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25.11.2014 16:35
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Family Office und vermögensverwaltende Ansätze - Dienstleistung versus Produkt?

Markus Hill-Kolumne: Family Office und vermögensverwaltende Ansätze - Dienstleistung versus Produkt? | Nachricht | finanzen.net
Markus Hill-Kolumne
Markus Hill
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"Alter Wein in neuen Schläuchen": Vermögensverwaltende Ansätze im Fondsbereich haben im Laufe der letzten Jahre an Bekanntheitsgrad zugenommen.
Dieser Trend erscheint interessant, da bis heute noch um eindeutige Definitionen gerungen wird - was den präzisen Inhalt dieser Ansätze betrifft. Ähnlich wie die Begriffe Fondsboutique, Stiftungsfonds und Family Office dauert der Kampf um die Deutungshoheit an. Einige Grundaspekte, die vor Jahren vom Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V. (VuV) in die Diskussion geworfen wurden, können vielleicht bei einer Diskussion helfen. Wo kann man Verbindungen zur Vermögensverwaltungspraxis finden? Was können reine "Produktbausteine" leisten und was sollte eigentlich einen guten Vermögensverwalter ausmachen? Wo liegen Chancen und Risiken?

Mögliche Diskussionskriterien für Vermögensverwalter und Family Offices

Die Ausgestaltung von Produkten und Dienstleistungen lässt sich anhand von vielen Kriterien diskutieren. Nimmt man die VuV-Gedanken, dann könnten kurz diese Aspekte angesprochen werden:

1. Investition in mehr als eine Anlageklasse
2. Eignung als Basisinvestment
3. Anstreben einer risikoadjustierten Rendite
4. Fondsmanagement frei von Interessenkonflikten

Eine Sonderaspekt beim Thema " Vermögensverwaltende Ansätze" kann die Diskussion über eigene Produkte und das Selbstverständnis von Aufgaben und Abgrenzung von Aufgabengebieten bei Family Offices sein. Ähnlich wie bei den vermögensverwaltenden Ansätzen wird in diesen Bereichen - Anbieter von Family Office-Dienstleistungen und auch auf Kundenseite - derzeit intensiv diskutiert. Wenn unten von Vermögensverwaltern gesprochen wird, könnten eigentlich bestimmte Ausprägungen von Family Offices mit eigenen Fondsprodukten in die Diskussion mit einbezogen werden.

1. Diversifizierung von Risiken

Schweizer Bankenregel: "Geld ist wie Mist, man muss es streuen". Die klassische Aufgabe eines Vermögensverwalters sollte im Bereich Risikomanagement bestehen. In welcher Produktverpackung er dies tut, kann zunächst einmal ein zweitrangiger Aspekt sein. Einzelmandate in der Direktanlage und Fondsmantel sind und waren üblich. Kostenaspekte, technische Handhabbarkeit oder einfache Kommunikation im Kundengespräch, auch Anlegerkenntnisse, spielen hier bei der Auswahl eine Rolle. Was hier nach dem klassischen Mischfonds sozusagen der vermögensverwaltende Ansatz 2.0 leisten kann, wird derzeit intensiv diskutiert, weil auch hier Erwartungen durch die Industrie geweckt wurden, die nur in Teilen erfüllt wurden.

2. Basisinvestment und Vertrauen

Als Anleger - Privater wie Institutioneller - ist Vorsicht bei dem Begriff Basisinvestment geboten. Viel Vertrauen ist im Vertrieb durch den extensiven Gebrauch dieser Bezeichnung verloren gegangen. Im Zweifelsfall wurden in der Vergangenheit Kapitallebensversicherungen, genauso wie Geschlossene Fonds und reine Aktienfonds, unter diesem Label angeboten. Die Branche könnte durch einen differenzierteren Gebrauch dieses Begriffes profitieren. Am Schluss stellt sich die Frage: Wieviel "Eier in einem Korb", Entwicklungspotential und wie viele Korrelations-Chancen und -Risiken bildet so ein grundlegender Bestandteil im Portfolio?

3. Risikoadjustierte Rendite

Vermögensverwaltung, unabhängig von der Verpackung, sollte Risikomanagement in den Vordergrund stellen. Natürlich können kalkulierte Risiken eingegangen werden. Eine Vielzahl der gängigen Mischfonds und der Fonds, die unter dem Label "Vermögensverwaltende Ansätze" laufen, betonen diesen Anspruch. Die Vielfalt der eingesetzten Parameter beim Fondsmanagement (Asset-Klassen, Instrumente, Strategien etc.) bieten theoretisch die Möglichkeit, den Ansprüchen von Privatkunden und Institutionellen oft gerecht werden zu können. Viel ist versprochen worden, viel Versprochenes ist oft auch nicht eingetreten. Ähnlich wie bei der Bankenkrise und beim Thema Vertrauen: Weniger Marketing, mehr Aufklärung ist gefragt.

Unbestreitbar bietet die Asset Management-Industrie vielfach gute Ansätze - Wunder sind selten. Eine Konvergenz zum Mittelmaß kann man konstatieren. Ein konstruktiv kommuniziertes "Erwartungsmanagement" könnte die Fondsmanager bzw. Vermögensverwalter vielleicht in einem positiveren Licht erscheinen lassen: Fortwährend unkorreliert positive Erträge zu erwirtschaften ist eine Kunst. Wenige Manager stechen hervor - keiner kann ehrlicherweise behaupten, den Sieger am 31.12. des Jahres zu kennen. Wüssten die Kunden dies auch, würden auch viele scheinbar "mittelmäßige" Vermögensverwalter nicht fortwährend gezwungen, prozyklischen Aktivismus zu produzieren, um auf irgendwelchen "Rennlisten" ganz oben zu stehen. In diesem Fall kann man fast behaupten: Die Fondsindustrie mit der reinen Asset Management-Denke hat es geschafft, den klassischen Vermögensverwalter am Ring in der Nase sozusagen über die Bühne zu ziehen!

Fondsmanagement und Interessenkonflikte

Unabhängigkeit ist ein kostbares Gut. Alle eigentümergeführten Vermögensverwaltungen und auch bestimmte Kategorien von Family Offices leben von Zuschreibungen wie Neutralität und "Anbieterferne". Viele exzellente Fondsmanager ("Fondsadvisor", Fondsboutiquen) im Bereich von Mischfonds und bei vermögensverwaltenden Ansätzen findet man bei spezialisierten Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG) wie Universal Investment, Ampega, Hauck & Aufhäuser und diversen anderen Häusern. Unabhängige Asset Manager gewinnen zunehmend an Popularität. Bei der 1. Frankfurter Fondsboutiquen-Panel-Befragung durch den Autor diese Kommentars ließ sich diese Tendenz anhand der Antworten von diversen Vermögensverwaltern, Dachfondsmanagern und Family Offices als "Grundtenor" erkennen. Das ist erfreulich. Aber, wie oben angeführt - besteht am Schluss gute Vermögensverwaltung lediglich im guten Abschneiden auf Rennlisten? Wie differenziere ich mich als Unabhängiger, wenn auch verschiedene konzerngebundene Manager in bestimmten Phasen exzellente Performance bieten können? (Selbst wenn Unabhängige oft die Nase vorne haben könnten - ist dieses Wettrennen förderlich für eine langfristige Kundenbeziehung?).

Perspektive: Chancen und Risiken für Vermögensverwalter und Family Offices

Die Diskussion um die Definition der so genannten vermögensverwaltenden Ansätze ist noch in vollem Gange. Viele Fondsergebnisse ernüchtern vielleicht. "Ernüchterung" muss man mit Bedacht, nicht unbedingt als Enttäuschung wertend, formulieren. In jeder Industrie gibt es Lernkurven. Bedeutender könnte in Zukunft vielleicht folgende Fragestellung sein: Was ist die Rolle des unabhängigen Vermögensverwalters oder die eines Family Offices? Der Lieferant von Produktbausteinen, die täglich ausgewechselt werden können oder der Berater und Risikomanager des Kunden? Eine Fragestellung, die vielleicht nicht nur mit "Entweder - Oder" zu beantworten ist. In Kombination mit Portfolio Management-Knowhow: Diese Art von Beratern, Vertrauenspersonen und "Langfrist-Denkern" werden mit hoher Wahrscheinlichkeit gerne weiterempfohlen und viele Produkt- und Performance-Zyklen überstehen!

Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen.
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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