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19.08.2010 09:56
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Fondsboutiquen, UCITS und Wettbewerb als Entdeckungsverfahren

Markus Hill-Kolumne: Fondsboutiquen, UCITS und Wettbewerb als Entdeckungsverfahren | Nachricht | finanzen.net
Markus Hill-Kolumne
Markus Hill
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2010 ist ein attraktives Jahr für Kapitalanlagegesellschaften, ...
... die eine starke Position im so genannten Private Label Fonds-Bereich haben. Alter Wein in neuen Schläuchen – wie bei vielen anderen Industrien finden sich immer Anlässe zur Steigerung des Neugeschäfts. Universal Investment, Marktführer in Deutschland, Hauck & Aufhäuser oder auch Kapitalanlagegesellschaften in Luxemburg wie IP-Concept, können aufgrund von Fondsauflageprojekten optimistisch in die Zukunft blicken. UCITS-III-kompatible Hedgefondsstrategien profitieren vorrangig von dieser Entwicklung . Neuerdings treten verstärkt Hedgefondsfirmen auf, die bestimmte Varianten ihrer Produkte in die Produktform Publikumsfonds verpacken. Der Publikumsfonds erscheint gerade für ausländische Asset Manager bzw. Hedgefondsanbieter ein inte-ressantes Marketing-Tool zu sein. Vielen ist vielleicht noch nicht die Bedeutung dieses Instruments für den deutschen Markt bewusst. Auch inländische Firmen zeigen seit Jahren verstärkte Aktivitäten, Absatzkanäle in Ergänzung zum klassischen Spezialfondsmandat zu erschließen. Mit großem Erfolg, obwohl bei den Investoren oft noch Aufklärungsarbeit geleistet werden muss. Der Wissensstand bei einzelnen Investorengruppen wie zum Beispiel Stiftungen und Versorgungswerken kann als heterogen bezeichnet werden. Zwischen PR-Welt, Fachjournalisten-„Brille“ und Vertriebs-Welt bestehen oft noch große Abweichungen.

UCITS III, „Superfonds“ - etabliertes Reglement mit Praxis-Test Die seit längerem abgeschlossene Umsetzung der UCITS-III-Richtlinie (UCITS-IV-Diskussion läuft aktuell) zeigt ihre Spuren in der deutschen Fondslandschaft. Seit 2004 wurde eine große Anzahl von Fonds als so genannte „Superfonds“ aufgelegt. Im Gegensatz zum“ traditionellen“ Dachfondskonzept wurden zum Beispiel neben klassischen Zielfonds auch die Anlage in Einzelwerten, Zertifikaten und Derivaten zu Absicherungszwecken erlaubt. Seit 2004 haben verschiedene Manager mit diesen Produkten Erfahrung sammeln können. Vorrangig sind hier die unabhängigen Häuser aktiv geworden. Diese so genannten Fondsboutiquen haben die Chancen dieser Freiheiten erkannt. Als ein Beispiel sei hier der Tri-Style-Fund von Dr. Jens Ehrhardt, einer der bekanntesten Adressen, genannt. Diese konzernunabhängigen Adressen haben die Chance der erweiterten Anlagemöglichkeiten aktiv genutzt. Aufgrund ihrer Marktposition sind die Fondsboutiquen im Wettbewerb mit den großen Häu-sern gezwungen, Flagge zu zeigen. Langfristig kann nur überlegene Leistung in einem kompetitiven Markt überzeugen. Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Viele der unabhängigen Manager haben natürlich auch Lehrgeld bezahlt. Entdeckt wurde zum Beispiel, dass Zielfondsverhalten und Absicherungsinstrumente nicht immer harmonieren. Ein weiterer Schwachpunkt war manchmal auch die begrenzte Researchkapazität von „kleinen“ Häusern hinsichtlich des umfangreichen Zertifikate-Universums in Deutschland. Dies alles sind Bereiche, in denen aktuell jedoch ein Know-how-Vorsprung gegenüber „großen“, konzerngebundenen Häusern besteht.

Fondsboutiquen, aktives und passives Management – Chancen für Produktanbieter

Viele Fondsboutiquen in Funktion des Fondsadvisors bei Private Label Fonds haben in Deutschland eine Tradition als unabhängige Vermögensverwalter. Aus Effizienzgründen wurde dort von der klas-sischen Verwaltung auf Einzelwertbasis im nächsten Schritt die Standardisierte Vermögensverwaltung auf Fondsbasis eingeführt. Als „organische“ Weiterentwicklungsschritte schlossen sich dann oft der Schritt zur Dachfondsauflage und die „Superfonds“-Variante an (auch der Mischfonds ist oft eine Vari-ante). Man spricht deshalb in Deutschland oft von vermögensverwaltenden Ansätzen, bei denen aus-geprägte Stärken im Bereich Asset Allocation bestehen. Dies ist in Unterscheidung zu der oft anzutreffenden Spezialisierungsexpertise im anglo-amerikanischen Bereich zu sehen, wo die Abgrenzung oft Assetklassen oder Investmentstil-bezogen erfolgt. Ausländischen Asset Managern erschließt sich durch diese Entwicklung im Dachfondsbereich natürlich ein gewachsenes Absatzpotential für aktiv gemanagte Produkte. Dem entgegen steht die Entwicklung im Bereich der passiven Produkte, die bei diesen Dachfonds zunehmend gerne als Core-Investments (z. B. Barclays Global Investors, Lyxor) eingesetzt werden. Ein Grund: Indexfonds und Absicherungsinstrumente können optimal „gematched“ werden. Extrawetten können durch exzellente aktiv-gemanagte Produkte eingegangen werden.

Hedgefonds und Publikumsfonds, 130/30-Produkte – Erfahrungen und Diskussion in Deutschland

Veröffentlichte und öffentliche Meinung über Hedgefonds weichen in Deutschland seltsamerweise voneinander stark ab. Viel wird und wurde aufgrund der rechtlichen Möglichkeiten in den Medien und in Publikationen für private und institutionelle Investoren veröffentlicht. In Frankfurt gibt es eine monatliche Veranstaltungreihe „Hedgework“, die sich seit Jahren auch von ausländischen Interessenten besucht wird. Man muss an dieser Stelle weniger auf die Produkt- und Rechtsdiskussion eingehen. Fakt ist, das wohl noch Optimierungspotential besteht. Vielleicht werden die Einführung von klassischen Hedgefondsstrategien bei 130/30-Produkten (alte „Marketingsünden“ der Industrie - um diese Produkte ist es gegenwärtig in der öffentlichen Diskussion bemerkenswert still geworden) und die verstärkten Aktivitäten bei der Verpackung von Hedgefonds in Publikumsfondsmantel ein zusätzlichen, positiven Impuls geben. Bemerkenswert erscheint, dass die angesprochenen Tendenzen bezüglich UCITS, Publikumsfonds und Hedgefonds als ein stetiger Trend erscheinen. Kommentierungen dieser Markttendenzen könnten im Grunde genommen jährlich in inhaltlich ähnlicher Weiser erfolgen. Asset Management erscheint wahrlich nicht als eine „Rocket Science“. Ein grundlegender Wandel, wie in den Naturwissenschaften verfolgbar, ist auf absehbare Zeit wohl weniger zu erwarten.

Ausblick: Fondsauflage und Absatz von Publikumsfonds

Die Publikumsfondsindustrie erhält gegenwärtig interessante Impulse durch die gewachsene Akzeptanz des Publikumsfonds als Anlageobjekt auch für institutionelle Anleger. Dieser Trend wird durch Neuauflagen von Fonds mit Hedgefonds-Strategien unterstützt. Im Hedgefondsbereich ist es interessant zu verfolgen, welche Arten von Hedgefonds in Publikumsfondsmantel aufgelegt werden. Diese werden mit traditionellen Long-Only-Produkten konkurrieren, die derzeit bereits im deutschen Markt erhältlich sind. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise, Regulierung und Risikomanagement gibt es durchaus auch kritische Punkte. Die Auflage von Finanzprodukten wird zuweilen als „Versuch am lebenden Objekt“ betrachtet. Viele Produktentwicklungen werden wie im Softwarebereich Schritt für Schritt optimiert. Weniger kritisch ausgedrückt kann man aber auch sagen, dass unternehmerisches Handeln unter der Massgabe von unvollständiger Information oft bedingt, dass bei Innovationen im Finanzbereich der „Wettbewerb als Entdeckungsverfahren“ dient: Privatkunden und institutionellen Investoren haben einen Grund zur Freude – Wettbewerb belebt das Geschäft!

Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen.
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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