Es ist durchaus zu erwarten, dass Peking zu Zugeständnissen bereit ist. Schließlich exportiert die Volksrepublik in etwa vier Mal mehr Waren in die USA als umgekehrt und würde somit deutlich mehr unter einem Handelskrieg leiden als die Vereinigten Staaten.

Aber auch Washington müsste eigentlich an einer einvernehmlichen Einigung gelegen sein. Denn erstens hinterlassen die Handelsstreitigkeiten erste negative Spuren in der Realwirtschaft. Und zweitens leidet die Wall Street darunter. Gerade Trump sieht aber die Finanzmärkte als Spiegelbild seiner "großartigen" Wirtschaftspolitik und ist klar an höheren Aktienkursen interessiert. Kommt es zu einer Einigung zwischen den USA und China auf "faire" Handelsbeziehungen, würden das die Aktienmärkte sicherlich mit einem Kursfeuerwerk feiern.

Das gilt auch - zumindest in einem eingeschränkten Maß - für einen geordneten Brexit. Das britische Unterhaus will am 21. Januar über die Vereinbarung von Premierministerin Theresa May mit der EU abstimmen. Fällt das Abkommen durch, ist ein erneutes Referendum wahrscheinlich. Und da ist ein positiver Ausgang durchaus denkbar: Möglicherweise stimmen die Briten entweder für den ausgehandelten weichen Brexit oder sogar ganz gegen den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs. Aus Sicht der Börsianer wäre das ein Grund zu jubeln.

Aktienkurse teils auf Rezessionsniveau

Die Aktienmärkte haben die politischen Risiken überwiegend, vielleicht sogar bereits ganz eingepreist. Mehr noch: Die Kurse sind so schnell und tief gefallen, dass eigentlich nur eine Rezession das mittlerweile niedrige Niveau rechtfertigen würde. Der Dow Jones hat seit seinem Hoch Anfang Oktober bereits um mehr als 13 Prozent nachgegeben. Der Technologie-Index Nasdaq hat mit minus 17 Prozent noch mehr verloren. Verschiedene Einzelwerte wie Apple, Facebook oder Netflix haben sich sogar seit ihren Hochs um 30, 35 beziehungsweise 37 Prozent verbilligt.

In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Dax verlor seit Anfang 2018 bereits 18 Prozent. Seit seinem Hoch Ende Januar ist der deutsche Leitindex sogar um 23 Prozent ins Minus gerutscht. Das erinnert schon fast an das Jahr 2008 - allerdings mit dem Unterschied, dass die Weltwirtschaft damals in eine schwere Rezession schlitterte. Heute verliert die Konjunktur zwar an Dynamik, von einer Schrumpfung der Weltwirtschaft kann jedoch bislang keine Rede sein. Viele Unternehmen werden nach dem aktuellen Stand auch 2019 ihre Gewinne weiter steigern können.

Unter dem Strich ist die Lage an den Finanzmärkten trotz der vor allem in den USA gestiegenen Zinsen deutlich besser als die Stimmung der Börsianer. Aufgrund des nach wie vor sehr negativen Sentiments sollten die Anleger jedoch nicht mit Vollgas ins neue Jahr starten, denn die Börsen neigen zum Überschießen - sowohl in die positive als auch in die negative Richtung. Aber erste Zukäufe an schwachen Tagen machen sicherlich Sinn. Und für die werden Trump & Co. auch 2019 immer wieder mal sorgen.

von Thomas Buckard, Vorstand der MPF Vermögensverwaltung in Essen

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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