Optionsscheine: Wenig Action, viel Effekt
Inline-Scheine erzielen in lauen Börsenphasen satte Renditen, falls sich der Basiswert innerhalb einer Kursspanne bewegt - bei hohem Risiko.
von Gian Hessami, Euro am Sonntag
Es scheint, als gönne sich der DAX eine Pause. Nach dem fulminanten Anstieg im Herbst sanken jüngst die Kurse ein wenig. Sollte die Börse in nächster Zeit seitwärts tendieren, ist mit klassischen Long- und Short-Strategien nicht viel zu holen. Für risikobereite Anleger, die für die kommenden Wochen und Monate mit Seitwärtsmärkten rechnen, könnten Inline-Optionsscheine die passende Wahl sein. Mit diesen Hebelprodukten sind hohe Renditen möglich. Erfüllt sich die Markterwartung der Anleger nicht, kommt es allerdings zum Totalverlust des Einsatzkapitals.
Mit Inline-Optionsscheinen setzen Investoren darauf, dass sich der Basiswert innerhalb eines Kurskorridors bewegt. Dabei gibt es eine untere und eine obere Knock-out-Barriere. Die beiden Kursmarken dürfen während der Laufzeit nicht berührt oder durchbrochen werden. Daher werden die Papiere bisweilen auch „Double No Touch“ genannt. Wird dieses Ziel erreicht, erhalten Anleger am Laufzeitende zehn Euro je Optionsschein. Wird eine der beiden Barrieren gerissen, ist das investierte Geld verloren.
Hohe Seitwärtsrendite
Je nachdem, ob der Kurskorridor breiter oder enger und ob die Laufzeit kürzer oder länger ist, fallen die Renditechancen kleiner oder größer aus — entsprechend variiert auch das Risiko des Investments. Je nach Markterwartung können sich Anleger die Papiere mit den dazu passenden Barrieren und Laufzeiten heraussuchen. Ein Beispiel: Die untere Barriere des Inline-Optionsscheins der Deutschen Bank (ISIN: DE 000 DT0 SF9 3) auf den DAX liegt bei 8.000 Punkten, die obere bei 10.500 Zählern. Bewegt sich der DAX bis zum Laufzeitende am 21. März 2014 innerhalb dieses Korridors, erhalten Anleger zehn Euro. Bei einem aktuellen Verkaufspreis des Produkts von 8,36 Euro ergibt sich daraus eine Rendite von rund 20 Prozent (67 Prozent per annum). Sollte der DAX einmal die 8.000- oder die 10.500-Punkte-Marke erreichen, kommt es zum Totalverlust.
Wer lieber auf den Euro Stoxx 50 setzt, für den eignet sich der Inline-Optionsschein der Société Générale (DE 000 SG4 ECT 1). Die untere Knock-out-Schwelle liegt bei 2.200 und die obere bei 3.600 Punkten. Sollte sich der europäische Leitindex bis zum Laufzeitende am 19. Dezember 2014 innerhalb dieser Kursspanne bewegen, erzielen Anleger beim Kaufpreis von 7,41 Euro eine Rendite von rund 35 Prozent (31,6 Prozent per annum).
Anleger setzen mit Inlinern darauf, dass die Kurse des Basiswerts künftig keine Kapriolen schlagen. Daher bieten sich Basiswerte mit geringer Volatilität an. Dies gilt derzeit etwa für die beiden Chemiekonzerne Merck und BASF. Die Société Générale hat Scheine emittiert, die jeweils auf einen der beiden DAX-Titel laufen. Zum Beispiel ein Papier auf Merck (DE 000 SG4 UK5 1) mit einer unteren Barriere bei 102 Euro und einer oberen bei 160 Euro. Die unterlegte Aktie notiert aktuell bei rund 129 Euro. Wenn der Aktienkurs bis zum 19. September 2014 eine der beiden Schwellen nicht berührt, erwirtschaften Anleger mit dem Papier, das derzeit 7,39 Euro kostet, eine Rendite von 35 Prozent (44 Prozent per annum). Ein anderer Schein der französischen Bank (DE 000 SG4 F7B 7) setzt auf den Seitwärtsverlauf der BASF-Aktie, die aktuell bei 75,70 Euro steht. Sollte der Kurs bis zum 19. September 2014 innerhalb des Korridors von 59 Euro (untere Barriere) und 94 Euro (obere Barriere) bleiben, winken zur Fälligkeit zehn Euro. Bei einem aktuellen Verkaufspreis des Inliners von 7,31 Euro ergibt sich daraus eine ansehnliche Rendite von rund 37 Prozent (47 Prozent per annum).
Vorzeitiger Verkauf denkbar
In einem normalen Marktumfeld ohne extreme Kursschwankungen tickt die Zeit bei Inline-Optionsscheinen für die Anleger. Denn mit abnehmender Restlaufzeit steigt die Gewinnwahrscheinlichkeit. So kann der Kurs des Inliners steigen, ohne dass sich der Basiswert vom Fleck bewegt.
Sollte der Kurs während der Laufzeit ein hohes Niveau erreicht haben, beispielsweise 9,50 Euro oder mehr, könnte für Anleger der Verkauf des Papiers durchaus sinnvoll sein. Denn mehr als zehn Euro Ertrag gibt es zum Laufzeitende nicht. Und mit der Veräußerung schalten Anleger auch das Totalverlustrisiko des Scheins aus.