Valide Gründe

ETF-Ausstieg: Wann man einen ETF verkaufen sollte - und wann nicht

16.03.26 22:00 Uhr

Die unterschätzte Kunst des ETF-Ausstiegs: Aus welchen Gründen und wann ETF-Anteile verkaufen? Und wann nicht? | finanzen.net

ETFs werden meist zum langfristigen Vermögensaufbau genutzt. Ein Ausstieg sollte daher gut überlegt sein. Doch es gibt einige Gründe, aus denen ein Verkauf von Anteilen sinnvoll sein kann.

Werte in diesem Artikel

• ETFs dienen meist dem langfristigen Vermögensaufbau oder dem Erreichen von Sparzielen
• Dennoch gibt es mehrere valide Gründe, die für den Verkauf von ETF-Anteilen sprechen
• Aber: Emotionale Verkäufe sollten vermieden werden

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Exchange Traded Funds, kurz ETFs, haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einem zentralen Baustein in vielen Anlegerdepots entwickelt. Sie versprechen breite Diversifikation, niedrige Kosten und eine transparente Abbildung ganzer Märkte oder Sektoren. Viele Anleger verfolgen dabei eine langfristige Strategie und investieren via Sparplänen regelmäßig in die ausgewählten Indexfonds. Früher oder später stellt sich jedoch auch die Frage: Wann und aus welchen Gründen sollte man ETF-Anteile eigentlich verkaufen? Entscheidend bei der Antwort auf diese Frage ist dabei der Kontext. Denn während in einigen Situationen ein Verkauf strategisch sinnvoll ist, können emotionale Kurzschlussreaktionen in anderen Situationen Anleger viel Geld kosten.

Verkauf für Rebalancing: Wenn das Portfolio aus dem Gleichgewicht gerät

Einer der klassischen Gründe, aus denen ein Verkauf von ETF-Anteilen sinnvoll ist, ist die Durchführung eines Rebalancings im Depot. Dabei wird die Gewichtung verschiedener Anlageklassen in einem Portfolio im Rahmen der Risikosteuerung wieder auf den ursprünglich angedachten Anteil zurückgebracht, da sich dieser aufgrund unterschiedlicher Kursentwicklungen verschoben hatte.

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Wurde etwa anfangs eine Aufteilung des Investments in 70 Prozent Aktien-ETFs und 30 Prozent Anleihen-ETFs vorgenommen, können sich die Prozentsätze im Laufe der Zeit durch unterschiedliche Performances der Anlageklassen deutlich verschieben - mit möglicherweise unerwünschten Auswirkungen auf das im Depot abgebildete Chance-Risiko-Verhältnis. So könnte beispielsweise bei lange steigenden Aktienmärkten ein ETF auf den MSCI World Index einen viel größeren Anteil am Portfolio einnehmen als ursprünglich geplant. In einem solchen Fall ist es sinnvoll, einen Teil der Aktien-ETFs zu verkaufen und das freigewordene Kapital in die anderen gehaltenen Anlageklassen zu investieren. Ziel ist dabei nicht ein kurzfristiger Gewinn, sondern eine Rückkehr zum gewünschten Risiko-Rendite-Profil, denn ein regelmäßiges Rebalancing hilft dabei, die Risikostruktur eines Portfolios stabil zu halten.

ETF-Verkauf bei Strategieänderung

Auch eine Änderung der persönlichen Anlagestrategie kann einen ETF-Verkauf rechtfertigen. So kann es vorkommen, dass sehr spezialisierte oder thematische ETFs nach einer Zeit des Booms stark an Attraktivität verlieren, da der erwartete Erfolg der Branche oder des Themas doch ausbleibt. Wenn ein Trend tatsächlich abflacht, die bei der Investition an ihn gestellten Erwartungen nicht erfüllt und keine nachhaltige Besserung in Sicht ist, dürfte es für Anleger sinnvoll sein, sich von Nischen-ETFs zu trennen und das Kapital stattdessen in andere Indexfonds, etwa mit einer breiteren Streuung, zu investieren.

ETF-Verkauf zur Steueroptimierung

In manchen Fällen kann auch die steuerliche Situation einen Verkauf von ETF-Anteilen nahelegen. Anleger realisieren dabei bewusst Gewinne oder Verluste, um ihre Steuerlast zu optimieren.

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Haben Anleger etwa vor dem Jahresende noch Teile ihres Steuerfreibetrags zur Verfügung, können sie gut gelaufene ETFs im entsprechenden Umfang verkaufen und direkt darauf zum ungefähr gleichen Kurs wieder zurückkaufen. Die durch den Verkauf realisierten Kursgewinne bleiben steuerfrei, solange sie im Rahmen des noch verfügbaren Freibetrags liegen. Zusätzlich ergibt sich durch den direkten erneuten Kauf der Anteile ein höherer Einstiegspreis, wodurch die Gewinnberechnung wieder von neuem beginnt und so letztlich zu einer geringeren Steuerbelastung führt.

Auch die Realisierung von Verlusten aus einer ETF-Anlage kann sich steuerlich vorteilhaft auswirken. Denn werden Verluste aus ETFs realisiert, können sie mit Kapitalgewinnen aus anderen Fonds- oder ETF-Anlagen verrechnet werden - jedoch nicht mit Gewinnen aus Einzelaktien -, um die Steuerlast zu senken. Diese Strategie wird auch als "Tax-Loss Harvesting" bezeichnet.

Liquidität und erreichte Ziele: Wenn das investierte Geld gebraucht wird

Der wohl offensichtlichste Grund für einen ETF-Verkauf ist aber schlicht der Bedarf an Liquidität. Investitionen sind kein Selbstzweck. Sie dienen dazu, später reale Ausgaben zu finanzieren - etwa den Kauf einer Immobilie, die Ausbildung der Kinder oder den Ruhestand. Manchmal steht bei der Investition auch ein etwas kurzfristigeres Ziel - etwa ein Urlaub oder ein neues Auto - mit einer dafür benötigten, konkreten Summe im Fokus. Generell gilt hier: Ist das Ziel der Investition erreicht, werden die ETF-Anteile verkauft und das Geld für den vorgesehenen Zweck verwendet. Dabei sollte jedoch mit Blick auf Steuern, Gebühren und Lebensumstände geprüft werden, ob ein schrittweiser oder vollständiger Verkauf der Anteile sinnvoller ist.

Häufig werden ETF-Anteile in der Entnahmephase eines Vermögens, etwa nach dem Eintritt in den Ruhestand, im Rahmen einer systematischen Entnahmestrategie schrittweise verkauft, um regelmäßige Einkünfte zu generieren. Viele Depotanbieter bieten dafür Entnahmepläne an, die wie ein umgekehrter Sparplan funktionieren und angespartes Vermögen in regelmäßige Auszahlungen umwandeln. Solche strukturierten Verkäufe sorgen nicht nur für den regelmäßigen Zufluss von Kapital, sondern reduzieren auch das Risiko, in ungünstigen Marktphasen zu große Summen auf einmal zu liquidieren.

Die häufigsten Fehler beim ETF-Verkauf: Angst, kurzfristige Schwankungen und Market Timing

Während strategische Verkäufe von ETF-Anteilen aus den oben genannten Gründen durchaus sinnvoll sind, gilt das Gegenteil für emotional motivierte Entscheidungen. Besonders im Rahmen von Marktkrisen zeigt sich immer wieder deutlich, dass Panikverkäufe auch bei ETFs keine gute Idee sind. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen mehrfach, dass auf einen Crash am Aktienmarkt auch wieder eine Erholung folgte, die teils neue Rekorde mit sich brachte, so etwa im Rahmen der Corona-Krise. Wer hier ETF-Anteile aus Angst vor weiteren Verlusten verkaufte, machte nicht nur ein Minusgeschäft sondern verpasste höchstwahrscheinlich auch die anschließende Rally - und erlitt dadurch langfristig erhebliche Renditeeinbußen.

Ein weiterer Grund für unnötige Verkäufe sind normale Marktschwankungen. Selbst breit gestreute Aktienindizes können innerhalb eines Jahres kräftige Kursbewegungen nach oben oder unten verzeichnen. Kurzfristige Volatilität gehört allerdings bei allen Börseninvestments dazu. Historische Daten zeigen dabei, dass langfristig orientierte Anleger solche Phasen meist aussitzen konnten. Wer ETFs kauft, sollte solche Schwankungen also einkalkulieren - vor allem wenn der Anlagehorizont mehrere Jahrzehnte beträgt.

Besonders problematisch ist auch der Versuch, den Markt bei ETF-Verkäufen zu "timen". Dabei versuchen Anleger, ihre ETF-Anteile am vermeintlichen Hoch zu verkaufen und später zu niedrigeren Kursen wieder einzusteigen. Studien zeigen allerdings, dass dies nur wenigen Investoren gelingt. Die meisten verpassen entweder den optimalen Ausstiegszeitpunkt oder kehren zu spät in den Markt zurück. Dies gilt übrigens auch im umgekehrten Sinn für ETF-Käufe.

Fazit: ETF-Verkäufe immer als Teil einer Strategie - nicht als Reaktion

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Verkauf von ETF-Anteilen weder grundsätzlich falsch noch automatisch richtig ist. Entscheidend ist stattdessen, ob er Teil einer langfristigen Strategie ist. Rebalancing, Änderungen der Anlagestrategie, Liquiditätsbedarf oder steuerliche Optimierung können legitime Gründe für einen ETF-Verkauf sein.

Gefährlich wird es hingegen, wenn Entscheidungen aus Angst, kurzfristigen Marktschwankungen oder dem Versuch entstehen, den perfekten Zeitpunkt zu treffen. In solchen Fällen untergräbt der Verkauf oft genau den langfristigen Vorteil, den ETFs eigentlich bieten sollen: ruhiges, kostengünstiges Investieren über viele Jahre hinweg.

Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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