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04.03.2010 07:42
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Jagd auf Exoten mit zweistelliger Rendite

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Anleihen aus der zweiten Reihe der Schwellenländer bieten teilweise noch zweistellige Renditen. Das Risiko: „Bad Guys“ wie Hugo Chávez.
€uro am Sonntag
von Oliver Ristau, Euro am Sonntag

Für so manches Investment brauchen Anleger einen langen Atem – etwa wenn sie sich Anfang der 50er-Jahre mit Staatsanleihen der Republik Kuba eingedeckt haben. Aus versprochenen 30 Jahren Zinszahlungen wurden nämlich nur sechs, weil ein gewisser Fidel Castro mit seinen Kampfgenossen 1959 die Macht auf der karibischen Zuckerrohrinsel übernahm und die Überweisungen an die internationalen Schuldner einstellte. Bis heute wurden sie nicht mehr bedient, doch die Zocker hat der alte Mann auf Kuba – anders als viele der damaligen Zeichner – nicht überleben können. Im ­Gegenteil: Sie spekulieren auf das Ableben des Weggefährten der Revolutionärikone Che Guevara und auf einen damit verbundenen Regimewechsel.

Das Kalkül: Wandelt sich Kuba mittelfristig von einem sozialistischen zu einem wirtschaftsliberalen Staat – was ja nicht abwegig ist –, dürfte dieser die Schuldenzahlungen früher oder später wieder aufnehmen, um seine Kreditwürdigkeit am internationalen Finanzmarkt zurückzuerlangen. „Wer neue Anleihen auflegen will, muss seine alten erst einmal begleichen“, sagt Heinz Mewes von der Unternehmensberatung LatamConsult.

Ähnliches gilt für das kommunistische Regime von Kim Jong Il in Nordkorea. Insbesondere südkoreanische Eigner alter Schuldverschreibungen aus dem Norden hoffen auf Tauwetter zugunsten ihrer Depots. Noch werden etwa alte Kuba-Bonds von spezialisierten Investmentgesellschaften nur mit rund zehn Prozent ihres Nominalwerts gehandelt. Mittelfristig aber könnte den Eigentümern eine satte Wertsteigerung winken. Die Spekulation da­rauf könnte aber auch schiefgehen.

Dass die Wetten hochriskant sind, zeigt beispielsweise Argentinien. So setzten Anleger bei der letzten Schuldenkrise des Gaucho-Staats 2005 darauf, ihre Bonds zu behalten, anstatt einem Kompromiss zuzustimmen, demzufolge die Gläubiger auf 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten sollten. „76 Prozent der Anleger hatten das Umtauschangebot akzeptiert“, sagt Mewes, früherer Chefvolkswirt der Deutsch-Südamerikanischen Bank. Die übrigen Gläubiger, die einschließlich der bis ­damals aufgelaufenen Zinsschulden ein argentinisches Anleihekapital von rund 25 Milliarden Dollar in den Händen hielten, hofften dagegen auf einen Umschwung im Land des Tangos, der ihnen bessere Konditionen bescheren würde.

Zwar könnte es im laufenden Jahr tatsächlich so weit sein, nachdem Präsidentin Cristina Kirchner ihre Vertraute Mercedes Marcó del Pont zur Chefin der Zentralbank ernannt hat, die anders als ihr Vorgänger „die Verwendung von Devisen­reserven zur Schuldenbedienung unterstützt“, so Mewes. Hintergrund ist, dass die Regierung damit die Ausgabe neuer Bonds mit rund 15 Milliarden Dollar vorbereiten will. Doch da ein Gesetz der Regierung verbiete, den Gläubigern der ausstehenden Anleihen mehr zu bezahlen als denen im Umschuldungskompromiss vor fünf Jahren, könnten die Investoren inklusive der aufgelaufenen Zinsen kaum mit mehr als 35 bis 40 Prozent des Nominalwerts rechnen. „Die meisten Anleger hätten ihr Geld in der Zwischenzeit wohl besser anlegen können.“ Eine Ausnahme gilt für Investoren, die die Bonds in den letzten beiden Jahren eingekauft haben, als sie teilweise bei nur noch fünf Prozent gehandelt wurden. Derzeit liegen sie wieder bei 30 bis 35 Prozent. Lohnt das also noch?

„Zu teuer“, findet Raphael Kassin, einst erfolgreicher Schwellenländerfondsmanager bei ABN Amro. Der gebürtige Brasilianer betreut nach seinem Mitte 2009 beendeten Intermezzo bei Credit Suisse seit Januar einen neuen, bisher rund 40 Millionen Dollar schweren Emerging Markets Debt Opportunities Fund für die Schweizer Investmentgesellschaft Reyl Asset Management. „Die Risiken sind in Argentinien mittlerweile wesentlich höher als in Venezuela“, sagt er. Anleihen aus dem Land von Linkspopulist Hugo Chávez hinken der Entwicklung der meisten Staatsbonds von Schwellenländern in den letzten zwölf Monaten deutlich hinterher. Das führt Kassin auf die politischen Vorbehalte gegenüber Chávez zurück. Vor den anstehenden Parlamentswahlen im Herbst 2010 könnte, so die Befürchtung vieler Beobachter, der Staatschef die Ausgaben für Sozialprogramme deutlich erhöhen, um das Wahlvolk bei Laune zu halten. Zur Gegenfinanzierung könnte der international als Bad Guy geltende Staatschef versucht sein, die Schuldenzahlungen an die Gläubiger Venezuelas einfach auszusetzen.

„Die Leute haben Panik, und ich frage mich, machen die Abschläge bei den Bonds Sinn?“, sagt Kassin. „Venezuela ist finanziell in einer guten Verfassung und hat nur eine geringe Anleiheverschuldung. Bisher hat Caracas seine Zinsen immer pünktlich bezahlt.“ Die aktuellen Renditen auf Venezuela-Bonds seien „extrem attraktiv“, insbesondere „am kurzen Ende“. So bietet etwa eine Dollar­anleihe mit einem Zins­kupon von 10,75 Prozent und einer Laufzeit bis 2013 eine Rendite von derzeit 13,1 Prozent. Selbst ein im August 2010 auslaufender und in US-Dollar denominierter Bond mit einer Verzinsung von 5,375 Prozent bringt noch 10,1 Prozent Rendite.

Bei den beiden venezolanischen Eurobonds mit Laufzeiten bis 2011 und 2015 fallen die Renditen mit 6,5 und 11,7 Prozent etwas geringer aus. Das liegt laut Kassin daran, dass sich US-Investmenthäuser aufgrund der politischen Spannungen sehr zurückhaltend geben. Außerdem werden die Bonds vom Orinoco von Standard & Poor’s nur mit BB– eingestuft und kommen damit für viele Häuser, die mindestens ein BBB verlangen, wie es etwa Brasilien besitzt, als Investment für ihre Fonds nicht mehr in Betracht.

„Brasilianische Bonds bringen aber nur eine halb so hohe Rendite“, so Kassin. Ohnehin schätzt er den möglichen Return aus Anleihen der BRIC-Länder als wenig interessant ein. „Der Begriff der BRIC-Staaten ist ein ideales Marketinginstrument zum Absatz von Wertpapieren ohne substanziellen Sinn“, kritisiert er. Anleger sollten bei der Suche nach aussichtsreichen Kandidaten nicht nach Modeerscheinungen, sondern nur nach den Fundamentaldaten und der Frage gehen, ob „die Staaten in der Lage sind, ihre Verpflichtungen auch zurückzuzahlen“.

In diesem Sinn attraktiv sei zum Beispiel die Ukraine, politisch derzeit zwar von Machtspielen gelähmt, wirtschaftlich aber ein schlafender Riese. „Langfristig könnte die bevölkerungsreiche Ukraine zu den größten Schwellenländern aufschließen“, schätzt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank. Doch noch ist das Vertrauen der Finanzmärkte gering. Mit einem Rating von CCC+ rangiert die Ukraine weit, weit hinten in der Bonitätsrangliste – sogar noch hinter Ländern wie Kolumbien und dem Libanon. Das spiegeln die Renditen der Anleihen des osteuropäischen Staats wider, die sich allesamt bei mehr als zehn Prozent bewegen. So bietet etwa ein Ukraine-Bond mit einem Kupon von 6,385 Prozent und einer Laufzeit bis Mitte 2012 noch eine Rendite von 11,5 Prozent.

Anleihen des durch die Finanzkrise extrem gebeutelten Island locken mit einer ähnlich stattlichen Rendite von 9,1 Prozent bei einer Laufzeit von nur noch anderthalb Jahren. Für die nach „Exotik“ suchenden Anleger zählt außerdem Jamaika zu den derzeit attraktivsten Emittenten. Der Karibikstaat bietet zum Beispiel mit einem Eurobond mit Laufzeit bis Mitte 2012 und einem Kupon von 11,0 Prozent eine Rendite von sehr guten 10,5 Prozent. Da können andere Schwellen- und Entwicklungsländer bei Weitem nicht mehr mithalten – sogar die Nachbarinsel Kuba nicht.

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Investor-Info

Renditen Weniger zu holen

Der Renditevorsprung von Bonds aus Schwellenländern ist im Vergleich zu Anleihen etablierter Emittenten der ­Industriestaaten deutlich geschrumpft. Das spiegelt den wirtschaftlichen Aufholprozess von Ländern wie China, Indien und Brasilien wider und deren deutlich verbesserte Ratings. Mit dem Rückgang des Risikos für Investoren nehmen auch die Renditespreads ab.

Exoten-Anleihen I Zweistellige Chancen

Wer auf Bonds von Staaten setzt, deren kurz- bis mittelfristige Entwicklung schwer abzusehen oder deren jüngste Vergangenheit sehr negativ war, kann wegen des „Politikrisikos“ zweistellige Renditen einstreichen. Das Ausfallrisiko der Venezuela-Bonds dürfte trotz aller Chávez-Sorgen relativ gering sein. Wegen der besseren Handelbarkeit sollten Anleger Eurobonds wählen. Auch Island und die Ukraine dürften allein wegen ihrer ­Kontakte zur EU zahlungsfähig bleiben. Eher etwas für sehr risikofreudige Anleger sind Anleihen aus Jamaika.

Venezuela 2011: XS 013 222 908 8
Venezuela 2015: XS 021 485 187 4
Venezuela 2013: US 922 646 BJ2 9
Ukraine 2012: XS 030 539 494 1
Jamaika 2012: DE 000 A0D AKG 8

Exoten-Anleihen II Neue Kandidaten

Mit dem von Wirtschaftsexperten erwarteten Aufhol­prozess vieler Entwicklungs- und Schwellenländer ­werden mittelfristig immer mehr Kandidaten interessant für ein Bondinvestment. Bereits heute bieten Länder der zweiten Reihe wie Costa Rica, Panama und Peru attraktive kurz laufende Bonds mit einer Rendite von vier bis fünf Prozent. Afrika dürfte mittelfristig Ghana, ­Nigeria und Angola ins Bondrennen schicken. Nachteil bisher: Bonds etwa aus Angola werden überwiegend in der Nationalwährung emittiert.

Fondstipp I Julius Bär Local Emerging Bond

Der Fonds der Schweizer Gesellschaft Julius Bär, der zu 83 Prozent in Dollarbonds von Schwellenländern investiert, hat seit Januar 2009 gut 31 Prozent zugelegt und damit mehr als der Durchschnitt vergleichbarer Produkte. Der Schwerpunkt liegt mit 13 Prozent der Investments auf Mexiko, gefolgt von Brasilien, ­Polen, Südafrika, Indo­nesien und der Türkei. Ein solides Investment.

Fondstipp II Templeton Emerging Mkt. Bond

Templeton-Fondsmanager Michael Hasenstab hat seinen Schwellenländerfonds breit aufgestellt und ist weltweit investiert. Im Blickpunkt stehen Venezuela und Südkorea, die jeweils gut zehn Prozent des Volumens ausmachen. Auch Ghana und Ägypten sind vertreten. Gute Wertentwicklung von 54 Prozent seit Januar 2009.

Fondstipp III ZZ2

Mit einem Plus von mehr als 200 Prozent in den letzten fünf Jahren ist kein Rentenfonds, der in Schwellenländer investiert, erfolgreicher als der ZZ2 der österreichischen Kapitalanlagegesellschaft CPB. Auch im laufenden Jahr ist er mit einem Gewinn von 13 Prozent bisher die Nummer 1. Die Wiener setzen neben Staats- auch auf Unternehmensanleihen mit hohen Renditen aus modernen Branchen, die aber auch ein hohes Risiko beinhalten.

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