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19.04.2016 18:00
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Schweden bald ohne Bargeld?

Der gläserne Bürger: Schweden bald ohne Bargeld? | Nachricht | finanzen.net
Der gläserne Bürger
Die Deutschen lieben ihr Bargeld, wogegen Schweden schon auf dem besten Weg ist, es komplett abzuschaffen.
In Deutschland spielen Bargeldzahlungen eine größere Rolle als in vielen anderen Staaten. Laut einer Bundesbank-Studie von 2014 zahlen deutsche Verbraucher rund 80 Prozent aller Einkäufe in bar - das macht laut Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele mehr als die Hälfte des gesamten Volumens aus. Ganz anders stellt sich die Situation in Schweden dar: Das Land, das 1661 als erstes in Europa Geldscheine eingeführt hat, setzt nun immer stärker auf den digitalen Zahlungsverkehr.

Bargeld-Tod in Schweden

Die Entwicklung in Schweden führt den Deutschen vor Augen, wie ein Leben ohne Bargeld aussehen könnte. Im täglichen Leben spielt das Bargeld dort eine immer unbedeutendere Rolle. So kann man etwa in der Hauptstadt Stockholm in der U-Bahn, in Bussen, ja selbst in vielen Kneipen nicht mehr mit Bargeld bezahlen. Auch Einzelhändler und Firmen dürfen die Annahme von Bargeld verweigern. Wie weit der Rückzug in Schweden geht, zeigt sogar ein Blick auf die Kirchenkollekten des Landes: Hunderte von Kirchen aller Konfessionen haben den Klingelbeutel abgeschafft und ihn durch einen sogenannten Kollektomat, der Spendenabgaben mit der Kreditkarte ermöglicht, ersetzt.
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Kaum zu glauben, aber wahr: Selbst viele schwedische Banken nehmen kein Bargeld mehr an. Laut dem schwedischen Bankenverband sind von den rund 1.800 Filialen bereits knapp die Hälfte bargeldlos - mit steigender Tendenz.

Da ist es kein Wunder, dass sich der Bargeldbestand in den letzten Jahren nahezu halbiert hat: Das Bargeldvolumen sank von 112 Milliarden Schwedischen Kronen (SEK) zum Jahresende 2008 auf 66 Milliarden SEK im Frühjahr 2016. Bemerkenswert dabei: In den letzten Monaten hat sich diese Entwicklung noch beschleunigt.

Welche Vorteile hat die Abkehr vom Bargeld?

Die offensichtlichsten Vorteile des digitalen Zahlungsverkehrs sind ganz klar der Diebstahlschutz und die bessere Verfügbarkeit des Geldes. Lästige Besuche beim Geldautomaten bleiben einem erspart. Aber die Entwicklung in Schweden deckt noch etwas auf: Die Menschen sind eher bereit, Geld auszugeben, wenn sie es bequem bargeldlos überweisen können. Beispielsweise sind die gespendeten Einzelbeträge bei den Kirchen-Kollektomaten in der Regel fünfmal so hoch wie im Klingelbeutel.

Selbst die wohnungslosen Straßenverkäufer des Kulturmagazins "Situation Stockholm" wurden vor kurzer Zeit mit Lesegeräten für Kreditkarten ausgestattet. Wie Pia Stolt, die Chefin des Magazins, gegenüber dem "Handelsblatt" erklärte, litt das Geschäft zuvor darunter, dass viele Leute kein Bargeld bei sich haben. Dank der neuen Kartenleser sollen die Umsätze jetzt wieder kräftig anziehen.

Warum verschwindet das Bargeld in Schweden?

Die Voraussetzungen für die Abkehr vom Bargeld sind in Schweden in besonderem Maße gegeben: Zum einen müssen die Bürger aufgrund der geographischen Größe des Königreichs oft bedeutende Entfernungen zurücklegen, um zum nächsten Geldautomaten zu gelangen. Als weiterer Faktor kommt die besondere Technik-Affinität der Schweden ins Spiel. Der Stockholmer Professor Lars Trägårdh nennt es eine "Liebesbeziehung zum Fortschritt". Hinzu kommt auch ein starkes Vertrauen in den Staat und in das Finanzsystem. Die Angst zum gläsernen Bürger zu werden, kennen die Schweden nicht. Für sie ist es völlig normal, dass personenbezogene Daten nicht getrennt bei Finanz-, Sozial- oder Gesundheitsbehörden, sondern unter einer einheitlichen Identifikationsnummer abgespeichert werden.

Die Kreditkaten-Lobby leistet ebenfalls ihren Beitrag zur Abschaffung des Bargelds. Von ihr werden immer wieder Studien in Auftrag gegeben, die belegen, dass Bargeld als Träger von Krankheitskeimen fungiert und damit als gesundheitsgefährdend einzustufen ist. In dieses Bild passt auch, dass man den Eintritt zum Abba-Museum in Stockholm nicht bar bezahlen kann. Das Museum der schwedischen Kultband wird von MasterCard gesponsert.

Kritische Stimmen aus Deutschland

Die Bundesbürger würden eine Abschaffung des Bargelds in Deutschland bzw. seine Begrenzung hingegen kritisch sehen. Laut einer Umfrage des Bankenverbands würden es rund 60 Prozent der Deutschen ablehnen, wenn größere Beträge - "etwa ab 1000 Euro" - nur noch mit Karte bezahlt werden könnten. Noch geringer ist die Zustimmung zu einer vollständigen Abschaffung des Bargelds - dies würden nur acht Prozent der Befragten befürworten.

Auch der deutsche Einzelhandel und der Mittelstand lehnen den Vorstoß von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Bezahlungen mit Münzen und Scheinen auf 5.000 Euro zu begrenzen, vehement ab. Sie halten die genannten Gründe - die Bekämpfung des Terrorismus und der Geldwäsche - nur für vorgeschoben. Tatsächliches Ziel sei es stattdessen, die Hoheit über Geldvermögen und Geldverkehr zu erlangen.

Viele Volkswirte befürchten, dass Geschäftsbanken die Negativzinsen, welche sie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) entrichten müssen an ihre Kunden weitergeben. Aber auf Geld, das sich nicht auf einem Konto sondern im Geldbeutel oder unter der Matratze befindet, lässt sich dieser Strafzins nicht durchsetzen. Wird nun der bargeldlose Zahlungsverkehr abgeschafft, so wird das Bargeld quasi nutzlos und niemand kann sich mehr den Minuszinsen entziehen.

"Ohne Bargeld ist die finanzielle Privatsphäre des Bürgers verloren", warnt deshalb Thorsten Polleit, Präsidenten des liberalen Ludwig von Mises Instituts.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: chaoss / Shutterstock.com, Antony McAulay / Shutterstock.com

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