finanzen.net
27.02.2015 15:31
Bewerten
(4)

Vermögensverwalter, Family Offices und Stiftungen

Markus Hill Kolumne: Vermögensverwalter, Family Offices und Stiftungen | Nachricht | finanzen.net
Markus Hill-Kolumne
Markus Hill
DRUCKEN
Vertrauen und Knowhow schlagen "Performance-Mythos"?
"Wenn Asset Manager langfristig zum Durchschnitt tendieren, dann kann ich direkt den Index kaufen": Diese Meinung findet man immer wieder, wenn man mit bestimmten Investoren, auch Stiftungen, spricht. Unter vorgehaltener Hand wird dieser Kritikpunkt oft auch von Vertretern von Fondsgesellschaften von aktiv gemanagten Fonds mit einem Achselzucken in Kombination mit Ratlosigkeit ("Resignation") zur Kenntnis genommen. Natürlich ist diese Diskussion nicht abgeschlossen, aktive und passive Produktwelt ringen noch um Deutungshoheit. Der Tod der temporären Marktineffizienz (aktive Investmentchancen) ist keineswegs beschlossene Sache, fachliche Expertise in Niedrigzinsphasen ist gefragt: Aktives Fondsmanagement bleibt eine Konstante im Investmentbereich, kurz kommentiert: Was können Vermögensverwalter und Family Offices leisten? Wo könnten Missverständnisse entstehen? Warum wachsen die Bäume nicht zum Himmel?

Erfolgsfaktoren für Zusammenarbeit

Stiftungen sehen sich einem umfangreichen Universum an Produktvarianten gegenüber: Direktanlage, Stiftungsfonds, Mischfonds, Vermögensverwaltende Fonds etc. Stellt man einmal die Diskussion um Marketing-Konzepte der Asset Manager beiseite und geht von einer ausreichenden Datenbank-Versorgung aus (Ratings, Rankings, "Hitlisten"): Sollte ein Großteil der Asset Manager in langer Frist zum Durchschnitt (Performance) tendieren, können vielleicht andere Faktoren bei der Auswahl von Dienstleistern eine Rolle spielen und zusätzlich an Gewicht gewinnen:

a) Vertrauen

b) Interessen

c) Knowhow

Interessant erscheint, dass diese Aspekte oft bei der reinen Berücksichtigung von gängigen Managerauswahlverfahren ("Beauty Contest") aufgrund der mangelnden Quantifizierbarkeit stark in den Hintergrund rücken. Natürlich ist der Consultant auf der sicheren Seite, wenn er sich stark auf das Zahlenwerk stützen muss: Performance, Volatilität, Drawdowns und viele andere Punkte. Natürlich werden Prozesse, Team, Risikomanagement etc. ebenso betrachtet. Vergessen wird häufig, dass gerade "kleine" Stiftungen sich diese aufwändigen Verfahren nicht leisten können - die übliche Verfahrens-"Heuristik" besteht dann häufig im Verfolgen der Hausbank-Philosophie. (Kernfrage kann sein: Ist die Hausbank-Lösung die einzige zielführende Lösung für "kleine" Stiftungen oder gibt es noch weitere Ansätze, die man einsetzen oder in Ergänzung einsetzen kann?).

Vertrauen

Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer leben vom Vertrauen ihrer Mandanten ("Trusted Advisor-Gedanke"). Aufgrund der Vielfalt der Anbieter in diesen Segmenten ist, wie im Vermögensverwaltungs-Bereich, der Wettbewerb sehr hart. Die Dienstleistungen werden von Mandanten oft als "Commodity" betrachtet. Aufgrund der Komplexität der Dienstleistung (Woran erkenne ich einen guten Rechtsanwalt? Was macht einen guten Vermögensverwalter aus?) erscheint die endgültige Bewertung der Leistung vielen Kunden als schwierig. In diesen Bereichen besitzt das Vertrauensverhältnis, neben Sympathie, einen sehr hohen Stellenwert. Fachkenntnisse werden als "Hygienefaktor" betrachtet.

Interessant erscheint, dass beispielsweise Vermögensverwalter und Family Offices Schwierigkeiten haben können, die Qualität von Anwälten zu "messen". Stiftungen stehen oft vor einem ähnlichen Thema: Woran erkenne ich, dass ich rechtlich gut beraten werde oder woran erkenne ich, ob meine Hausbank immer die optimale Beratung bietet? Entweder die genannten Spezialisten betreuen Ihre Mandate aufgrund von Tradition (Wechselwilligkeit oft geringer ausgeprägt bei Kunden) oder Empfehlung durch Dritte. Zusätzlich betreiben einige Anbieter aktiv Öffentlichkeitsarbeit - "dezente" fachliche Visibilität erleichert sehr häufig den Erstkontakt und weckt Interesse. (Am Rande bemerkt: Auch Rechtsanwälte fällt es umgekehrt nicht leicht, die Qualität von Family Offices und Vermögensverwaltern zu "messen" - durch Empfehlung kann hier ein Reputationsrisiko entstehen).

Exkurs: Vertrauen - Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) und Fondsboutiquen

Viele Vermögensverwalter haben Fonds bei KVGen wie Universal Investment, Alceda, Ampega und anderen Häusern aufgelegt. Der Preiswettbewerb in diesem Bereich ist intensiv - wobei sich durch Vergleiche am Schluss oft die Erkenntnis ergibt, das Preis nicht das einzige Kriterium sein kann. Bei ungefähr gleichen "Kernleistungen" (Preisfeststellung, Reporting etc.) sind oft am Schluss auch hier wieder die Betreuung und der jeweilige Kundenbetreuer (!) die zentrale Mehrwertkomponente. Da für viele Vermögensverwalter und auch Family Offices der Publikumsfonds als eine Art "Schaufenster" für die Neukundengewinnung dient, können die KVGen bei entsprechender Qualität der Mitarbeiter gezielt Hilfestellung leisten, ein Beispiel: Im Zweifelsfalle kann dies auch bedeuten - sehr vertrauensfördernd - dass man dem potenziellen Kunden einmal von einer Fondausauflage abrät!

Interessen

Interessen von Banken, Vermögensverwaltern und Family Offices bei der Betreuung von "kleinen" Stiftungen kann man vielleicht einmal kurz anhand der Pole "Umsatzorientierung" und "Bestandorientierung" (Mischverhältnisse ebenso existent) diskutieren:

a) Ist meine Bank, mein unabhängiger Vermögensverwalter oder mein Family Office - Beispiel: Manager von FO-Publikumsfonds - stark davon abhängig, möglichst häufig "Produkte an den Mann zu bringen" oder gibt es Vergütungsformen, die eine Fokussierung auf diese "Betreuungsstrategie" verhindern?

b) Habe ich als Stiftung das Gefühl, dass mein Gegenüber - über den reinen Verkauf von Produkten oder Dienstleistung hinaus - Freude und Interesse an Stiftungsthemen hat ("Affinität")?

c) Gibt mein Betreuer mir das Gefühl, dass ich auch als "kleine" Stiftung ein interessanter Kunde bin?

Knowhow

Bei langjährig erfolgreichen Vermögensverwaltern sollte man davon ausgehen können, dass Knowhow im Fachbereich vorliegt. Beim Kauf von Publikumsfonds bei Vermögensverwaltern (Banken, Family Offices etc.) kann man entsprechende Informationen - Datenbanken, Ratings, Rankings - nutzen. In vielen Fällen kann eine "kleine" Stiftung hiermit ein effizientes Mittel nutzen, auch ohne Beratung eine Auswahl zu treffen. Vorausgesetzt natürlich, dass der Entscheider bei der Stiftung ein gewisses Maß an Investmentkenntnissen besitzt. In der derzeitigen Niedrigzinsphase werden natürlich nach wie vor bei "kleinen" Beträgen viele Publikumsfonds mit gemischten Ansätzen (Diversifizierung) ein Standardanlage-Instrument darstellen. Wohl wissend: "Hitlisten" zeigen lediglich die Vergangenheit, Manager 1 aus 2014 kann Manager 25 in 2015 sein. Geht man davon aus, dass gerade bei vielen "kleinen" Stiftungen keine hauptamtlichen Investmentspezialisten tätig sind, so ergibt sich ein interessantes Beratungsfeld für viele unabhängigen Vermögensverwalter.

Die aktuelle Niedrigzinsphase kann mittel- bis langfristig das Aus für viele Stiftungen bedeuten, deren finanzielle Ausstattung bereits in der Vergangenheit von Experten eher als unzureichend empfunden wurde. Banken betreuen viele Stiftungen, bei Banken ist viel Fachexpertise vorhanden - in Kombination mit der Marktkenntnis von konzernunabhängigen Vermögensverwaltern und Family Offices könnten alle Parteien Knowhow-mäßig nur gewinnen. Vielleicht ergeben sich neue Kooperationsmodelle in der Vermögensverwaltungsindustrie, volkswirtschaftlich gesehen ist eine fortwährende Diffusion von Fachwissen nur von Vorteil.

Investor Education ist oft ein langwieriger Prozess, der sich zunächst oft nicht direkt mit Umsätzen, die dann zu Beständen führen, in Verbindung bringen lässt - Überzeugungstäter ("Ich liebe den Stiftungsgedanken!") profitieren langfristig hiervon: Gedankenaustausch und Charity-Gedanke, dass Gefühl, etwas Gutes zu tun, stellt auch bei vielen Vermögensverwaltern ein Motivationsinstrument dar!

Fazit

Betrachtet man die Vermögensverwaltung für "kleine" Stiftungen nicht nur unter dem Aspekt, dass Stiftungsverantwortliche ihre Vermögensverwaltung ausschließlich unter Zuhilfenahme von Datenbanken für die Publikumsfondsauswahl betreiben, dann ergibt sich in der aktuellen Marktlage der willkommen Anlass, verstärkt in den Dialog mit Vermögensverwaltern zu treten. Entscheidend erscheint, ob die Stiftungsverantwortlichen bei der gegenwärtigen Marktlage genügend "Leidensdruck" empfinden, um ausgetretene Pfade ab und an zu veranlassen.

Mit Produktanbietern beziehungsweise mit Dienstleistern außerhalb konzerngebundener Strukturen lassen sich oft zusätzlichen Kenntnisse über das mögliche Investmentuniversum entdecken. Dies muss keinesfalls im Widerspruch zum traditionellen Hausbank-Konzept stehen - neue Expertise-Felder erschließen, aktiven Kontakt mit Unabhängigen zu suchen, bewährte Kontakt zu pflegen, das Motto gilt: Das eine tun, das andere nicht lassen!

Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen.
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Risiko in volatilen Marktphasen managen

Wie betreuen Sie in unruhigen Marktphasen erfolgreich Ihre Positionen im Portfolio? Das erklären die Investment-Profis Martin Goersch und Sebastian Steyer am Montag ab 18 Uhr.
Jetzt kostenlos anmelden!

Fondsfinder

Suchen

Heute im Fokus

DAX deutlich leichter -- Wall Street im Minus -- China setzt Zölle auf Autoimporte aus den USA aus -- Scout24 prüft wohl Börsenrückzug -- Merck & Co, LEONI, Apple, ISRA VISION im Fokus

Italienische Zentralbank stutzt Wachstumsprognose für 2018. Wirtschaftsminister Altmaier erwartet 2019 keinen Konjunktureinbruch. Briten sollen künftig sieben Euro für visafreie Reisen in EU zahlen. Südzucker-Tochter CropEnergies erhöht die Prognose. Ausblick treibt die Anleger von Dr. Hönle in die Flucht. BMW-, VW- und Daimler-Aktien unter Druck infolge schwacher EU-Absatzzahlen. Bundesbank senkt BIP-Prognosen und sieht weiter Hochkonjunktur.
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Fünf deutsche Internet-Aktien, die Sie kennen sollten!

Das Gute liegt oft so nah. Heimische Internet-Unternehmen rollen den Markt auf. Im neuen Anlegermagazin erwartet Sie ein Special über deutsche Internet-Aktien, die Sie kennen sollten.
Kostenfrei registrieren und lesen!

Umfrage

Die Bahn hat den Fernverkehr am Montag wegen eines Warnstreiks bundesweit eingestellt. Haben Sie Verständnis für das Verhalten der Gewerkschaft EVG?

finanzen.net Brokerage

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Saint-Gobain S.A. (Compagnie de Saint-Gobain)872087
Deutsche Bank AG514000
Fresenius SE & Co. KGaA (St.)578560
Daimler AG710000
Scout24 AGA12DM8
Apple Inc.865985
TeslaA1CX3T
Amazon906866
Allianz840400
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
BASFBASF11
BMW AG519000
E.ON SEENAG99
adidas AGA1EWWW
CommerzbankCBK100