08.02.2021 21:12

Chipkrise lähmt Autoindustrie: VW, Daimler & Co. müssen Produktion drosseln

Wettbewerb um Halbleiter: Chipkrise lähmt Autoindustrie: VW, Daimler & Co. müssen Produktion drosseln | Nachricht | finanzen.net
Wettbewerb um Halbleiter
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Die aktuelle Halbleiterkrise offenbart die Verwundbarkeit der deutschen Automobilindustrie. Da wichtige Chip-Zulieferer aus Asien nun vorrangig ihre Kunden aus der Smartphone-Branche bedienen, bleiben die Produktionsbänder in einigen Betrieben stehen.
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• VW-Betriebsratschef spricht von gravierenden Problemen
• Automobilverband sucht Hilfe bei der Bundesregierung
• China produziert zu wenig Silizium

Die Pandemie deckt ein Problem der deutschen Automobilindustrie auf, welches schon lange vor der Krise bestand. Die Autobauer hängen nämlich am Tropf asiatischer Zulieferer, die nun die Nachfrage nicht mehr bedienen können. Der aktuelle Lieferengpass bei wichtigen Halbleitern, die vor allem bei E-Automobilen unersetzlich sind, führt sogar soweit, dass Produzenten wie VW, Audi und Daimler nun komplette Schichten streichen müssen.

Halbleiter sind fast wichtiger als der Antrieb

"Chips sind fast wichtiger geworden als der Antrieb selbst. […] Das Auto ist so vernetzt, es funktioniert eigentlich nur noch mit entsprechender Steuerungselektronik", so die Einschätzung von Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management der Fachhochschule Bergisch-Gladbach, gegenüber dem ZDF. "Wenn für den Bau des Autos die Chips fehlen, ist das ein 'no go'. Dann können Fahrzeuge überhaupt nicht gebaut werden", so der Experte weiter.

Die Hauptaufgabe von Halbleitern ist zwar relativ simpel, dennoch unerlässlich. So besteht ihre Funktion hauptsächlich darin, in individuellen Intervallen Strom zu leiten oder auch zu isolieren. Entsprechend werden in speziellen Oberklassenmodellen heutzutage schon bis zu 5.000 Halbleiterchips verbaut, die im Grunde das gesamte Fahrzeug steuern.

Solche Halbleiter werden heutzutage jedoch nicht nur in Automobilen benötigt, sondern kommen in so gut wie jedem elektronischen Gerät zum Einsatz. Egal ob Smartphone, Laptop, Netzgerät, Energiesparlampe oder Kühlschrank - ohne die entsprechenden Halbleiter würde in der heutigen Welt nichts mehr funktionieren.

Automobilverband schlägt Alarm

Aufgrund des akuten Halbleitermangels innerhalb der deutschen Autoindustrie schlägt nun auch der Branchenverband VDA Alarm und richtet sich direkt an die Bundesregierung. "Global wird intensiv daran gearbeitet, die Versorgung mit Halbleitern - insbesondere auf der Ebene der Chiphersteller - sicherzustellen. […] Der VDA ist hierzu auch mit der Bundesregierung in Kontakt", so in einer Mitteilung des Verbands der Automobilindustrie.

Der Weckruf des Verbands kommt für viele Produzenten jedoch schon zu spät. So musste Daimler aufgrund des Chipmangels seine Fertigung in Bremen und Rastatt drosseln. Darüber hinaus wurden auch bei Audi in Neckarsulm und Ingolstadt sowie bei Volkswagen in Emden und Wolfsburg Schichten ausgesetzt.

Volkswagen hat ein "gravierendes Problem"

"Wir haben ein gravierendes Problem - aber das hat nicht nur die Autoindustrie allein", so Bernd Osterloh, VW-Betriebsratschef, in Bezug auf die Chipkrise im Manager Magazin. Aufgrund des extremen Halbleitermangels musste der Konzern im Dezember allein in China 50.000 Autos weniger produzieren. Die Chipkrise lastet dabei nicht nur auf den Autobauern, sondern natürlich auch auf den Zulieferbetrieben wie HELLA und Continental. "Von dieser Verknappung sind auch die weltweiten […] Elektronik-Lieferanten betroffen", heißt es in der Mitteilung des VDA weiter.

Nach der Einschätzung des VW-China-Chefs Stephan Wöllstein dürfte dieser Chip-Engpass auch in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres anhalten. Dementsprechend rechnet Wöllstein damit, dass sich die Lage erst im zweiten Quartal 2021 entspannen könnte.

Die zentralen Ursachen der Knappheit

"Aufgrund unterschiedlicher Einflüsse ist die weltweite Nachfrage nach bestimmten Halbleiterbauteilen derzeit höher als das Angebot", so die Einschätzung des VDA. Tatsächlich sind die Ursachen für die Chip-Knappheit jedoch etwas vielfältiger und komplexer.

So spielt auch der verschärfte Konkurrenzdruck innerhalb der Branche eine zentrale Rolle. Die Autobauer stehen mit ihrer Nachfrage nach Mikrochips nun im direkten Wettbewerb mit verschiedenen Smartphone- und PC-Herstellern, die ebenfalls auf eine fristgerechte Lieferung der begehrten Chips drängen.

Darüber hinaus haben auch die asiatischen Halbleiterproduzenten, ähnlich wie die deutschen Autobauer, ihre Produktion aufgrund der Pandemie zurückgefahren. Der rasante Wiederanstieg der Automobilproduktion in Europa dürfte in diesem Zusammenhang auch die asiatischen Zulieferer überrascht haben. So trifft die unerwartet frühe Nachfrage der Autobranche nun unmittelbar mit dem anhaltend hohen Bedarf aus dem Sektor der Medizintechnik und der Unterhaltungselektronik zusammen.

Chinesische Siliziumproduktion läuft suboptimal

Obendrein hat auch die Siliziumproduktion im wichtigsten Erzeugerland China längst nicht ihr Vorkrisenniveau erreicht. Demgemäß benötigen die asiatischen Produzenten nun "ein paar Monate, um […] die Nachfrage wieder decken zu können. Schneller geht es leider nicht - das sollten die Autohersteller verstehen und künftig stärker berücksichtigen", erklärt Wolfgang Weber, Geschäftsführer des Branchenverbands ZVEI, gegenüber dem Manager Magazin.

Unterdessen warnte die Deutsche Rohstoffagentur schon im Jahr 2019 vor den "hohen potenziellen Beschaffungsrisiken" von Silizium. Zwar gibt es in China reichlich Siliziumvorkommen, jedoch wurden im Reich der Mitte, aufgrund einer zu geringen Stromproduktion aus Wasserkraft, die auf eine längere Trockenperiode zurückzuführen war, bis zu 20 große Silizium-Schmelzanlagen außer Betrieb gesetzt.

Laut einem Bericht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe leidet die chinesische Siliziumproduktion gegenwärtig sogar unter eine regelrechten Unterauslastung. Die Bundesanstalt geht davon aus, dass von der eigentlich jährlich nutzbaren Kapazität von 5 Millionen Tonnen im Land zuletzt nur rund 2,2 Millionen Tonnen genutzt wurden.

Pierre Bonnet / Redaktion finanzen.net

Bildquellen: BeeBright / iStock, metamorworks / Shutterstock.com

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