finanzen.net
23.06.2010 09:27
Bewerten
(4)

Fondsboutiquen, Bondmanagement und Fondsselektion

Markus Hill-Kolumne: Fondsboutiquen, Bondmanagement und Fondsselektion | Nachricht | finanzen.net
Markus Hill-Kolumne
Markus Hill
DRUCKEN
Gedanken, Impressionen, Tendenzen
„Geld ist wie Mist, man muss es streuen“: eine alte Schweizer Bankenregel. Dieser Gedanke trifft bei Privatanlegern wie auch bei Institutionellen auf den Punkt bei Anlageentscheidungen. Eine mögliche Fragestellung bei der Investition in Publikumsfonds: Anlage in Exchange Traded Funds (ETFs) oder Anlage in aktiv gemanagte Fonds? Ein Thema, das seit Jahren in der Fachwelt kontrovers diskutiert wird. Ebenso wie das Thema, ob unabhängige Asset Manager (Stichwort: Fondsboutiquen) einen festen Platz in der Asset Allocation eines jeden institutionellen Investors haben sollten. Diese Manager findet man oft vertreten in Publikumsfonds, die von Kapitalanlagegesellschaften wie Universal Investment, AmpegaGerling oder IP Concept angeboten werden. Bekannte Namen sind hier Peter Huber, Flossbach & von Storch und Newcomer wie Martin Wilhelm. Der Natur der Sache gemäß handelt es sich um Personen, die bestimmte Ansätze im Fondsmanagement verkörpern. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Wie kann dieser Sachverhalt Einfluss auf die Selektion von Rentenfonds nehmen?

Fondanalyse – Zahlen, Daten, Fakten

Zum einen bedienen sich viele Institutionelle Consultants, um geeignete Fondsmanager auszuwählen. Die umfangreiche Aufbereitung und Präsentation von Managementdaten in dieser Form ist etabliert. Die Prüfung erfolgt hier oft unter Zuhilfenahme eigener Datenbanken, dem Einsatz von Fragebögen (RFPs) und durch Managerinterviews (quantitative und qualitative Analyse).

Im Bereich der Publikumsfondsanalyse gewinnen seit Jahren Datenbanken von Anbietern wie Standard & Poor’s, Feri, Lipper und Morningstar an Popularität. Diese Firmen richten ihr Angebot zunehmend an Institutionelle, auch in der Funktion eines preiswerten „Vorfilters“. Ein Grund hierfür ist zum einen der verstärkte Trend zum Einsatz von Publikumsfonds bei professionellen Investoren. Zum anderen erscheint die einfache Verdichtung von Daten in Form von Rankings und Ratings bei den ersten Schritten der Auswahl als hilfreich. Auch wenn diese Instrumente in der Fachwelt nicht unumstritten sind (Peergruppen-Zuordnung, Vollständigkeit „Manageruniversum“ etc.), so erscheinen Argumente wie Transparenz und Vergleichbarkeit auf einen Blick viele Entscheider zu überzeugen. Klassische quantitative Kriterien wie Rendite, Volatilität, relative Position zu Wettbewerbern (Fondsboutique versus Vollsortimenter-KAG, aber auch ETFs!) und Standardmaße wie Sharpe Ratio etc. werden komprimiert dargestellt. Man erhält u.a. Informationen zu Kostenstrukturen, Korrelationen, Drawdown und Recovery Time. Als erster Filter zur Entwicklung einer Liste geeigneter Fonds, die man für die eigene Asset Allocation einsetzen möchte, erscheinen diese Instrumente geeignet.

Als Kritikpunkt an einer rein quantitativ orientierten Vorgehensweise bei der Managerauswahl bei Publikumsfonds im Rentenbereich (in großen Teilen auch auf Aktienfonds übertragbar) wird häufig die Eindimensionalität der Betrachtungsweise gesehen: In Abwandlung des Spruchs „Für einen Mann mit Hammer erscheint die ganze Welt voller Nägel“ (Paul Watzlawik) kann man behaupten, dass eine rein quantitative Betrachtungsweise Schwächen aufweisen kann. Fairerweise ist zu sagen, dass häufig in Ergänzung noch ein weiterer Teil der Analyse der Manager (wobei? Bei Ratings oder in Datenbanken oder wo?) in qualitativer Sicht erfolgt.

Fondsanalyse – Verhalten, Erfahrung, „Bauchgefühl“

Der oben angeführten quantitativen Fondsanalyse folgt in der Regel eine qualitative Betrachtung. Als zentrale Fragestellungen erscheinen hier, wie der Fonds bzw. der Manager die in überdurchschnittliche Performance erwirtschaftet hat und ob es als wahrscheinlich erscheint, dass dieses Versprechen auch in Zukunft eingehalten werden kann. Anhaltspunkte hierfür kann die Managerhistorie bieten. Beispielsweise bei einer Fondsboutique im Rentenbereich: Hat der Manager bei einem etablierten Anbieter erfolgreich einen Fonds gemanagt? Oder auch: Welche anderen Fonds von ihm waren erfolgreich? Bei Institutionellen wird, ähnlich wie bei der sorgfältigen Analyse durch externe Consultants, sehr viel Aufmerksamkeit auf den Investmentprozess des unabhängigen Managers gelenkt. Ist der Prozess transparent, nachvollziehbar und stringent? Verschärft ausgedrückt: Traut man dem Manager zu, dass der von ihm dargestellte Investmentprozess tatsächlich „gelebt“ wird?

Ein weiterer Punkt, der aktuell (Madoff, Griechenland-Krise etc.) an Bedeutung gewonnen hat: Wie sieht der Prozess des Risikomanagements aus? Wie viele Personen sind an dieser Tätigkeit beteiligt? Gibt es Regeln, Vorschriften, Automatismen, die möglichst vor(!) dem Ernstfall greifen? Der Fragenkatalog in diesen Feldern kann umfangreich sein. Klassische Fragebögen von Consultants können hier teilweise ein Due-Diligence-Verfahren einleiten, bei dem sich zur Beantwortung unabhängige Häuser wiederum externer Hilfe bedienen. Das ist wirtschaftlich nachvollziehbar, da am Ende des Procederes durchaus ein lukratives Mandat stehen kann. Viele unabhängige Häuser sind diesbezüglich in einer Umbruchphase: Der Trend zur Professionalisierung ist in vollem Gange.

Viele Wege führen nach Rom

Viele der Punkte aus quantitativer und qualitativer Fondsselektion gelten natürlich für etablierte Vollsortimenter (oft konzerngebunden) und unabhängige Fondsboutiquen. Das Kernmerkmal der Spezialisierung der Fondsboutique legt eine höhere Messlatte an die Persönlichkeit des Managers bzw. Fondsadvisors. Oft wird hier das sogenannte Key-Person-Risk angeführt. Abzuwägen ist zum Beispiel, wo eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht: Verlässt der Unternehmensgründer als Manager eher sein Unternehmen als der angestellte Fondsmanager, der ein Konkurrenzangebot erhält? Viele Unabhängige sind sich dieses Risikos bewusst, in der Regel werden Kapazitäten ausgebaut und Nachwuchs ausgebildet. Fairerweise muss man sagen, ähnlich wie beim Prozess in großen Unternehmen, dass dies nicht immer gelingt.

Abweichend vom Weg des reinen Produktmarketings ist zu sagen, dass der Mix von Anlagekonzepten sinnvoll erscheint. Mal kann es die Direktanlage sein, mal der ETF, oder aber auch beides kombiniert mit aktiv gemanagten Fonds. Die Vielfalt der Investmentstile, Produktausrichtungen (Instrument, Währung, Laufzeit etc.) lässt viele Wege offen. Sinnvolle Analysetools und Analyseverfahren existieren. Die offene Frage bleibt am Schluss wie bei der Suche nach dem optimalen Manager für Renten: Wo finde ich den optimalen „Meta-Manager“, der immer zur rechten Zeit die richtige Asset Allocation und die richtigen Produkte auswählt? Wahrscheinlich eine Fragestellung, die auch noch in Jahrzehnten der Asset-Management-Industrie Stoff für viele fruchtbare Diskussionen liefern wird!

Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen.
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Risiko in volatilen Marktphasen managen

Wie betreuen Sie in unruhigen Marktphasen erfolgreich Ihre Positionen im Portfolio? Das erklären die Investment-Profis Martin Goersch und Sebastian Steyer am Montag ab 18 Uhr.
Jetzt kostenlos anmelden!

Fondsfinder

Suchen

Heute im Fokus

DAX deutlich leichter -- Wall Street im Minus -- China setzt Zölle auf Autoimporte aus den USA aus -- Scout24 prüft wohl Börsenrückzug -- Merck & Co, LEONI, Apple, ISRA VISION im Fokus

Italienische Zentralbank stutzt Wachstumsprognose für 2018. Wirtschaftsminister Altmaier erwartet 2019 keinen Konjunktureinbruch. Briten sollen künftig sieben Euro für visafreie Reisen in EU zahlen. Südzucker-Tochter CropEnergies erhöht die Prognose. Ausblick treibt die Anleger von Dr. Hönle in die Flucht. BMW-, VW- und Daimler-Aktien unter Druck infolge schwacher EU-Absatzzahlen. Bundesbank senkt BIP-Prognosen und sieht weiter Hochkonjunktur.
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Fünf deutsche Internet-Aktien, die Sie kennen sollten!

Das Gute liegt oft so nah. Heimische Internet-Unternehmen rollen den Markt auf. Im neuen Anlegermagazin erwartet Sie ein Special über deutsche Internet-Aktien, die Sie kennen sollten.
Kostenfrei registrieren und lesen!

Umfrage

Die Bahn hat den Fernverkehr am Montag wegen eines Warnstreiks bundesweit eingestellt. Haben Sie Verständnis für das Verhalten der Gewerkschaft EVG?

finanzen.net Brokerage

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Saint-Gobain S.A. (Compagnie de Saint-Gobain)872087
Deutsche Bank AG514000
Fresenius SE & Co. KGaA (St.)578560
Daimler AG710000
Scout24 AGA12DM8
Apple Inc.865985
TeslaA1CX3T
Amazon906866
Allianz840400
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
BASFBASF11
BMW AG519000
E.ON SEENAG99
adidas AGA1EWWW
CommerzbankCBK100