22.04.2021 15:48

EZB lässt Leitzinsen unverändert - Keine Ausweitung der Anti-Krisenmaßnahmen

Lagarde-Rede im Fokus: EZB lässt Leitzinsen unverändert - Keine Ausweitung der Anti-Krisenmaßnahmen | Nachricht | finanzen.net
Lagarde-Rede im Fokus
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Die Europäische Zentralbank hat nach ihrer jüngsten Sitzung über die aktuelle Geldpolitik informiert.
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Nach Mitteilung der Europäische Zentralbank, kurz EZB, bleiben die Leitzinsen konstant. Der Hauptfinanzierungssatz beträgt 0,00 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz 0,25 Prozent und der Bankeinlagensatz weiterhin minus 0,50 Prozent.

Keine Ausweitung der Anti-Krisenmaßnahmen

Europas Währungshüter weiten trotz der dritten Corona-Welle ihre Anti-Krisenmaßnahmen zunächst nicht aus. Sowohl das milliardenschwere Notkaufprogramm für Anleihen als auch die Zinsen bleiben unverändert, wie der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt entschied. Zugleich bekräftigte die Notenbank ihre Bereitschaft, alle ihre Instrumente gegebenenfalls anzupassen. Ökonomen erwarten, dass die steigenden Infektionszahlen und die damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens den erwarteten Konjunkturaufschwung verzögern könnten.

Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hat die EZB ein besonders flexibles Notkaufprogramm für Staatsanleihen und Wertpapiere von Unternehmen (Pandemic Emergency Purchase Programme/PEPP) aufgelegt. Das Programm mit einem Volumen von inzwischen 1,85 Billionen Euro läuft bis mindestens Ende März 2022.

Die Notenbank bekräftigte, das Tempo der Wertpapierkäufe im laufenden Quartal beschleunigen zu wollen. Anlass dafür ist, dass die Kapitalmarktzinsen zeitweise angestiegen waren, was die Finanzierung von Haushalten und Unternehmen verteuert und die wirtschaftliche Erholung zu belasten droht.

Die Käufe helfen Staaten wie Unternehmen: Diese müssen für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt. Insbesondere für Staaten ist das wichtig, weil sie in der Corona-Krise milliardenschwere Rettungsprogramme aufgelegt haben, die es zu finanzieren gilt.

Bei den Zinsen bleibt der Kurs ebenfalls unverändert: Den Leitzins im Euroraum halten die Währungshüter auf dem Rekordtief von null Prozent. Geschäftsbanken müssen weiterhin 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Freibeträge für bestimmte Summen sollen die Institute bei den Kosten dafür entlasten.

Die EZB strebt ein ausgewogenes Preisniveau bei einer mittelfristigen Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent im gemeinsamen Währungsraum an. Dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben - in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird. Der Zielwert für die Teuerungsrate wird trotz Nullzinsen und der seit März 2015 laufenden diversen Anleihenkaufprogramme jedoch seit Jahren verfehlt.

Zuletzt hatte die Inflation im Euroraum angezogen. Im März lagen die Verbraucherpreise nach jüngsten Angaben des Europäischen Statistikamtes um 1,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Im Vormonat hatte der Anstieg der Teuerungsrate noch 0,9 Prozent betragen.

Führende Vertreter der Notenbank sehen bislang aber kein Anzeichen für einen dauerhaften Anstieg der Inflation, sondern werten den jüngsten Sprung als Folge einmaliger Effekte. Sie verweisen unter anderem auf das Anziehen des Ölpreises und das Auslaufen der vorübergehende Mehrwertsteuersenkung in Deutschland zum Jahreswechsel. "Das schlägt durch, aber nur kurz", sagte EZB-Direktorin Isabel Schnabel jüngst dem "Spiegel". Die Inflation dürfte nach Schnabels Einschätzung 2022 wieder sinken, weil die gesamtwirtschaftliche Nachfrage vermutlich weiterhin schwach bleibe./mar/DP/jsl

Preisdruck dürfte schwach bleiben - Konjunkturaussichten unsicher

Der konjunkturelle Ausblick für die Eurozone bleibt aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Unsicherheit behaftet, während der grundlegende Preisdruck schwach bleiben dürfte. Die Inflation sei zuletzt zwar gestiegen, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag nach der Zinssitzung der Notenbank in Frankfurt. Der Preisauftrieb dürfte aber vorerst schwach bleiben, da es aufgrund der Corona-Beschränkungen noch viel wirtschaftlichen Leerlauf gebe.

Den wirtschaftlichen Ausblick beschrieb Lagarde zweigeteilt: Kurzfristig gebe es zahlreiche Risiken aufgrund der angespannten Corona-Lage und des Fortgangs der Impfkampagne. Mittelfristig seien die Aussichten jedoch ausgewogener. Fortschreitende Impfungen und die damit einhergehende schrittweise Aufhebung von Corona-Maßnahmen sprächen für eine kräftige Erholung der Konjunktur im laufenden Jahr.

Lagarde: EZB-Rat hat Verringerung der PEPP-Käufe nicht diskutiert

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat nach Aussage von EZB-Präsidentin Christine Lagarde nicht über eine Verringerung ihrer Anleihekäufe unter dem Pandemieprogramm PEPP diskutiert. "Darüber wurde nicht geredet, weil es verfrüht wäre", sagte Lagarde in der Pressekonferenz nach der Ratssitzung. Lagarde verwies darauf, dass die EZB ihre Käufe seit März "klar und entschlossen" erhöht habe. Sie achte dabei vor allem auf die Nettokäufe (Bruttokäufe abzüglich des Ersatzes fällig gewordener Anleihen).

Die EZB-Präsidentin trat der Wahrnehmung entgegen, dass der Anstieg der Anleihekäufe eher schwach gewesen sei. "Die Käufe sind im März gegenüber Februar signifikant gestiegen", sagte sie. Die von vielen Analysten offenbar bevorzugten Wochendaten seien "weniger relevant".

Hinsichtlich des Zusammenwirkens von Fiskal- und Geldpolitik sagte Lagarde, die eine könne die andere nicht ersetzen. "Jeder muss seine Arbeit machen und (der Aufbaufonds) Next Generation EU fällt klar in die Zuständigkeit der Fiskalpolitik" sagte sie. Bei Verzögerungen oder Hürden für Next Generation EU könne die EZB keinen Ersatz liefern. Die Wirtschaft des Euroraums brauche die fiskalische und die monetäre "Krücke".

Der Frage, ob die EZB mit den gegenwärtigen Finanzierungsbedingungen zufrieden sei, wich die EZB-Präsidentin aus. Sie sagte lediglich, diese seien verglichen mit März weitgehend unverändert. Befragt zum jüngsten Anstieg des Euro-Wechselkurses sagte Lagarde, Wechselkurse seien kein Politikziel der EZB, sie beobachte diesen aber wegen der Implikationen für die Inflation genau.

EZB/Lagarde hebt Rolle von TLTRO hervor

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat die Rolle ihrer langfristigen Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO) bei der Ankurbelung der Kreditvergabe hervorgehoben. Lagarde sagte in der Pressekonferenz nach der jüngsten EZB-Ratssitzung, der Quartalsbericht zur Kreditvergabe für das erste Quartal zeige, dass die Banken ihre Kreditkonditionen im zweiten Quartal moderat straffen wollten und dass sie mit einer geringeren Kreditnachfrage von Unternehmen und privaten Haushalten rechneten. Sie fügte hinzu: "Die Banken sagen uns auch, dass TLTRO eine entscheidend wichtige Rolle bei ihren Kreditoperationen spielen."

Bankkredite spielen im Euroraum die größte Rolle bei der Finanzierung der Realwirtschaft. Deshalb sind sie ein unerlässliches Instrument bei der Übertragung geldpolitischer Signale. Eine rückläufige Kreditnachfrage ist aus Sicht der EZB daher eine schlechte Nachricht.

Redaktion finanzen.net / dpa-AFX / Dow Jones Newswires

Bildquellen: einstein / Shutterstock.com, Petronilo G. Dangoy Jr. / Shutterstock.com

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