Nach Krypto-Debakel

Krypto-Börsen 2023: Strengere Regulierung und mehr Transparenz könnten helfen, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen

05.02.23 16:57 Uhr

Krypto-Börsen 2023: Strengere Regulierung und mehr Transparenz könnten helfen, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen | finanzen.net

Nach dem Krypto-Debakel im vergangenen Jahr ist klar, dass sich am Kryptomarkt etwas tun muss, um Verbraucher besser zu schützen. Eine strengere Regulierung dürfte 2023 verstärkt in den Fokus von politischen Entscheidungsträgern rücken, aber auch mehr Transparenz könnte den Krypto-Börsen helfen, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.

Werte in diesem Artikel

• 2022 ein Jahr zum Vergessen für Krypto-Anleger
• Regulierung dürfte 2023 noch stärker in den Fokus rücken
• Mehr Transparenz könnte helfen, Vertrauen zurückzugewinnen

2022 war ein herausforderndes Jahr für den Kryptomarkt. Der Zusammenbruch der digitalen Token Terra/LUNA, der Krypto-Lender Celsius und Voyager Digital und der Untergang des milliardenschweren Krypto-Hedgefonds Three Arrows Capital sendeten Schockwellen aus und rissen weitere Unternehmen aus der Branche mit sich. Ende 2022 folgte mit der Pleite des einstigen Stars der Szene, der Krypto-Börse FTX, dann die nächste Hiobsbotschaft.

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Das Debakel am Kryptomarkt dürfte gezeigt haben, welche Gefahren zentralisierte Krypto-Unternehmen für Verbraucher bergen und so ist es kaum verwunderlich, dass von vielen Seiten die Rufe nach einer stärkeren Regulierung laut wurden. Andrew Keys, Risikokapitalgeber und geschäftsführender Gesellschafter von DARMA Capital, erwartet daher, dass der Verbraucherschutz für die politischen Entscheidungsträger in diesem Jahr an erster Stelle stehen dürfte. Neben stärkerer Regulierung ist auch Transparenz ein Thema, das die Krypto-Community beschäftigt und mit dem die Unternehmen aus der Branche das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen wollen.

Rufe nach stärkerer Regulierung werden lauter

Nach dem Untergang der Krypto-Börse FTX sah EZB-Diektor Fabio Panetta seine Zweifel bestätigt. In einer Rede vor der London Business School sagte er laut Dow Jones: "Es stellt sich heraus, dass Krypto-Assets kein Geld sind", stattdessen seien viele "nur eine neue Art von Glücksspiel." Er forderte eine globale Regulierung, um die Verbraucher vor den Risiken von Krypto-Assets zu schützen und erklärte, dass es Mindestanforderungen an das Risikomanagement und eine Corporate Governance für Krypto-Unternehmen brauche. Außerdem müssten die Ansteckungsrisiken von Stablecoins verringert werden. Auch Jon Cunliffe, Vizechef der Bank of England, erklärte, der Fall FTX mache klar, dass Aufseher schnell für eine schärfere Kontrolle sorgen müssten.

Gary Gensler, Chef der US-Börsenaufsicht SEC, übte laut Reuters nach dem Debakel am Kryptomarkt Kritik an Krypto-Lendern, die er als "Krypto-Casinos" bezeichnete, und deren Geschäftsmodell. Dieses bestehe derzeit darin, der Öffentlichkeit eine Zinsrendite in Krypto anzubieten und dann möglicherweise gegen die Kunden zu handeln, wie er in einem Interview mit Yahoo Finance sagte. Unternehmer in diesem Bereich würden laut Gensler versuchen, das Gesetz zu umgehen. Daher warnte er, dass die Luft für windige Akteure in den USA dünner und die Aufsicht aktiver werde.

Daneben hat sich auch US-Senatorin und Krypto-Skeptikerin Elizabeth Warren erneut kritisch geäußert. In einem Beitrag für das Wall Street Journal nannte sie die Insolvenz der Krypto-Börse einen "Weckruf", der zeige, dass das Gesetz durchgesetzt werden und der Kongress die Lücken in der Regulierungsstruktur schließen müsse. Im Dezember stellte sie den "Digital Asset Anti-Money Laundering Act" vor. Der Gesetzentwurf würde nahezu allen Teilnehmern an Blockchain-Netzwerken - einschließlich Software-Entwicklern, Minern und Wallet-Erstellern - weitreichende Anforderungen in Sachen Überwachung und Registrierung auferlegen.

Mögliche Vorschriften für Kryptobörsen

Auch unter den zentralisierten Kryptobörsen gibt es Befürworter einer stärkeren Regulierung - einer von ihnen ist Coinbase. In der Publikation "Regulating Crypto: How we move forward as an industry from here", die im Dezember erschien, skizziert Coinbase-CEO Brian Armstrong einen "realistischen Entwurf, um sicherzustellen, dass wir regulatorische Klarheit für zentralisierte Akteure und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Börsen haben und gleichzeitig die dezentralisierten Krypto-Innovationen bewahren, die der Welt enorme Vorteile bringen werden."

Seiner Meinung nach sei es am besten "zuerst regulatorische Klarheit in Bezug auf zentralisierte Krypto-Akteure (Emittenten von Stablecoins, Börsen und Verwahrer) zu schaffen", da es hier bisher die größten Schäden für Verbraucher gegeben habe. Laut Armstrong könne "eine Reihe von Regeln für zentralisierte Börsen und Verwahrer dazu beitragen, schlechte Aktivitäten zu verhindern und gleichzeitig Innovationen zu bewahren." Dabei könnten viele Ideen von traditionellen Finanzunternehmen übernommen werden. Einige mögliche Vorschriften für zentralisierte Börsen und Depotbanken seien laut Armstrong die Implementierung von robusten "Know-Your-Customer"- und Anti-Geldwäsche-Richtlinien und -Verfahren, die Einrichtung eines föderalen Lizenzierungs- und Registrierungssystems, die Forderung von strengen Verbraucherschutzvorschriften, das Schaffen von wirksamen Mindeststandards für den Schutz von Kundenvermögen und das Verbot von Marktmanipulation, Wash Trading & Co.
Nach der Schaffung von regulatorischer Klarheit in Bezug auf zentralisierte Krypto-Akteure müssten auch gleiche Wettbewerbsbedingungen durchgesetzt werden.

Armstrong ist allerdings der Meinung, dass die Rolle der Finanzaufsichtsbehörden auf zentralisierte Krypto-Akteure beschränkt werden sollte, wo zusätzliche Transparenz und Offenlegung erforderlich sei, und empfiehlt: "Lassen Sie Innovationen in dezentralisierter Kryptographie geschehen".

Vertrauen durch mehr Transparenz zurückgewinnen

Neben einer strengeren Regulierung könnte auch mehr Transparenz den Kryptobörsen helfen, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Nach dem Zusammenbruch von FTX haben einige Börsen den Merkle-Tree und die Adressen ihrer Reserve-Proofs veröffentlicht.

Proof-of-Reserves war nach der FTX-Pleite das Thema am Kryptomarkt. Es handelt sich um eine unabhängige Prüfung, die von einem Dritten durchgeführt wird, und feststellen soll, ob ein Krypto-Unternehmen tatsächlich über genügend Mittel verfügt, um die digitalen Vermögenswerte, die es im Auftrag seiner Kunden verwahrt, abzusichern. Laut der Kryptobörse Kraken erstellt der Prüfer "eine anonymisierte Momentaufnahme aller gehaltenen Guthaben und aggregiert sie in einem Merkle-Baum". Von dort erhalte der Prüfer eine Merkle-Wurzel - eine Art "kryptografischen Fingerabdruck, der die Kombination dieser Salden zum Zeitpunkt der Erstellung des Snapshots eindeutig identifiziert". Die Merkle-Baumstruktur biete laut Binance "eine leicht zugängliche Aufzeichnung der Transaktionen in einem Block". Damit lasse sich sehr leicht überprüfen, ob die Daten in einem Block verändert oder manipuliert worden seien.

Wie CoinEX in einer Pressemitteilung, die von Cointelegraph veröffentlicht wurde, berichtet, haben kurz nach dem Zusammenbruch von FTX unter anderem führende Handelsplattformen wie Binance, OKX, Crypto.com, Huobi und CoinEx selbst ihre Proof-of-Reserves offengelegt. Gemäß der veröffentlichten Daten hätten es diese Börsen geschafft, das Nutzervermögen zu 100 Prozent zu decken. Einige Börsen besäßen sogar Reservefonds, die das Nutzervermögen weit übersteigen. So lägen zum Beispiel die USDC-Reservesätze von Binance und CoinEx beide bei über 400 Prozent.
Obwohl einige Marktteilnehmer argumentieren, dass die Reserven kein eindeutiger Beweis für die Sicherheit einer Plattform seien, seien Proof-of-Reserves laut CoinEx im Vergleich zu einer strengen Regulierung bei den Nutzern offenbar beliebter.

Nach der Pleite der Kryptobörse FTX und den dubiosen Transaktionen und Verflechtungen, die im Zuge des Insolvenzverfahrens ans Licht kamen, dürfte letztlich jedoch wohl beides, sowohl eine strengere Regulierung durch die Behörden als auch mehr Transparenz von Seiten der Kryptobörsen nötig sein, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen und 2023 zu einem erfolgreicheren Krypto-Jahr zu machen, als es das vergangene war.

Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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