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22.06.2013 03:00
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Kapitalisierungsprodukte: Wenn Versicherer Bank spielen

Versicherer machen den Banken Konkurrenz. Die meisten dieser verzinslichen Angebote sind für jedermann offen, manche Offerten sind sogar richtig attraktiv.
€uro am Sonntag
von Martin Reim, Euro am Sonntag

Wer auf Zinsen für sein Geld setzt, sieht sich üblicherweise die Angebote der Banken an. Die der Versicherungen sind aber auch einen Blick wert. Hier gibt es eine ganze Reihe von Offerten, die wie Tages- oder Festgeld handhabbar sind. Und sämtliche dieser sogenannten Kapitalisierungsprodukte bieten Renditen, die über dem Durchschnitt vergleichbarer Bankangebote liegen. Das zeigt eine Untersuchung der FMH-Finanzberatung für €uro am Sonntag. „Es gibt nur wenige Produkte, mit denen man so richtig danebenliegt. Die besten können mit den Top-Angeboten der Banken mithalten“, sagt FMH-Chef Max Herbst.

Hintergrund dieser Produktgattung: 40 Milliarden Euro überweist die Assekuranz jährlich an Kunden mit auslaufenden Lebensversicherungen. Die Konzerne wollen, dass ein möglichst großer Teil dieser Mittel bei ihnen wieder angelegt wird und nicht bei Banken landet. „Ist das Geld erst einmal auf dem Girokonto, dann ist es in der Regel für den Versicherer verloren“, erklärt Christian Jaffke vom Finanzmakler-Zusammenschluss Jung, DMS & Cie.

Nur etwa zehn Prozent der Mittel können die Versicherer im Haus halten, schätzt Detlef Schmidt, Inhaber der Schmidt Management Consulting. Sein Unternehmen erhebt regelmäßig Studien zu diesem Thema. „Die Versicherer haben ein Wiederanlageproblem“, sagte Schmidt dem Finanzblatt „Das Investment“.

Manche Anbieter steigen aus
Somit tut die Branche gut daran, attraktive Zinskonditionen zu bieten. Allerdings akzeptieren einige Versicherer nur solche Kunden, die eine Auszahlung aus einer hauseigenen Lebensversicherung investieren wollen (in der Tabelle bei „Bestandskunden“ verzeichnet). Dieser Kategorie sind in den vergangenen Jahren einige Mitglieder abhandengekommen. AXA und DBV sind schon seit Ende 2011 nicht mehr dabei, Zurich Deutschland folgte ein Jahr später, und Swiss Life wird ihr Engagement Ende Juni beenden.

Sprecher der Unternehmen begründen den Ausstieg mit den niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt. Im Klartext: Um das Interesse bei den Bestandskunden zu wecken, muss man einiges bieten — notfalls subventioniert. Das aber wird umso teurer, je weniger der Versicherer bekommt, wenn er das Geld selbst anlegt. Außerdem wirkt ein Rüffel der Finanzaufsicht Bafin von Anfang 2011 nach. Demnach dürfen Kapitalisierungsprodukte nicht höher verzinst sein als vergleichbare Angebote der Gesellschaft. Daraufhin purzelten die Zinsen.

Gerade die Aussteiger haben in den vergangenen Jahren extrem viel bezahlt, so waren bei der Zurich 2009 noch satte 4,2 Prozent fürs Ein-Monats-Geld zu holen — mehr als beim damals besten Bankangebot. Heute ist lediglich die Alte Leipziger wirklich konkurrenzfähig. Sie ruft für Tagesgeld 1,75 Prozent auf, was bei größeren Summen trotz fünf Euro Kontoführungsgebühr pro Quartal die beste Offerte am Markt ist — inklusive Banken.

Andere Art der Absicherung
Mittlerweile wendet sich die Mehrzahl der Angebote an jedermann. Das geschieht mit dem Kalkül, die Kunden möglicherweise auch für andere Produkte des Hauses zu interessieren. Die Konditionen sind oft durchaus interessant. Die LV 1871 bietet auf Sicht von drei Monaten — aufs Jahr hochgerechnet — 1,25 Prozent für Summen bis maximal 200.000 Euro. Das ist so gut wie beim Banken-Spitzenreiter (siehe Tabelle unten). Die Hannoversche Leben zahlt bei einem Jahr Laufzeit für Summen bis 50.000 Euro 1,3 Prozent, was nur knapp unter dem Spitzenwert liegt.

Bei Tagesgeld rangiert Cosmos­direkt nur knapp hinter der führenden Bank, was Summen bis maximal 100.000 Euro betrifft. Dasselbe gilt für Die Bayerische bei Drei-Monats-Geld und Summen über 100.000 Euro. Auch AachenMünchener und Allianz machen Angebote, die sich sehen lassen können.

Für alle Kapitalisierungsprodukte gilt: Weil es sich rechtlich gesehen um Versicherungspolicen handelt, erfolgt der Schutzmechanismus — anders als bei Banken — mehrstufig. Geht ein Unternehmen pleite, stehen insgesamt knapp eine Milliarde Euro aus der Auffanggesellschaft der Versicherer namens Protektor zur Verfügung. Falls das nicht reicht, können die Auszahlungen an die Kunden um fünf Prozent sinken. Anschließend muss die Branche direkt einspringen.

Zum Vergleich: Offerten von Banken aus dem Ausland sind mit mindestens 100.000 Euro pro Kunde abgesichert, bei deutschen Instituten liegt die Obergrenze der Einlagensicherung meist deutlich höher. 
Kapitalisierungsprodukte (pdf)

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