Wieso die persönliche Leistung bei Bonuszahlungen immer wichtiger wird

Bei Bonuszahlungen zählt zunehmend die Einzelleistung. Vor allem große Unternehmen setzen stärker auf individuelle Kriterien und weniger auf Team- oder Unternehmenserfolg. Während Manager darin eine neue Leistungskultur sehen, zeigen Studien: Zu viel Fokus auf Einzelbewertungen kann Jobzufriedenheit und Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen.
Trendwende: Persönliche Leistung gewinnt an Gewicht
Lange Zeit standen Team- und Unternehmenserfolge im Vordergrund, wenn es um Bonuszahlungen ging. Doch aktuelle Ergebnisse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen eine klare Kehrtwende: Die individuelle Leistung rückt wieder stärker in den Fokus. Für Beschäftigte ohne Führungsverantwortung machte sie 2023 bereits 49 Prozent der Boni aus - nach Jahren des Rückgangs bis 2020. Auch bei Führungskräften ist der Anteil gestiegen: Dort wird der Unternehmenserfolg zwar weiterhin am stärksten berücksichtigt (50 Prozent), doch auch die persönliche Leistung kletterte zuletzt auf 31 Prozent. "Individuelle Leistung gewinnt mittlerweile wieder an Bedeutung", betont IAB-Forscher Philipp Grunau.
Teamleistung verliert an Bedeutung
Während die persönliche Leistung an Gewicht gewinnt, hat die Teamleistung bei Bonuszahlungen deutlich eingebüßt. Nach Angaben des IAB machte sie 2023 nur noch 19 Prozent des Vergütungsmix aus, während der Unternehmenserfolg bei 32 Prozent lag. Forschende warnen jedoch vor den Folgen dieser Verschiebung: Ein zu starker Fokus auf Einzelleistung kann die Jobzufriedenheit mindern, das Engagement schwächen und die Zahl der Krankheitstage erhöhen.
Großbetriebe als Treiber der Entwicklung
Besonders deutlich zeigt sich der Wandel in großen Unternehmen. Laut IAB erhöhte sich in Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten der Anteil derjenigen, die Boni einsetzen, seit Beginn der Pandemie von 59 auf 77 Prozent - ein Anstieg um mehr als 30 Prozent. Gleichzeitig gewann die individuelle Leistung als Kriterium für Bonuszahlungen in diesem Umfeld acht Prozentpunkte hinzu. Haufe verweist darauf, dass gerade Konzerne diesen Kurswechsel mit einer Rückkehr zu einer "Leistungskultur" begründen: Managerinnen und Manager fordern eine engere Verzahnung von individueller Leistung und monetärer Vergütung, um persönliche Beiträge sichtbarer zu machen und stärker zu honorieren.
Folgen für Motivation und Gesundheit
Die Art der Bonusgestaltung wirkt sich spürbar auf Zufriedenheit und Gesundheit der Beschäftigten aus. Laut IAB führt eine einseitige Orientierung an individueller Leistung zu mehr Krankheitstagen und mindert die Jobzufriedenheit. Kollektiv ausgerichtete Ziele zeigen dagegen positive Effekte: Beschäftigte melden sich bis zu zwei Tage seltener krank und fühlen sich stärker an ihren Arbeitgeber gebunden. Auch Engagement und Arbeitsqualität profitieren deutlich, wenn Teamleistung und gemeinsamer Erfolg im Vordergrund stehen.
Wann sich Leistungsorientierung lohnt
Ob Bonuszahlungen ihre Wirkung entfalten, hängt entscheidend von der Ausgestaltung ab. "Leistungsorientierung lohnt sich, aber nur im Kollektiv", wird IAB-Forscher Kevin Ruf in einer Presseinformation des IAB zitiert. Studien zeigen: Mitarbeitendengespräche und Zielvereinbarungen können die Lohnzufriedenheit zwar steigern - allerdings nur dann, wenn sie nicht einseitig an finanzielle Boni gekoppelt werden. Wird die Leistung dagegen ausschließlich individuell gemessen, verpuffen positive Effekte und es drohen negative Folgen wie sinkendes Engagement oder steigende Fehlzeiten. Das Fazit der Forscher ist eindeutig: Eine nachhaltige Vergütungspraxis braucht die Balance zwischen individueller Anerkennung und gemeinschaftlicher Teamorientierung.
Redaktion finanzen.net
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