29.04.2021 06:46

US-Notenbank setzt Krisenkurs trotz mehr Optimismus fort

Geldpolitik im Fokus: US-Notenbank setzt Krisenkurs trotz mehr Optimismus fort | Nachricht | finanzen.net
Geldpolitik im Fokus
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Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hält an ihrer historisch lockeren Geldpolitik fest, gibt sich zugleich aber etwas zuversichtlicher für die US-Wirtschaft.
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Der Leitzins verbleibt wie erwartet auf dem sehr niedrigen Niveau von 0 bis 0,25 Prozent. Dies sei angesichts der Lage am Arbeitsmarkt und der langfristig niedrigen Inflationsrate angemessen, hieß es in einer am Mittwoch nach ihrer Zinssitzung in Washington veröffentlichten Mitteilung. Auch die Wertpapierkäufe in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar im Monat zur Stützung der Konjunktur sollen weitergehen.

Analysten hatten vor der Fed-Entscheidung damit gerechnet, dass die Notenbank an in ihrem bisherigen Kurs festhalten wird. Die Entscheidung fiel im geldpolitischen Ausschuss FOMC einstimmig. Die Fed hat in der Corona-Krise mit einer beispiellosen Lockerung ihrer Geldpolitik reagiert, um die Konjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft zu stützen. Notenbankchef Jerome Powell trat jüngsten Spekulationen entgegen, die Zentralbank könnte sich schon mit einer sachten Rückführung ihrer Wertpapierkäufe beschäftigen.

Allerdings zeigt sich die Zentralbank etwas zuversichtlicher für die wirtschaftliche Entwicklung. In Anbetracht von Fortschritten in der Corona-Impfkampagne und starker staatlicher Unterstützung hätten sich die Indikatoren für die wirtschaftliche Aktivität und die Beschäftigung verbessert, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Wirtschaftsbereiche, die von der Pandemie besonders betroffen seien, entwickelten sich zwar immer noch schwach. Allerdings habe es auch in diesen Bereichen Verbesserungen gegeben.

Die zuletzt deutlich gestiegene Inflation führt die Notenbank überwiegend auf temporäre Faktoren zurück. Die Corona-Pandemie stelle ein Risiko für den wirtschaftlichen Ausblick dar. Auch diese Formulierung ist etwas günstiger als eine entsprechende Passage nach der vorherigen Zinssitzung, als von einer erheblichen Belastung durch die Pandemie die Rede gewesen war. Zuletzt hatten die meisten Wirtschaftsdaten ein günstiges Bild gezeichnet und eine deutliche konjunkturelle Erholung nahegelegt.

Eine Debatte über die Rückführung der extrem lockeren Geldpolitik bezeichnete Notenbankchef Jerome Powell als verfrüht. Gefragt nach dieser an den Finanzmärkten laufenden Diskussion, sagte Powell: "Nein, es ist noch nicht soweit." Man werde die Öffentlichkeit wissen lassen, wann eine solche Debatte angezeigt sei. Dies werde deutlich vor einer entsprechenden geldpolitischen Entscheidung geschehen.

Powell trat damit aktuellen Überlegungen von Analysten und Anlegern entgegen. Zurzeit erwartet ein Mehrheit von Beobachtern, dass die Fed in Richtung Jahresende verkünden könnte, ihre milliardenschweren Wertpapierkäufe schrittweise zu verringern. Mit ihren milliardenschweren Käufen von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren will die Fed die Finanzierungskonditionen günstig halten und die Wirtschaft in der Corona-Pandemie stützen.

Powell bekräftigte, die Fed werde ihre Wertpapierkäufe im gegenwärtigen Tempo so lange fortsetzen, bis man deutlichen Fortschritt in der Erreichung der eigenen wirtschaftlichen Ziele sehe. Die Fed strebt Vollbeschäftigung und eine Inflationsrate an, die nachhaltig über zwei Prozent liegt. Zinsanhebungen kämen erst in Betracht, wenn die Ziele tatsächlich erreicht seien.

Den jüngsten Inflationsanstieg, sogar deutlich über das Fed-Ziel von zwei Prozent hinaus, bezeichnete Powell als übergangsweises Phänomen. Verantwortlich seien zum einen statistische Basiseffekte, also der sehr geringe Preisanstieg im Vorjahr. Diese Effekte würden von alleine verschwinden. Zum anderen gebe es Engpässe aufgrund von Problemen in den internationalen Lieferketten. Zuletzt waren vor allem Vorprodukte und Rohstoffe wie Metalle im Preis deutlich gestiegen. Derartige Engpässe sollten sich mit der Zeit auflösen und keine geldpolitische Reaktion erfordern, erwartet Powell.

An den Finanzmärkten geriet der US-Dollar nach den Äußerungen Powells unter Druck. Die Renditen von US-Staatsanleihen fielen ebenfalls. Beides deutet darauf hin, dass die Botschaft Powells, die Geldpolitik zunächst locker zu halten, an den Märkten angekommen ist. Der Goldpreis legte etwas zu, vermutlich eine Folge des schwächeren Dollar.

Die meisten Prognosen rechnen für die USA in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von sechs bis sieben Prozent. Die Hauptgründe für die rasante wirtschaftliche Erholung sind Analysten zufolge die Impfungen und das jüngst vom Kongress verabschiedete Corona-Konjunkturpaket in Höhe von knapp zwei Billionen Dollar. Das entspricht fast zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung in den USA. Im vergangenen Jahr hatte der Kongress bereits Pakete mit einem Volumen von fast drei Billionen Dollar auf den Weg gebracht.

US-Präsident Joe Biden hat versprochen, dass es bis Ende Mai genügend Impfstoff für alle Erwachsenen geben werde. Seine Regierung will neben einem Infrastrukturpaket auch einen nachhaltigen Ausbau der Sozialleistungen für Familien und Bildung durchsetzen. Beide Pakete zusammen würden im Lauf der nächsten zehn Jahre rund vier Billionen Dollar kosten, wie aus den Plänen des Weißen Hauses hervorgeht. Die Zustimmung des Kongresses dafür ist aber noch ungewiss.

WASHINGTON (dpa-AFX)

Bildquellen: tlegend / Shutterstock.com, Sascha Burkard / Shutterstock.com
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