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30.01.2014 17:00
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Garantiefonds: Wieso die Produkte kaum Ertrag bringen

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Von steigenden Aktienkursen können Anleger mit diesen Produkten derzeit selten profitieren. Schuld sind die niedrigen Zinsen - ein Konstruktionsfehler.
€uro am Sonntag
von Alexander Sturm, Euro am Sonntag

Geldanlage ohne Risiko - und die Chance auf Rendite gibt es obendrauf. Was wie ein ferner, beinahe unwirklicher Anlegertraum klingt, entspricht genau dem Konzept von Garantiefonds, jedenfalls aus Marketingsicht der Anbieter. Bei vielen Anlegern stoßen solche Produkte, die eine Rückzahlung des eingesetzten Kapitals garantieren, auf offene Ohren: Rund 24 Milliarden Euro stecken nach Angaben des Fondsverbands BVI hierzulande in der Anlageklasse. Kein Wunder: Deutsche Anleger gelten als ausgesprochen risikoscheu - sie schätzen das Börseninvestment mit Vollkaskoversicherung.

Auf sie zielen auch zwei neue Garantiefonds, die der Fondsanbieter der Volks- und Raiffeisenbanken, Union Investment, gerade an den Start gebracht hat. Sie sind typisch für an Privatinvestoren vertriebene Produkte dieser Art. Anleger, die den UniGarant Nordamerika 2021 zeichnen, erhalten zum Laufzeitende 100 Prozent ihres Kapitals zurück (siehe Investor-Info). Und sie sollen die Chance haben, bei steigenden Kursen amerikanischer Aktien zusätzlich eine Rendite einzufahren. Wer sich mit 95 Prozent garantiertem Kapital zufrieden gibt, kann seine Ertragschancen erhöhen.

Und auf die verweist man bei Union Investment gern: Unter den Industrienationen habe sich die USA am besten von der Finanzkrise erholt. "Es gibt deutliche Zeichen einer wieder erstarkten Konjunktur", sagt Fondsmanager Tobias Windmeier und führt Argumente für US-Aktien auf: Die gesunkene Arbeitslosigkeit, eine Erholung am Immobilienmarkt, niedrige Energiekosten durch Fracking. Winken also tatsächlich risikolose Gewinne?

Sicherheit kostet Rendite
Die Fakten zu Garantiefonds fallen ernüchternd aus. Sie zeigen, dass Anleger für die Kapitalgarantie einen hohen Preis zahlen: Viele der Fonds schneiden in Sachen Rendite äußerst schwach ab. Nach Daten des Fondsanalysehauses Feri brachten die rund 250 in Deutschland zugelassenen Garantiefonds 2013 im Schnitt nur eine Rendite von 0,8 Prozent. Von den weltweit stark steigenden Aktienkursen profitierten die Anleger also fast gar nicht - trotz aller Werbeversprechen, die eine "Partizipation" an den Ertragschancen der Börsen verheißen. Manche Fonds fuhren gar Verluste ein. Wenig besser sieht es auf längere Sicht aus: Nach drei Jahren stand Feri zufolge unterm Strich durchschnittlich ein Plus von gut 2,5 Prozent per annum; nach zehn Jahren waren es rund 3,5 Prozent - vor Inflation und Ausgabeaufschlag.

Der Grund für das magere Plus liegt in der Konstruktion von Garantiefonds. Sie sind eine Mischung aus Zins- und Aktienanlage. Um für das eingesetzte Kapital bürgen zu können, müssen Fondsanbieter den Großteil der eingesammelten Gelder in festverzinsliche Papiere mit höchster Bonität investieren, etwa in Anleihen des Bundes oder der Länder. Erst wenn sicher ist, dass die Erträge daraus für das Garantie­niveau reichen, können sie den Rest in Aktien stecken.

Doch angesichts von historisch niedrigen Zinsen fällt die Rechnung ziemlich mager aus: Je niedriger die Erträge aus dem Rentenanteil des Fonds, desto weniger Geld bleibt für den Aktienanteil - der allein für die Rendite sorgt. Rolf Drees, Pressesprecher beim Fondsverband BVI, drückt es plakativ aus: "Anbietern von Garantiefonds fehlt derzeit schlicht der Sprit, um in riskante Anlageklassen zu investieren." Selbst wenn nur ein Bruchteil der Gelder in Aktien fließe, müssten die Renten­erträge notfalls extreme Börsenschwankungen auffangen können.

Nur für extrem vorsichtige Sparer
Viele große Fondsanbieter in Deutschland verzichten deshalb vorerst auf neue Garantiefonds. Weder die Deutsche-Bank-Tochter DWS noch Allianz Global Investors oder der Sparkassen-Dienstleister Deka planen, in den kommenden Monaten Garantiefonds aufzulegen. Ihre bisher letzten Emissionen liegen teils Jahre zurück.
"Beim aktuellen Zinsniveau sehen wir nicht, wie wir ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis bieten sollen", heißt es bei DWS. Mit einer ähnlichen Begründung wiegelt auch ­Allianz Global Investors ab. Und bei der Deka beschränkt man sich auf die Verlängerung der Laufzeiten bestehender Garantiefonds.

Andreas Köchling, Fondsanalyst bei Feri, hält die Anlageklasse angesichts der niedrigen Renditen nur für extrem konservative Investoren für geeignet. "Wer um jeden Preis Verluste vermeiden will, hat abgesehen von Geldmarktfonds kaum eine andere Wahl." Allerdings müssten Anleger sich im Klaren über die geringen Erträge sein: "Bei diesen Zinsen sind ordentliche Renditen mit Garantiefonds kaum drin."

Investor-Info

Markt für GarantieFonds
Sinkendes Volumen

Seit dem Jahr 2010, als im deutschen Markt für Garantiefonds mehr als 30 Milliarden Euro steckten, sinkt das Volumen kontinuierlich. Allein im vergangenen Jahr flossen dem deutschen Fondsverband BVI zufolge rund 1,7 Milliarden Euro ab. Die niedrigen Zinsen erschweren vielen Anbietern die Auflage renditestarker Fonds, da schon die Erträge für die Kapitalgarantie nur schwer zu erwirtschaften sind. Zusätzlich zu den etwa 24 Milliarden Euro, die derzeit in Garantiefonds liegen, sind nach Zahlen des Deutschen Derivate Verbands rund 12,7 Milliarden Euro in Kapitalschutz-Zertifikaten investiert, die eine Anlagesumme teils oder ganz garantieren.

Neue Garantiefonds
US-Aktien mit Sicherheitsnetz

UniGarant Nordamerika heißen die beiden Garantiefonds, die Anleger über Union Investment bis zum 26. März zeichnen können. Das Versprechen: Zum Laufzeitende erhalten sie ihr Geld je nach gewählter Garantiestufe zu 100 oder zu 95 Prozent zurück - abzüglich Ausgabeaufschlag (siehe Tabelle). Wer vorher aussteigt, riskiert Verluste und zahlt in jedem Fall zwei Prozent Rücknahmegebühr. Hinzu kommt die Chance, von steigenden Aktienkursen in den USA zu profitieren. In welchem Verhältnis das geschieht, verrät Union Investment indes nicht. Nur so viel: Beim UniGarant 95 Nordamerika sei diese "Partizipationsrate" deutlich höher. Ebenfalls unbekannt bleibt der Aktienindex, an dem sich die Entwicklung der Fonds orientieren soll. Er wird erst am Ende der Zeichnungsfrist bekannt gegeben. Bei so viel Unklarheit scheint Skepsis angebracht.

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