12.03.2015 18:00

Modi macht mobil: Wie Anleger in Indien durchstarten

Zinssenkung: Modi macht mobil: Wie Anleger in Indien durchstarten | Nachricht | finanzen.net
Zinssenkung
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Die Notenbank senkt die Zinsen, Regierungschef Modi setzt mit dem neuen Haushalt seine Reformpolitik konsequent fort - die Börsen des Schwellenlandes wird das weiter antreiben.
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von M. Braun Alexander, Euro am Sonntag

Unverhofft kommt oft - so lautet in Indien seit Jahresanfang die Devise. Nachdem Raghuram Rajan, Gouverneur der Reserve Bank of ­India (RBI), schon im Januar überraschend die Zinsen gesenkt hatte, legte er vergangenen Mittwoch nach. Und wieder hatte an den indischen Leitbörsen BSE und NSE in Mumbai keiner damit gerechnet. Die Aktion der Notenbank ließ die Indizes auf neue Allzeithochs klettern.

Damit haben sich die Kurse flott wieder erholt. Im Februar hatte es an den Börsen eine Korrektur gegeben, weil die im Mai 2014 angetretene höchst reformfreudige Regierung von Narendra Modi einen schweren Rückschlag hinnehmen musste. Bei den Parlamentswahlen in der indischen Hauptstadt Delhi - vergleichbar etwa mit den Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Berlin - sorgte die Aam Aadmi Party (AAP), die "Partei des kleinen Mannes", für ein politisches Erdbeben.

Die AAP unter der Führung von Arvind Kejriwal konnte 67 der 70 Sitze erringen, während die hindu-nationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) von Modi nur drei Mandate gewann. Noch heftiger straften die Wähler den indischen Nationalkongress ab. Die von der Gandhi-­Familie dominierte Partei, nach der indischen Unabhängigkeit 1947 die maßgebliche politische Kraft im Land, errang in Delhi keinen einzigen Sitz. Der 44-jährige Rahul Gandhi, ­Vizepräsident der Kongresspartei und vor einem Jahr Modis Hauptrivale bei den Wahlen, ist seit einigen Tagen abgetaucht - zur Läuterung und Selbstfindung, wie gemutmaßt wird.

Getragen wurde der Erfolg der AAPvon einem klaren Bekenntnis zum Kampf gegen die Korruption und der Aussicht auf soziale Wohl­taten des Staates, etwa höhere ­Subventionen für Wasser und Strom. Ein unangenehmer und peinlicher Rückschlag für Modi, den viele Inder mit Häme quittieren, keine Frage. Allerdings wird der Erfolg der AAP - vorerst eine auf den Großraum Delhi begrenzte Lokalpartei - Modis Machtfülle kaum beschneiden und seinen Reformeifer nicht bremsen können. Mehr noch, die jüngsten Wahlen in Delhi haben gezeigt, dass Indiens Demokratie heute stärker ist denn je und der zentrale Aspekt der Volkssouveränität bestens funktioniert: eine unliebsame Regierung friedlich und unter Einhaltung der von allen anerkannten Spielregeln auszubremsen, ohne dass es zu inneren Unruhen kommt. Im Vergleich mit anderen großen Schwellenländern ist die Festigung demokratischer Prinzipien bemerkenswert. In Brasilien und Südafrika wurden voriges Jahr korrupte, wirtschaftspolitisch versagende Regierungen wiedergewählt, auf legitimem Wege zwar, aber mit unerfreulicher Perspektive. Russland ist eine Pseudodemokratie, China ein Einparteienstaat.

Schlanke Budgetplanung

Im Vorfeld des AAP-Siegs in Delhi waren die indischen Börsenindizes empfindlich eingebrochen - eine Korrektur, die viele schnell zum Einstieg nutzten. Vor allem Finanz­minister Arun Jaitley, ein enger Vertrauter Modis, ließ die Kurse wieder steigen, als er Ende Februar den Haushaltsplan der Regierung für 2015/16 vorstellte. Der in Indien als "Unionsbudget" bekannte Etat­entwurf deckt das indische Fiskaljahr vom 1. April bis 31. März ab.

Mit den Kernpunkten des aktuellen Regierungsprogramms setzt Modi den eingeleiteten Reformkurs fort. Obgleich der indische Staat massiv in die marode Infrastruktur des Landes investieren wird, fiel das Budget ungewöhnlich schlank aus. Die ­geplanten Ausgaben der Bundes­regierung entsprechen lediglich 12,6 Prozent der Wirtschaftsleistung - 2009/10 waren es noch 15,8 Prozent und 1990/91 gar 17,3 Prozent. Dies spiegelt in Teilen den von Modi verfolgten Rückbau des bisher extrem zentralistischen, an Delhi orientierten Verwaltungsapparats.

So hat Modi signalisiert, den Bundesstaaten deutlich mehr Mittel zur Verfügung stellen zu wollen. Das ist hilfreich, um die geplante Harmonisierung der indischen Mehrwertsteuer durchzusetzen. Bis heute ist Indien aufgrund der komplexen regionalen Steuerstrukturen de facto kein einheitlicher Wirtschaftsraum. Die Reform der Mehrwertsteuer dürfte den innerindischen Austausch von Waren und Dienstleistungen erheblich erleichtern, also die Wirtschaft ankurbeln.

Daneben kündigte Finanzminister Jaitley im Rahmen der Budget-Präsentation auch eine Absenkung der Unternehmensbesteuerung binnen vier Jahren von 30 auf 25 Prozent, die Privatisierung von Staatsunternehmen und einen Ausbau der sozialen Sicherungssysteme an. ­Gunit Chadha, Co-Chef für Asien/­Pazifik bei der Deutschen Bank, zog das Fazit: "Wenn es eine Botschaft im Budget gibt, dann die, dass die Regierung bei der Festlegung ihrer Politik in den Bereichen Wachstum, Entwicklung und Infrastruktur­investments sehr beständig ist."

Gute Rahmenbedingungen

Insgesamt sind die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in Indien zurzeit extrem positiv, sie dürften die Börsen des Landes weiter beflügeln. Modi, der jenseits von Delhi über starken Rückhalt in der Bevölkerung verfügt, hat im ersten Jahr seiner Amtszeit kompetent, pragmatisch und reformfreudig regiert. Getrieben von niedrigeren Ölpreisen fällt die Inflation - was der Notenbank Spielraum für weitere Zinssenkungen geben könnte. Das chronische Haushaltsdefizit besteht weiter, ist aber keineswegs außer Kontrolle. Die Devisenreserven der RBI lagen Ende Februar bei 334 Milliarden Dollar, höher denn je.

Im kommenden Fiskaljahr soll Indien acht bis 8,5 Prozent wachsen - nicht nur schneller als Erzrivale China, sondern dynamischer als alle anderen großen Volkswirtschaften der Welt. Auch mittelfristig dürften sich die Perspektiven nicht eintrüben. Bis 2030 soll Indiens Bevölkerung um eine Viertelmilliarde Menschen zunehmen. Ein Großteil wird deutlich wohlhabender sein als heute. Kein Wunder, dass schon jetzt viel Geld aus dem Ausland nach Indien strebt - einer der Gründe für die Stärke der Landeswährung Rupie.

Zuversichtliche Investoren

Zugegeben, es gibt auch Skeptiker. Der US-stämmige Investor Jim Rogers etwa, inzwischen in Singapur ansässig, sagte Mitte Februar, dass Modi in den ersten Monaten seiner Amtszeit nur geredet und nicht gehandelt habe. Die Mehrzahl der Analysten und Fondsmanager ist trotz der bereits erfolgten Kurssprünge an den indischen Börsen weiterhin außerordentlich zuversichtlich. Für Jim Walker, Gründer des Thinktanks Asianomics in Hongkong, ist Indien nicht nur im Vergleich mit anderen Schwellenmärkten derzeit "die beste Wette", sondern weltweit. Erste Stimmen auf Mumbais Dalal Street, der indischen Wall Street, sprechen schon davon, dass der Leitindex Sensex im Jahr 2017 bei 50.000 Zählern stehen könnte - 20.000 Punkte höher als heute.

Investor-Info

Franklin India Fund
Den Index geschlagen

Seit 2006 am Markt, hat sich der Fonds von Sukumar ­Rajah bisher gut entwickelt. Auf Sicht von ein, drei und fünf Jahren hat er den Vergleichsindex geschlagen. Für die letzten fünf Jahre liegt das jährliche Plus im Schnitt bei fast 14 Prozent, der MSCI India kommt nur auf gut neun Prozent per annum. Rajah hat mit seinem Ansatz, manche Sektoren wie der-zeit Banken und Industriewerte überzugewichten, somit auch besser abgeschnitten als ETFs auf den MSCI India. Dafür fallen 1,9 Prozent Gebühren im Jahr an. Zudem schwankt der Fonds wie viele Schwellenländeranlagen kräftig. Größte ­Titel sind aktuell die Banken ICICI, HDFC und Axis.

Amundi MSCI India ETF
Günstiges Investment

Wer die Kosten aktiver Indien-Fonds scheut, kann auf den ETF von Amundi setzen. Der Indexfonds bildet den MSCI India ab und setzt dabei Derivate ein. Der ETF kann für die vergangenen fünf Jahre im Schnitt ein Plus von gut acht Prozent jährlich vorweisen. Wie der Franklin-Fonds schwankt auch der Amundi-ETF relativ stark, Anleger mussten das 2013 in der Schwellenländerkrise erleben. Anders als im Fonds von Templeton haben im Index die Technologieaktien das höchste Gewicht, auch Energietitel haben einen größeren Anteil, Finanzwerte sind geringer gewichtet. Die größten Positionen stellen die IT-Dienstleister Infosys und Tata Consultancy, der Immobilienfinanzierer Housing Development ­sowie der Energiekonzern Reliance Industries.
Bildquellen: OlegD / Shutterstock.com, Rechitan Sorin / Shutterstock.com

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