Trendwechsel

ETF-Ströme im Umbruch: Warum Anleger Milliarden aus den USA abziehen

08.03.26 16:35 Uhr

ETF-Markt 2026: Abkehr von US-Dominanz, Europa gewinnt | finanzen.net

Europäische Anleger schichten ihre Portfolios um und lösen sich von der starken US-Fokussierung. Neue Daten zeigen eine der größten geografischen Verschiebungen im ETF-Markt seit Jahren.

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• Europäische Anleger steckten nach der US-Wahl 2024 über 60 Milliarden Euro in US-Large-Cap-ETFs
• 2025 schrumpften die Zuflüsse in US-Large-Cap-ETFs auf nur noch 6,2 Milliarden Euro
• Europäische Large-Cap-ETFs drehten von minus 12 auf plus 41,2 Milliarden Euro

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Die Trendwende in Zahlen

Nach der US-Präsidentschaftswahl im November 2024 steckten europäische Anleger laut einer Morningstar-Analyse, die DAS INVESTMENT ausgewertet hat, über 60 Milliarden Euro in amerikanische Large-Cap-ETFs. Im Gesamtjahr 2025 waren es dann nur noch 6,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig drehten europäische Large-Cap-ETFs von minus 12 Milliarden Euro Abflüssen auf plus 41,2 Milliarden Euro Zuflüsse.

Die Bewegung vollzog sich schrittweise. Im ersten Quartal 2025 flossen laut DAS INVESTMENT 14 Milliarden Euro in europäische Aktien-ETFs. Im zweiten Quartal waren es schon 18 Milliarden Euro. Das dritte und vierte Quartal brachten jeweils über 13 Milliarden Euro. Was als vorsichtige Umschichtung begann, wurde zur nachhaltigen Trendwende.

Dabei kehren Anleger den USA nicht komplett den Rücken. Wer 2025 noch in amerikanische Aktien investierte, tat dies zunehmend über global diversifizierte Fonds. Allein im vierten Quartal sammelten Global-Large-Cap-Blend-ETFs 16,6 Milliarden Euro ein. Diese Fonds enthalten weiterhin 60 bis 70 Prozent US-Aktien, verteilen das Risiko aber deutlich breiter. Es geht nicht darum, amerikanische Unternehmen zu meiden. Es geht darum, nicht mehr alles auf eine Karte zu setzen.

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Der europäische ETF-Markt insgesamt wuchs 2025 laut dem Morningstar-Report "Europe OE and ETF Flows Q4 2025" auf ein Gesamtvermögen von 2,72 Billionen Euro, bei Rekordzuflüssen von 337,5 Milliarden Euro. iShares führte die Anbieter-Rangliste mit 122 Milliarden Euro Zuflüssen an, gefolgt von Amundi mit 46,8 Milliarden Euro und Xtrackers mit 27,3 Milliarden Euro.

Währungssicherung und kurze Laufzeiten im Fokus

Besonders deutlich zeigt sich der Stimmungswandel am Anleihemarkt. USD-hedged Bond-ETFs, also Produkte, die das Währungsrisiko absichern, erlebten 2025 einen regelrechten Boom. Allein im vierten Quartal flossen 12,7 Milliarden Euro in solche Strategien. Die Logik dahinter: Anleger wollen die attraktiven US-Zinsen nutzen, ohne gleichzeitig das Wechselkursrisiko eines schwankenden Dollars tragen zu müssen.

Parallel dazu stieg die Nachfrage nach kurzlaufenden Anleihen-Strategien. Mit 105,5 Milliarden Euro an Zuflüssen lagen diese deutlich über den 65,6 Milliarden Euro des Vorjahres. Kürzere Laufzeiten bieten weniger Zinsänderungsrisiko und mehr Flexibilität, ein Profil, das in einem Umfeld politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten für viele Marktteilnehmer an Bedeutung gewonnen hat. Wer bereit ist, für Währungsabsicherung und kurze Laufzeiten höhere Gebühren zu zahlen, sendet eine klare Botschaft: Kontrolle über Risiken ist wichtiger als die letzten Basispunkte Rendite.

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Wie Morningstar-Analyst Jose Garcia Zarate in einem Beitrag von Funds Europe vom 28. Januar 2026 erläutert, zeige der europäische Fondsmarkt 2025 eine interessante Dualität: Passive Aktienfonds seien das bevorzugte Instrument gewesen, um rasch US-Exposure abzubauen, während die Rekordzuflüsse von 310 Milliarden Euro in aktive Anleihestrategien eine klare Präferenz für aktives Management in unsicheren Zeiten signalisierten.

Die Rotation geht 2026 weiter, Schwellenländer als neue Diversifikation

Dass es sich bei der Umschichtung nicht um ein kurzfristiges Phänomen handelt, belegen die jüngsten Zahlen für den Jahresstart 2026. Wie aus einer Mitteilung von Fidelity International vom 3. Februar 2026 hervorgeht, startete der europäische ETF-Markt mit Rekordzuflüssen ins neue Jahr. Aktien-ETFs lagen 88 Prozent über ihrem Zwölf-Monatsdurchschnitt, Anleihe-ETFs 78 Prozent darüber. Europa-Aktien-ETFs verbuchten im Januar 2026 mit knapp 10 Milliarden US-Dollar den zweitstärksten Monat seit Beginn der Datenaufzeichnung. Stefan Kuhn, Head of ETF & Index Distribution Europe bei Fidelity International, wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert, die Rotation von den USA in andere Weltregionen sei "mitnichten beendet".

Bemerkenswert ist auch die Entwicklung bei Schwellenländern. Emerging-Market-Anleihen zogen 2025 laut dem Morningstar-Report insgesamt 24,3 Milliarden Euro an, nach Abflüssen in den beiden Vorjahren. Schwellenländer-Aktien-ETFs sammelten allein im vierten Quartal 2025 rund 12,5 Milliarden Euro ein. Im Januar 2026 flossen laut Fidelity sogar mehr Mittel in Schwellenländer-Aktien-ETFs (6,4 Milliarden US-Dollar) als in US-Produkte. Damit zeichnet sich eine strukturelle Verschiebung in der Kapitalallokation ab. US-Aktien bleiben zwar dominant, doch Europa und Emerging Markets gewinnen wieder Marktanteile in den Portfolios europäischer Anleger. Die Entwicklung der ETF-Zuflüsse seit 2025 spricht für eine breiter angelegte regionale Diversifizierung.

D. Maier / Redaktion finanzen.net

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